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Interview:
Judith Göller
FOTOS (5): A. H. BORHANI


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Mit den Augen hören ...

„Stadt-Magazin Celler Scene“
im Gespräch
mit der Lippendolmetscherin
im Oktober 2013



Judith Göller aus Speyer (Rheinland-Pfalz) wurde bekannt durch verschiedene Beiträge im TV und in Online-Medien sowie durch „YouTube“-Videos, insbesondere aber durch ihren seit 2006 bestehenden Blog unter www.gehoerlosblog.de ...
Judith Göller ist von Geburt an gehörlos und somit eine von rund 80.000 Gehörlosen bundesweit. Sie stammt aus einer Familie, die vorwiegend ‚hörend‘ ist – lediglich zwei ihrer drei Geschwister, die beiden Schwestern, sind ebenfalls gehörlos.
Erst im Alter von 32 Jahren kam sie mittels eines Cochlea-Implantats in den mehr oder weniger großen Genuss, an der hörenden Welt teilzuhaben. Ein Cochlea-Implantat (CI) ist eine Hörprothese für jene Gehörlosen, deren Hörnerv noch funktioniert.
„Celler Scene“ hatte Gelegenheit, mit Judith ein Interview zu führen.

„Celler Scene“: Der Mensch ist in seinem Wesen sehr flexibel. Hat er ein Handicap, versucht der Körper, dieses Handicap zu kompensieren. Bei blinden Menschen führt diese Kompensation dazu, dass sich beispielsweise die Ausprägung des Gehörsinns verstärkt. Wie bzw. insbesondere mit welchen Sinnen nimmst du die Welt um dich herum am intensivsten wahr – vor und nach der Implantation der Hörprothese?

Judith Göller: Das ist richtig, der Körper kompensiert das Handicap. Bei blinden Menschen wird nicht nur das Hören feinsinniger, sondern auch das Gefühl in den Fingern, mit denen sie die Braille-Schrift lesen können, was ein normaler Mensch mit fünf Sinnen kaum schafft. So ist es eben auch bei mir als Gehörlose. Mein Körpergefühl sowie das schnelle Erfassen mit den Augen sind verstärkt. Ich höre mit dem Körper. Es kommt hier darauf an, in welcher Umgebung ich etwas mit dem Körper empfinde. Stehe ich zum Beispiel auf einem Holzboden, so spüre ich die feinen Rhythmus-Vibrationen mit den Füßen, besonders bei Musik. Auf Beton, Fliesen oder PVC-Boden bin ich körperlich leider komplett taub. Der Musikbass, den empfinde ich in meinem Körper, in meinen hohlen Organen, das sind der Magen und das Zwerchfell. Mit den Händen fühle ich auch verstärkt die Geräusche bei Maschinen und Geräten.
Mit den Augen sehe ich viermal mehr als meine hörenden Mitmenschen – zumindest kommt das meiner eigenen Familie so vor. Manchmal sagen sie, ich hätte Augen im Hinterkopf, weil ich mehr und schneller in kurzer Zeit registriere, was ich sehe. All das empfinde ich, wenn ich meinen CI-Prozessor ausgeschaltet habe. Sobald ich mein Gerät zum Hören anmache, ist dieses verstärkte Körpergefühl – wie auf Knopfdruck. Aber die verschärfte Wahrnehmung mit meinen Augen bleibt weiterhin bestehen.

„Celler Scene“: Gehörlose Menschen kommunizieren untereinander mit der Gebärdensprache. In Deutschland haben wir die „Deutsche Gebärdensprache (DGS)“. Eine solche Gebärdensprache unterscheidet sich durchaus von der gesprochenen / geschriebenen Sprache. Wo siehst du die wesentlichen Unterschiede?

Judith Göller: Die Gebärdensprache unterscheidet sich stark von der Schriftsprache. Erstens ist diese Sprache eine visuelle Sprache mit Gebärden, Mimik und Gestik. Zweitens ist die Grammatik in dieser visuellen Sprache sehr eigen und zwar so, dass man sehr direkt und schnell zur Sache kommt. Hier ein ganz einfaches Beispiel: „Ich fahre am Montag nach Köln.“ In der Gebärdensprache verwendet man die wichtigsten Komponenten: „Ich Montag Köln fahre.“ Kurz und simpel. Bestimmte Gebärden vereinen mehrere Begriffe in sich allein, sodass man mit einer einzigen Geste das alles gleichzeitig ausdrücken kann. Das ist herrlich ... zeitsparend!

„Celler Scene“: Wenn es bei uns die „DGS“ gibt, dann gibt es in anderen Ländern sicherlich auch spezifische Gebärdensprachen, die von der Nationalität abhängen. Können sich Gehörlose verschiedener Nationalität problemlos miteinander unterhalten?

Judith Göller: Oh ja, es gibt Gebärdensprache in jeder Sprache und dann noch mal unterteilt in die jeweiligen Dialekten der Region, in der man wohnt und lebt. So haben die Hamburger einen anderen Gebärden-Dialekt als die Münchener. Genauso sieht es auch in anderen Ländern aus. Gehörlose tun sich leicht, mit Gehörlosen in anderen Ländern in der Gebärdensprache zu reden, auch wenn sie nicht mal deren Fremdsprache beherrschen. Da haben es die Hörenden, die die Fremdsprachen nicht beherrschen, viel schwerer.

„Celler Scene“: Viele Gesten von Gebärdensprachen sind demnach weltweit gleich oder ähnlich?

Judith Göller: Besonders die Grundbedürfnisse, beispielsweise trinken, essen, fahren und fliegen (Auto, Zug, Flugzeug), Richtungsangaben, Zeit, Zustimmung, Ablehnung und dergleichen.

„Celler Scene“: ... und in diesem Zusammenhang stellt sich eine Frage, die sich einem auch bei Menschen stellt, die mehrsprachig aufwachsen: In welcher Sprache denkst du: mehr in der gebärden-orientierten Sprache oder mehr in der gesprochenen Sprache?

Judith Göller: Ich persönlich denke viel mehr in gesprochener bzw. schriftlicher Sprache. Wenn ich mich mit meinen gehörlosen Freunden treffe, schalte ich um auf Gebärdendenken. Da muss ich mich am Anfang jedes Mal eingewöhnen und erst mal die Gehörlosen und deren Gebärden beobachten, bis ich mich auch einschalten kann. Ich bewege mich in meinem Alltag zu 90 Prozent mit hörenden Mitmenschen. Ich habe zwei hörende Kinder und einen hörenden Mann. Mit meinen zwei Schwestern, die beide ebenfalls gehörlos sind, gebärden und sprechen wir gleichzeitig. Im Büro, in dem ich als Industriekauffrau tätig bin, gibt es für den Fachjargon kaum Gebärden, die müsste man erst anpassen.

„Celler Scene“: Wie verständigt man sich dann im Betrieb mit Hörenden, wenn es um sehr Fachspezifisches geht?

Judith Göller: Bei mir persönlich ist es so, dass ich mit meiner Lautsprache direkt mit meinen Kollegen und Chefs kommuniziere. Mit dem entsprechenden Fachjargon in meinem Beruf bzw. an meiner Arbeitsstelle bin ich vertraut. Ich erinnere mich sehr genau, wie ich anfangs Probleme hatte mit den vielen Fremdwörtern, die mir in meiner Ausbildung begegneten. Da hatte ich das Fremdwörterbuch praktisch immer dabei, um die Bedeutung der Wörter verstehen zu können. Heute noch schaue ich per Internet immer wieder nach der Bedeutung eines Fremdwortes, wenn ich beim Lesen stocke und merke, dass ich über ein Fremdwort ‚stolpere‘ und nicht weiterkomme, weil ich es nicht verstanden habe.

„Celler Scene“: Wie man deiner Website www.lippendolmetscher.com entnehmen kann, bist du durchaus eine Spezialistin fürs Lippenablesen. Du hast sogar den Begriff „Lippendolmetscher“ geprägt. Was hat es damit auf sich?

Judith Göller: Ich musste immer öfter für Hörende dolmetschen, wenn ohne Stimme gesprochen wurde und hier nur das Lippenlesen möglich war. Da ich hier also so eine Art Vermittlerin oder Dolmetscherin für Hörende bin, habe ich deshalb den Begriff „Lippendolmetscher“ eingeführt. Hier ist der hörgeschädigte Lippenleser ein Dolmetscher für Hörende, die zum größten Teil nicht von den Lippen lesen können. Ich vermittle derzeit 30 Lippenleser in ganz Deutschland über meine Lippendolmetscher-Agentur. Hörgeschädigte, die sehr gut im Lippenlesen sind, werden immer gebraucht und können sich bei mir bewerben. Ich freue mich über jeden sehr guten Lippenleser in jeder Region.

„Celler Scene“: Wo liegt der Unterschied zwischen Lippendolmetschern und Gebärdensprachdolmetschern?

Judith Göller: Die Lippendolmetscher sind nicht zu verwechseln mit Gebärdensprachdolmetschern, da wir hörgeschädigte Lippenleser für Hörende vermitteln. Die Gebärdensprachdolmetscher sind zum größten Teil hörend und dolmetschen für Gehörlose.
Wir Lippendolmetscher machen es genau umgekehrt: Wir geben für Hörende in der gesprochenen bzw. schriftlichen Sprache wieder, was von den Lippen abgesehen wird. Unser spezielles Können wird eingesetzt bei den Patienten, die einen Luftröhrenschnitt haben und ohne Stimme sprechen, oder die durch Krankheit die Stimme verloren haben sowie bei Filmen, die ohne Ton sind.

„Celler Scene“: Judith, in einer ausführlichen TV-Reportage über deine Leidensgenossin Natalie Girth war über einen längeren Zeitraum hinweg mitzuerleben, wie schwierig es ist, sich an den Umgang mit dem Cochlea-Implantat zu gewöhnen. Der Normalhörende denkt vermutlich: „Gerät eingeschaltet – und schon geht's los!“ Aber die Realität sieht eben vollkommen anders aus. Ich nehme mal an, es ist so ähnlich wie bei einem Blinden, der das erste Mal in seinem Leben sehen kann und gleich sagen können soll, welche von mehreren Farben rot ist. Das kann er eben nicht wissen, sondern muss es erst mühsam lernen.

Judith Göller: Ja, genauso ist es – das Hören muss erst mal gelernt werden. Das ist, wie wenn du am Telefon auf einmal chinesisch hörst und kein Wort davon verstehen kannst. Am Anfang steht der Prozess des Hörenlernens. Du kannst die Laute nicht sofort zuordnen – das Hörgedächtnis muss erst antrainiert werden. Ich musste auch die Erwartungen in meiner eigenen Umwelt ausbremsen. Da erwartete selbst mein eigener Vater, dass ich nun alles hören und verstehen könne, nachdem ich das Implantat erhalten hatte.
Aber so läuft es nicht. Hören und Verstehen sind zwei verschiedene Stiefel. Da ich erst im 32. Lebensjahr mein Implantat bekam, also als Erwachsene (und zudem von Geburt an gehörlos), ist mein Hörgedächtnis so gut wie gar nicht ausgebildet gewesen. Ich musste und muss immer noch alles neu lernen.
Zu Beginn hörte ich sozusagen nur einen Matsch aus allen Geräuschen und lernte mit der Zeit, bestimmte Geräusche herauszuhören und mein Gehör zu schulen. Besonders die Geräusche, die mir im Alltag begegnen, konnte ich mir schnell einprägen, da sie immer wieder und wieder gemacht werden. Das sind zum Beispiel die Schritte, das Klopfen an der Tür, Telefonklingeln, Waschmaschine, das Schreien der Kinder ... Die Stimmen sind für mich persönlich so komplex, dass ich hier immer noch große Schwierigkeiten habe, nur per Gehör verstehen zu können. Ich brauche weiterhin das Lippenlesen als Unterstützung in der Kommunikation mit meinen Mitmenschen. Ich kann und will mir aber auch nicht abgewöhnen, Gespräche von Angesicht zu Angesicht zu führen. Ich höre eben mit meinen Augen zu.

„Celler Scene“: In einem Beitrag über dich war zu lesen, dass du selbst zu Zeiten vor dem Cochlea-Implantat (CI) bereits eine Affinität für Musik entwickelt hast. Wie empfindet man Musik als Gehörloser? Eigentlich dürfte man doch kaum mehr als Vibrationen spüren, die insbesondere von Basstönen erzeugt werden.

Judith Göller: Ja, schon als Kind hatte ich ein Faible für Musik. Da durfte ich bei meinem Vater sitzen, während er Akkordeon spielte. Ich legte meine Hand auf sein Akkordeon und durfte mitfühlen bei seinem Musizieren.
Was gerade bei einer Hörgeschädigten paradox klingt, ist, dass ich schon seit meiner Kindheit ein sehr gutes Rhythmusgefühl habe, trotz meiner Gehörlosigkeit – und das habe ich immer ausgelebt. Ich höre mit dem ganzen Körper. Ohne Hörgerät bzw. Cochlea-Implantat empfinde ich hauptsächlich Vibrationen durch den Bass. Die hellen Töne konnte ich nicht wahrnehmen. Mit meinem Cochlea-Implantat genieße ich die Musik noch mehr. Die vielen Zwischentöne, die feinen Abstimmungen, die ich mit dem Körper nicht wahrnehmen konnte, das war alles neu für mich, und hier begriff ich zum ersten Mal, weshalb Hörende bei der Musik zu Tränen gerührt werden konnten: weil sie die Frequenzen empfangen, die man nur übers Gehör empfangen kann.
Als ich so weit war, die feinen Frequenzen wahrzunehmen, hörte ich ein wunderschönes Gitarrenmusik-Stück. Ich konnte nur noch still bleiben, mit meinem Gehör dank der CI-Technik und mit meinem Herzen zuhören und vor Glück weinen. Das kannte ich vorher so gar nicht. Seitdem kommen mir öfter Tränen bei Musikstücken, die mich berühren.

„Celler Scene“: Wie sieht es in diesem Zusammenhang mit deinem Hörgedächtnis aus?

Judith Göller: Mein Hörgedächtnis ist noch in den Startlöchern, da ich noch Schwierigkeiten habe, mir die Musikstücke einzuprägen und wiederzuerkennen. Das gelingt mir bis jetzt noch nicht ganz richtig. Aber was nicht ist, kann noch werden.
Außerdem hat mein Mann – er hat selbst Musik im Blut – dafür gesorgt, dass wir nur die beste Ausstattung an den Musikanlagen haben, und seitdem habe ich noch viel mehr Freude an der Musik. Wenn so mancher Hörender denkt, die Gehörlosen bräuchten keine solche Anlage, dann irrt der sich gewaltig. Gerade die Gehörlosen brauchen die bestmöglichste Ausstattung, um diese feinen Frequenzen abzukriegen.

„Celler Scene“: Du hast sogar das Pfeifen gelernt ...

Judith Göller: Ja, aber erst in diesem Jahr – mit meinen 41 Jahren. Auf einmal pfiff ich! Ich schaute mich erschrocken um, um zu sehen, wer da pfeift. Da aber keiner in der näheren Umgebung war, stutzte ich erst einmal, dass doch ich es war, die gerade pfiff. Also probierte ich es und siehe da: Ich kann mit meinem Mund pfeifen. Das war ein Meilenstein für mich. Diese Art von Pfeifen mit dem Mund ... da kommen sehr helle Töne heraus und die spüre ich nicht einmal. Ich kann diese nur hören. Ich habe dann getestet, ob ich diese Pfeiftöne auch ohne mein CI direkt im Mund spüren könnte. Es geht nicht – man kann diese gar nicht fühlen, nur hören.
Ich konzentriere mich mit meinem Cochlea-Implantat hauptsächlich auf die Musik, nicht auf die Stimmen, da diese für mich nach wie vor zu komplex sind zum Verstehen. Ich glaube, ich setze mich selbst bei Stimmen unbewusst unter Druck, sodass ich nicht viel verstehen kann, wenn jemand spricht. Wenn ich an gar nichts denke oder mich auf was ganz anderes konzentriere, dann verstehe ich auf einmal das Gesprochene. Aber im Großen und Ganzen unterstützt mich das Hören im Gespräch, und das Lippenlesen ist dann nicht mehr so anstrengend.

„Celler Scene“: Bereits im Alter von 19 Jahren hast du angefangen, dich für Bauchtanz zu interessieren. Wie kommt man dazu, wenn man absolut nichts hören kann?

Judith Göller: Wie ich bereits erwähnte, hatte ich schon als Kind diesen Rhythmus in meinem Körper, was ich gerne auslebte. Und als ich mit 19 Jahren den Bauchtanz entdeckte – ich probierte zuvor mehrere Tanzstile aus –, wusste ich, genau dieser Tanz ist es, der zu meinem inneren Rhythmus und meiner Lebensfreude passt. Ich erkannte es am Bass durch die Trommelmusik-Stücke sowie die Bewegungsabläufe beim Tanzen.

„Celler Scene“: Kannst du TV-Sendungen und Videos eigentlich gut folgen? Mehr optisch – durch Lippenlesen – oder mehr akustisch? Oder beides gleichermaßen?

Judith Göller: Ich verlasse mich da lieber auf Untertitel im TV. Es geht alles zu schnell – da ist das Lippenlesen sehr, sehr anstrengend und macht mich schnell müde. Daher lieber Untertitel, sodass ich mich dabei entspannen kann. Leider gibt es bei untertitelten Sendungen nicht viel Auswahl. Ich bin da spezifisch und schaue gerne Dokumentationen sowie Satire. Aber gerade da gibt es leider so wenig Untertitel, was ich sehr schade finde! Wenn ich eine Sendung davon mit Untertitel erwische, bin ich so dankbar dafür.

„Celler Scene“: Eigentlich müsste gerade die Internet-Ära ein großer Segen für Gehörlose sein, weil man schnell mal mit Menschen kommunizieren kann, ohne auf das gesprochene Wort und das Gehör angewiesen zu sein. Wie hast du die Zeit davor erlebt?

Judith Göller: Ich empfinde es jetzt mit Internet als besser. Dem Internet sei Dank! Denn so kann ich endlich mit Menschen kommunizieren, mit denen ich vor der Internet-Zeit nie hätte sprechen können. So kann ich mittels Internet mit Menschen ‚telefonieren‘, also chatten und sprechen. Direkt und ohne Umwege.
Die Zeit davor war die Steinzeit. Die Kommunikation ging so schleppend voran mittels Briefkontakten, und mir waren die Hände oft gebunden, wenn es darum ging, unabhängig Termine auszumachen. Ich möchte die Zeit nicht zurückdrehen. Auch wenn wir leider so bespitzelt werden, für mich ist das Internet ein Segen. So konnte ich meine Kompetenz nochmal steigern.
Früher musste ich meine Mutter um ein Telefonat bitten, wenn ich beispielsweise eine Freundin besuchen oder lediglich fragen wollte, ob diese da ist. Dabei musste ich immer vor jedem Telefonat erklären, was ich wollte. Ich kam mir jedes Mal vor, als müsste ich Rechenschaft ablegen. Ich habe damals diese Abhängigkeit in der Kommunikation gehasst. Dank des Internets kann ich meine Kommunikation komplett selbst steuern. Diese Abhängigkeit früher war für mich schlimm, da ich immer nach Unabhängigkeit strebte. Heute bittet meine Mutter mich, per Internet Termine auszumachen.

„Celler Scene“: Telefonieren ist demnach für dich dann wohl eher eine Angelegenheit, die zwar grundsätzlich – technisch – funktioniert, die du aber lieber vermeidest?

Judith Göller: Ja. Ich übe das Telefonieren nur mit meinem Mann – fremde Stimmen irritieren mich.

„Celler Scene“: Judith, vielen Dank für dieses Gespräch.




Anmerkung

Judith Göller hat inzwischen geheiratet und heißt jetzt Judith Harter.

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Letzte Änderung:  01.06.2018
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