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Interview:
Bodo Lorenzen
FOTO: UWE HÜTTNER


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„Ich spüre, was du nicht sagst!“

„Stadt-Magazin Celler Scene“
im Interview
mit dem Mentalisten Bodo Lorenzen
im März 2013



CELLE / BUXTEHUDE.  Man kennt ihn vor allem aus seinen Shows, in denen er durch sein mentales Geschick verblüfft. Allein im Raum Celle tritt er immer mal wieder im Rahmen eines „magischen Dinners“ auf, wo er zwischen den einzelnen Gängen des Menüs ausgiebig seine Zuschauer verzaubert. Die wenigsten wissen um seine Vergangenheit als Rundfunk-Journalist und Moderator oder auch als Rennfahrer. Frank R. Bulla hatte Gelegenheit, Bodo Lorenzen ein paar Antworten zu entlocken ...

„Celler Scene“: Bodo, viele Dinge, die wir im Leben machen, geschehen nicht immer zufällig, sondern haben oft eine Vorgeschichte und nehmen eine mehr oder weniger bestimmte Entwicklung. Vor deiner Zeit als Mentalist und Referent hast du beruflich etwas vollkommen anderes gemacht. Aus deiner Vita wird ersichtlich, dass du eine Ausbildung als Techniker absolviert hast. Was genau ist darunter zu verstehen?

Bodo Lorenzen: Da ich damals schon ein Autonarr und „Formel 1“-Fan war, gab es für mich gar keine Frage an der Berufswahl. Es musste ein technischer Beruf mit Autos sein. So war es dann auch. Ich machte die Kfz-Ausbildung bis zum Gesellen und konnte so meine geliebten Autos rundum selbst versorgen. Was sogar dazu führte, dass ich mir, trotz bescheidener finanzieller Mittel, ein relativ konkurrenzfähiges „Formel Vau“-Rennauto selbst bauen konnte. Diese ‚Grundausbildung‘ hat auch später immer wieder geholfen, technische Dinge optimal einzusetzen.

„Celler Scene“: Und das war dann deine Zeit als Hobby-Rennfahrer ...

Bodo Lorenzen: Ja, es war eine turbulente Zeit, in der ich viel über das Leben gelernt habe: Ruhm und Niederlage, Siegeseuphorie und tödliche Unfälle von Idolen und Fahrerfreunden. Ich habe dabei gelernt, dass man das Leben täglich neu genießen muss.
Es gab damals nur wenige Fahrer mit genügend finanziellen Mitteln, um ihr Fahrerpotential auszuspielen. Niki Lauda, gegen den ich am Hockenheimring und auf dem Nürburgring gefahren bin, gehörte dazu.
Die Rennwagen und die Rennstrecken der damaligen Zeit waren gefährlich. Ein kleiner Fehler und man landete mit hoher Geschwindigkeit im Wald. Und das in einem Auto ohne Sicherheitszelle. Da musste man alles an Mut und fahrerischem Können aufbringen, um mit schlechterem Material mithalten zu können.

„Celler Scene“: Hat sich in dieser deiner mehr ‚technischen Phase‘ irgendetwas ereignet, das dich unweigerlich zur ‚mentalen Phase‘ brachte? Oder ist dieser Wechsel lediglich dem Umstand geschuldet, dass du vielseitig interessiert bist?

Bodo Lorenzen: Natürlich bin ich vielseitig interessiert. Aber das Interesse an Dingen oder Themen wandelt sich im Laufe eines Lebens. Ich glaube, hier gilt die These: „Nichts passiert zufällig“. Ich habe in meiner Zeit als Rennfahrer einige brisante Situationen erlebt. Und manchmal denke ich heute: „Dein Instinkt hat dich gerettet!“ und „Schutzengel gibt es wirklich“. Aber das zu erklären, würde den Rahmen des Interviews sprengen.

„Celler Scene“: Du warst auch mal beim „NDR“ tätig ...

Bodo Lorenzen: Oh ja, in den 80ern. Damals gab es ja für junge Leute nur eine vernünftige Jugendsendung. Es war der „NDR 2 Club“. Ich hatte das Glück, als freier Mitarbeiter unter dem legendären „NDR“-Moderator Lutz Ackermann, in der Redaktion und am Mikrofon mitmischen zu dürfen. Ich habe in der Zeit, es waren über vier Jahre, viel von der Pieke auf gelernt und konnte später bei meinem eigenen Sender „EventFunk-Nord“ alles wunderbar gebrauchen.

„Celler Scene“: Zuweilen ist ein Beruf, den man ausübt, in irgendeiner Form mit der Zeit des Heranwachsens verbunden. Gab es denn bereits in deiner Kindheit oder Jugend Hinweise auf dein mentales Talent?

Bodo Lorenzen: Heute weiß ich, dass da bei mir schon sehr früh Ansätze vorhanden waren. Mein Talent, Dinge wahrzunehmen und Ereignisse und Handlungsabläufe vorauszusehen, ist bei meinen Freunden schon damals auf Verwunderung gestoßen. Dass das später mal mein Beruf werden sollte, hätte ich nie gedacht.

„Celler Scene“: In deinen sehr unterschiedlichen Shows unterhältst du das Publikum nicht mit faulem Zauber und greifst auch nicht zur Glaskugel und übst dich in Hellseherei, um die Gedanken deines Gegenübers zu erraten. Mal verglichen mit der konventionellen Zauberkunst, wo Jungfrauen zersägt und Kaninchen aus dem Hut gezaubert werden: Was genau macht ein Mentalist auf der Bühne? Und was macht einen Mentalisten aus?

Bodo Lorenzen: Nun, wir müssen hier unterscheiden. Der Mentalist ist eine Weiterentwicklung oder besser gesagt: eine spezielle Form des in der Zauberkunst verankerten Mentalmagiers. Um gewisse Effekte zu erreichen, kommen natürlich auch Täuschungs- und Tricktechniken zum Einsatz. Beim Mentalisten geht es jedoch auch sehr stark in wissenschaftliche, psychologische und suggestive Bereiche. Auch Hypnose spielt dabei eine Rolle. Auf der Bühne kommt es nun darauf an, Menschen zu unterhalten und zu faszinieren. Da ist, neben den Mentaltechniken, ein guter Entertainer, Schauspieler und Moderator gefragt. Über allem steht hier aber das Entertainment und zufriedene Zuschauer.

„Celler Scene“: Und wie gelingt es dir, bei deinen Vorhersagen stets so treffsicher zu sein?

Bodo Lorenzen: Es gelingt mir gut [grinst]. Wenn du jetzt „Coca-Cola“ nach ihrer Erfolgsmixtur gefragt hättest, wäre die Antwort wohl die gleiche. Nein, Spaß bei Seite! Ich bin immer noch Mitglied im „MZvD (Magischer Zirkel von Deutschland)“ und habe dort meinen Schwur zum Stillschweigen gemacht. Manchmal ist es die einfachste Art, auf die Frage zu Antworten.

„Celler Scene“: Die Kunst eines Mentalisten kann sehr vielseitig sein. Bei welchen „Experimenten“ hast du am meisten Freude?

Bodo Lorenzen: Die Freude ist am größten, wenn ich den Menschen etwas Positives mit auf den Weg geben kann. Der Spaß ist am Unfassbares mit ihnen oder in ihrem Kopf passiert.

„Celler Scene“: Muss ein Mentalist nicht ständig auch damit rechnen, dass ein Neunmalkluger im Rahmen einer Show versucht, ihn auf die eine oder andere Art und Weise auszutricksen?

Bodo Lorenzen: Natürlich passiert so etwas auch, aber bei der Wahl der richtigen Probanden eher selten. Sollte es dennoch geschehen, ist es für den ‚Neunmalklugen‘ in der Regel ein Eigentor. Das Publikum mag solche Leute ebenso wenig wie ich. Außerdem sichere ich mich in speziellen Fällen dadurch ab, dass derjenige zum Beispiel vorher etwas aufschreibt. Wenn er dann lügt, gibt es einen Beweis und er ist in den Augen der anderen Gäste der Dumme.

„Celler Scene“: Inzwischen hast du dir in der Republik einen Namen gemacht, hattest schon die unterschiedlichsten Auftritte und konntest auch schon ein paar Preise und Anerkennungen einheimsen ...

Bodo Lorenzen: Normalerweise finde ich Wettbewerbe blöd. Abgesehen davon, dass die Entscheidungen einer Jury immer subjektiv durch vorgeprägte Meinungen beeinflusst sind – sind ja auch nur Menschen: siehe Eiskunstlauf oder „DSDS“! Ich bin der Meinung, dass jeder Künstler etwas Individuelles darstellt. Ich habe aber trotzdem mal mitgemacht und freue mich, die Erfolge als Gewinner des zweiten Platzes bei der „Tour de Chance“ des "MZvD" und auch als bester Mentalist beim „Internationen Showpreis 2011“ für meine Werbung ausnützen zu können.

„Celler Scene“: Dein mentales Talent nutzt du ja nicht nur, um das Publikum in Unterhaltungs-Shows zu verblüffen – es gibt beruflich auch eine sozusagen ernste Seite: Du betätigst dich als Coach, um Menschen in Unternehmen mental auf Vordermann zu bringen.

Bodo Lorenzen: Das ist richtig. Um da hinzukommen, wo ich heute bin, musste ich mich ernsthaft mit dem menschlichen Gehirn, also Neurobiologie, Psychologie, Verhaltensmustern, NLP [Anm. d. Red.: Neurolinguistisches Programmieren], nonverbaler Kommunikation und Suggestion, Hypnose beschäftigen. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse konnte ich auch sofort in der Praxis und auf der Bühne anwenden und perfektionieren. Die Konsequenz daraus ist zwangsläufig das Verstehen und Erkennen von menschlichem Verhalten und die Umsetzung in der Kommunikation. Heute werde ich als Gastredner und Psychic-Entertainer gezielt bei Firmen-Events eingesetzt, um mit praktischen Beispielen und Experimenten zu zeigen, was richtiges oder auch falsches Führungsverhalten für Folgen hat.

„Celler Scene“: Gerade in der heutigen Zeit hat man das Gefühl, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, denen die gesunden Instinkte verlorengehen, die regelrecht verlernen, (die richtigen) Signale zu geben, und für die Empathie immer mehr zum Fremdwort wird – alles Aspekte, die den Umgang miteinander erschweren. Nicht jeder ist mit der Gabe eines Mentalisten ausgestattet – was kann man angesichts dieses Zeitgeistes den Menschen raten: Wie können sie wieder lernen, sich besser aufeinander einzustellen?

Bodo Lorenzen: Grundsätzlich sei gesagt, dass die meisten Führungskräfte das, was sie machen, richtig und gut machen. Aber machen sie denn auch das Richtige richtig? Wenn sie fachlich „Top“ sind, bedeutet es noch lange nicht, dass sie auch im Bereich der Menschenführung Top-Arbeit verrichten können. Leider gibt es hier für viele Führungskräfte enorm Nachholbedarf. Das Problem ist nur, dass jeder von sich sagt. „Für mich gilt das ja nicht!“ Genau wie bei den Alkoholikern. Da zieht sich auch keiner gern den Schuh an.

Und nun kommt der Mentalist und hält denen frech den Spiegel vor und zeigt: „Das bist du!“ Das bewirkt kleine Wunder und öffnet die Tür zum Bessermachen. Wenn ich da etwas helfen kann, die Burnout-Quote zu senken, bin ich froh.

Irgendwie erinnert mich das an die Geschichte mit dem Mann, der in den Blumenladen kommt und sagt: „Ich habe gehört, bei ihnen bekommt man eine Pflanze, die richtig zubereitet Frieden, Wohlstand, Erfolg, Gesundheit und glückliche Menschen schafft.“ Der Verkäufer antwortet darauf: „Ja, das stimmt.“ „:Wenn das so ist, dann hätte ich gerne ein ganzes Bund davon.“ Woraufhin der Verkäufer lächelt und mit freundlicher Stimme antwortet: „Sie haben dabei aber etwas Falsches verstanden. Sie bekommen bei mir nicht die fertige Pflanze, ich gebe Ihnen nur den Samen dafür.“

„Celler Scene“: Bodo, vielen Dank für deine ausführlichen Antworten.




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Letzte Änderung:  01.06.2018
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