„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2015



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„40 Tage Nacht“
von Olivier Truc

Lappland nördlich des Polarkreises: In der norwegischen Gemeinde Kautokeino warten die Bewohner auf ein ganz besonderes Ereignis. Nach 40 Tagen durchgehender Dunkelheit wird die Sonne am 10. Januar zum erstenmal wieder fĂŒr eine halbe Stunde am Horizont zu sehen sein. Dass es am gleichen Tag zu weiteren spektakulĂ€ren Ereignissen kommen wird, kann kurz zuvor noch niemand ahnen. Ausgerechnet am Tag der ersten SonnenrĂŒckkehr ereignen sich gleich zwei Verbrechen: Kaum wird eine kostbare samische Trommel von einer Galerie als gestohlen gemeldet, findet man den RentierzĂŒchter Mattis ermordet auf. Beide Ohren wurden ihm abgeschnitten, wie es bei Rache-Aktionen der Renen ĂŒblich ist. Kommissar Klemet und seine junge Kollegin Nina arbeiten fĂŒr die Rentierpolizei, die normalerweise nicht viel mehr zu tun hat, als bei den gelegentlichen lĂ€nderĂŒbergreifenden Konflikten zwischen den samischen RentierzĂŒchtern zu ermitteln. GerĂŒchte tauchen auf, die besagen, dass es einen Zusammenhang geben soll zwischen der gestohlenen Trommel und dem Mord, doch von den schweigsamen Bewohnern der Gegend erhalten Klemet und Nina meist nur Andeutungen, die sie kaum zuordnen können. Nicht nur RivalitĂ€ten unter RentierzĂŒchtern scheinen in dem Fall eine Rolle zu spielen, auch Bergbau-Konzernen könnten verwickelt zu sein, geht es doch um Lizenzen fĂŒr den Abbau wichtiger neuer FundstĂ€tten in der Region. Und dann gibt es noch das RĂ€tsel um die Trommel, deren Geschichte in die 1930er Jahre zurĂŒckreicht und an politische Verwicklungen der damaligen Zeit rĂŒhrt. Im Laufe der dreiwöchigen Ermittlungen verlĂ€ngert sich die Tagesdauer auf annĂ€hernd fĂŒnf Stunden ...

Olivier Truc: 40 Tage Nacht.
Droemer, 496 Seiten, 19,99 €.


„Dark House“
von Thomas Kastura

Zehn Jahre ist es her, dass Professor Knowles und eine Gruppe seiner damaligen Studenten ein soziales Experiment durchgefĂŒhrt haben: ein verlassenes GebĂ€ude wurde zu einem „Dark House“ umfunktioniert – in mehreren völlig verdunkelten RĂ€umen war fĂŒr die Teilnehmen nichts mehr sichtbar, aber alles erlaubt. Vor allem sexuelle Phantasien sollten dort ausgelebt werden, um die eigenen Grenzen auszuloten. Wie sehr die Erfahrungen in der Gruppe das Leben aller Teilnehmer verĂ€ndern wĂŒrde, das konnte niemand ahnen. Eine der Studentinnen, die junge Hollie, nahm sich kurz danach das Leben. Nie wurde darĂŒber gesprochen, und auch die Erfahrungen im „Dark House“ wurden nie gemeinsam aufgearbeitet. Jetzt, zehn Jahre spĂ€ter, lĂ€dt einer der Teilnehmer an dem Experiment alle anderen aus der Gruppe zu einem gemeinsamen Wochenende in einem Cottage an der KĂŒste von Dorset ein, um endlich einmal ĂŒber die Geschehnisse von damals zu sprechen. Jeder der ehemaligen Teilnehmer scheint in irgendeiner Weise durch die Erlebnisse im „Dark House“ verstört zu sein, und kaum ist man zusammengekommen, gibt es schon den ersten Toten. Jeder misstraut jedem und es allen ist klar, dass der Mord mit den Ereignissen in den verdunkelten RĂ€umen zu tun haben muss. Wer hat ein Motiv und was ist damals wirklich geschehen? WĂ€hrend die Gruppe durch einen Sturm von der Außenwelt abgeschnitten ist, geht das Morden weiter ...

Thomas Kastura: Dark House.
Droemer, 352 Seiten, 16,99 €.


„Das Falsche in mir“
von Christa von Bernuth

Lukas Salfeld fĂŒhrt ein unauffĂ€lliges Leben. Der 50-JĂ€hrige arbeitet in einer gut bezahlten Position, ist verheiratet und hat zwei Töchter. Von den Ereignissen in seiner Jugend und seinem zehnjĂ€hrigen GefĂ€ngnis-Aufenthalt wissen seine Familie und sein Umfeld nichts. Mit 16 hatte er seiner Freundin Marion die Kehle durchgeschnitten und ihr, getrieben von seinen sexuellen Fantasien, sogar noch nach derem Tod weitere Verletzungen zugefĂŒgt. All die Jahre hatte er seine Leidenschaft im Griff, doch seine Fantasien quĂ€lten ihn weiterhin. Als eine junge Frau, die seiner damaligen Freundin sehr Ă€hnlich sieht, brutal ermordet aufgefunden wird, ermittelt Kommissar Gronberg gegen ihn. FĂŒr den Kriminalbeamten, der schon damals fĂŒr Lukas Salfeld zustĂ€ndig war, sind die Parallelen nur zu offensichtlich. Lukas flieht und taucht unter. Er vermutet, dass es einen NachahmungstĂ€ter geben muss, der die Spuren auf ihn lenken will. Doch sicher ist er sich nicht: Er kann sich nicht daran erinnern, was in der Mordnacht geschah. Schon mehrmals hatte er diese Art von Filmriss ...

Christa von Bernuth: Das Falsche in mir.
DTV, 352 Seiten, 14,80 €.


„Der Killer“
von David Baldacci

Wenn weder Polizei, „FBI“ noch das MilitĂ€r in der Lage sind, jemanden aufzuhalten, der den USA schadet, kommen gelegentlich Auftragskiller zum Einsatz. Will Robie ist einer der erfolgreichsten TĂ€tigen in diesem Bereich, bisher hat er noch kein Ziel verfehlt. Er hat schon in spektakulĂ€ren EinsĂ€tzen bewiesen, dass er einen kĂŒhlen Kopf bewahren kann, und wird deshalb immer wieder gern fĂŒr neue FĂ€lle engagiert. Doch diesmal laufen die Dinge anders als geplant – dem sonst so skrupellosen Will erscheint sein aktueller Auftrag von Anfang an suspekt, er lĂ€sst sein Opfer laufen und wird damit selbst zum Gejagten, der eliminiert werden soll. Auf seiner Flucht trifft er auf die 14-jĂ€hrige Julie, die ebenfalls verfolgt wird, da sie Zeugin eines Verbrechens geworden ist. Zum erstenmal muss sich Will, der bisher fast allen persönlichen Bindungen aus dem Weg gegangen ist, um jemanden kĂŒmmern. Das ungleiche Duo gerĂ€t immer wieder in lebensgefĂ€hrliche Situationen, ihre Flucht ist eine rasante Abfolge unvorhergesehener Wendungen, und nach und nach kommt Will einer unvorstellbaren Verschwörung auf die Spur.

David Baldacci: Der Killer.
Bastei-LĂŒbbe, 592 Seiten, 19,99 €.


„Der Mann mit den schönen FĂŒĂŸen“
von Arto Paasilinna

Fast jedes Jahr im Herbst veröffentlicht der finnische Erfolgsautor Arto Paasilinna ein neues Buch. Dieses jedoch erschien bereits 1985 und wurde erst jetzt ins Deutsche ĂŒbersetzt. Wie immer erweist Paasilinna sich als Meister der skurrilen EinfĂ€lle und des schwarzen Humors. Diesmal geht es um einen Reeder, der alles erreicht hat, was er sich wĂŒnschte und vom Schicksal böse ĂŒberrascht wird. Aulis RĂ€vĂ€nder ist erfolgreich, besitzt einen eigenen Schlepper, eine schöne Wohnung in einem teuren Stadtteil Helsinkis und lebt dort zusammen mit seiner attraktiven Frau und den beiden gemeinsamen Kindern. Doch eines Tages verlangt seine Frau aus heiterem Himmel die Scheidung, weil sie einen anderen Mann kennengelernt hat. RĂ€vĂ€nder ist am Boden zerstört und zieht sich auf eine abgelegene Insel zurĂŒck. Als er in Selbstmitleid versinkt, beschließt er, die Telefonseelsorge anzurufen. Doch er verwĂ€hlt sich und hat die resolute Fußpflegerin Irene Oinonen am anderen Ende. Die ist nicht nur bereit, RĂ€vĂ€nder zuzuhören, sondern auch willens, ihn nĂ€her kennenzulernen. Und erst damit beginnen die wirklichen Turbulenzen in RĂ€vĂ€nder's Leben.

Arto Paasilinna: Der Mann mit den schönen FĂŒĂŸen.
Bastei-LĂŒbbe, 240 Seiten, 18,99 €.


„Der Sohn“
von Jo NesbĂž

Seit vielen Jahren sitzt der 30-jĂ€hrige Sonny Lofthus im HochsicherheitsgefĂ€ngnis Staten in Oslo. Als Jugendlicher verlor er den Glauben an das Gute im Menschen, als er erfuhr, dass sein Vater, ein Polizeibeamter, bestechlich gewesen war. Sonny ist ein Mustergefangener, der niemandem Äger bereitet und bei allen beliebt ist. Und er scheint Verbrechen zu gestehen, mit denen er nie zu tun hatte, um im Knast mit Drogen versorgt zu werden. Bei einem GesprĂ€ch mit einem anderen Inhaftierten kommt heraus, dass Sonnys Vater weder korrupt war noch Selbstmord begangen hat, sondern ermordet wurde, um jemand anderen nicht zu enttarnen. Zum zweiten Mal bricht fĂŒr Sonny eine Welt zusammen, doch diesmal beschließt er, aktiv zu werden. Er bricht aus, um Rache an seinem Vater zu nehmen, und er wird jeden umbringen, der an dem Verbrechen beteiligt war. Ausgerechnet der ehemals beste Freund seines Vaters, der Kriminalbeamte Simon Kefas, wird auf ihn angesetzt. Spannend bis zum Schluss verknĂŒpft Jo NesbĂž die Themen Korruption, Drogen- und Menschenhandel mit Fragen nach Moral und Gerechtigkeit. Am Ende gibt es niemanden mehr, der eindeutig zu den Guten oder zu den Bösen gerechnet werden kann.

Jo NesbĂž: Der Sohn.
Ullstein, 528 Seiten, 22,99 €.


„Der Totenzeichner“
von Veit Etzold

Dies ist der vierte Krimi um Clara Vidalis und ihr Team vom „LKA Berlin“, und dieses Mal geht es um einen besonders grausamen Ritualmord. Der Boss einer Rocker-Bande, die sich „Deathguards“ nennt, ist bestialisch ermordet aufgefunden worden, mit geöffnetem Brustkorb und fehlendem Herzen. Dem Toten sind außerdem ungewöhnliche Zeichen in die Haut geritzt worden, die an Runen erinnern. Neben ihm liegt sein ebenfalls auf brutale Weise getöteter Kampfhund, der offensichtlich noch versucht hatte, sein Herrchen zu beschĂŒtzen. Clara Vidalis, Expertin fĂŒr Pathopsychologie, ist gerade erst aus ihrem Urlaub zurĂŒck und muss sich schon mit diesem schockierenden und seltsamen Fall befassen. Man geht zunĂ€chst von einer Racheaktion unter Rocker-Banden aus, doch alle Ermittlungen in dieser Richtung laufen ins Leere. Der zum Team gehörende Ermittler Martin Friedrich, genannt „McDeath“, ist vor Jahren in den USA zum Profiler ausgebildet worden und ihm kamen die eingeritzten Zeichen auf dem Körper des Toten von Anfang an vertraut vor. Bei seinen Recherchen stĂ¶ĂŸt er auf einen alten Fall in Los Angeles, und schon bald stellt sich heraus, dass es dort zehn Jahre zuvor eine Serie von Morden gegeben hatte, bei denen die Leichen die gleichen eingeritzten Symbole aufwiesen. Da der Mörder, der nie gefasst wurde, auf seinem letzten Opfer die Botschaft hinterließ, seine Sache noch nicht beendet zu haben, handelt es sich im Falle des getöteten Rockers möglicherweise um den gleichen TĂ€ter. Doch dann taucht ein Ermordeter auf, der ganz offensichtlich zweimal nacheinander verstĂŒmmelt wurde.

Veit Etzold: Der Totenzeichner.
LĂŒbbe, 432 Seiten, 9,99 €.


„Der Zodiac-Killer –
Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand“
von Gary L. Stewart

Seine IdentitĂ€t wurde bis heute nicht geklĂ€rt: „Zodiac-Killer“ ist das Pseudonym eines Serienmörders, der in San Francisco und der Bay Area Ende der 1960er mindestens fĂŒnf Menschen ermordete. Einige weitere ĂŒberlebten seine MordanschlĂ€ge, und der Killer selbst behauptete, dass 37 Opfer auf sein Konto gingen. Der „Zodiac-Killer“ hielt regen Kontakt zur Presse, er kĂŒndigte Morde an und verfasste Briefe zusammen mit codierten Botschaften, die nie entschlĂŒsselt werden konnten. Seiner eigenen Aussage zufolge, enthielten die Botschaften seinen richtigen Namen. Vier Kriminalfilme widmeten sich dem Thema, in einer ganzen Reihe weiterer Filme wird der „Zodiac-Killer“ am Rande erwĂ€hnt. Immer wieder behaupteten Menschen, die IdentitĂ€t des Killers zu kennen oder selbst der TĂ€ter zu sein, doch alle derartigen Informationen erwiesen sich bisher als unhaltbar. Dies könnte sich mit der Dokumentation von Gary L. Stewart Ă€ndern. Stewart wurde wenige Wochen nach seiner Geburt in einem Treppenhaus ausgesetzt und kurz darauf von seinen Pflegeeltern adoptiert. Erst mit fast 40 Jahren lernt er seine leibliche Mutter kennen, die sich ĂŒberraschend bei ihm meldet. Er erfĂ€hrt, dass er das Ergebnis einer ungewöhnlichen AffĂ€re ist: seine Mutter war damals 14, sein Vater 27, und deren Flucht vor den Behörden lieferte monatelang Stoff fĂŒr die Titelseiten der Lokalpresse. Als „Eisdielen-AffĂ€re“ wurde die Verbindung von Stewart's Eltern landesweit bekannt. Stewart beschließt, nach seinem Vater zu forschen, und nimmt Kontakt zu dessen Familie auf. Schon bald taucht in ihm der Verdacht auf, dass der inzwischen Verstorbene der „Zodiac-Killer“ gewesen sein könnte. Seine Lebensgeschichte, die verschiedenen Aufenthalte seines Vaters, das Motiv und viele Zeugenaussagen passen nur zu gut mit dem Ablauf der Mordserie zusammen. Zehn Jahre lang recherchiert Stewart in der Familiengeschichte seines Vaters, in Polizeiarchiven und Zeitungen, befragt Zeugen und kommt zu dem Schluss, dass er der Sohn des „Zodiac-Killer“ ist. Sogar die mysteriösen Codes weiß er zu entschlĂŒsseln und findet darin den Namen seines Vaters. Letzte Sicherheit wĂŒrde eine DNS-Analyse geben, doch die wird bisher noch von den Behörden verweigert.

Gary L. Stewart: Der Zodiac-Killer –
Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand.
LĂŒbbe, 464 Seiten, 9,99 €.


„Die EntfĂŒhrung der Delia Wright“
von Lyndsay Faye

Nach „Der Teufel von New York“ nun der zweite Krimi um Timothy Wilde, einem der ersten Ermittler der New Yorker Polizei in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Stadt ist ĂŒberfĂŒllt mit den Menschen, die hier angeschwemmt wurden – hunderttausenden Armen, verhungernden irischen Auswanderern, entflohenen Sklaven. Verbrechen und Korruption blĂŒhen, Gewalt ist an der Tagesordnung. Die attraktive BlumenverkĂ€uferin Lucy Adams sucht Timothy Wilde auf, um ihn um Hilfe zu bitten – ihr kleiner Sohn Jonas und ihre Schwester Delia sind entfĂŒhrt worden. Lucy's Familie ist nicht rein weiß, sondern ‚gemischter‘ Abstammung. Hier im Norden sind sie zwar freie BĂŒrger, doch SklavenjĂ€ger bringen Farbige in ihre Gewalt, um sie in den SĂŒdstaaten zu verkaufen. Timothy ist ĂŒberrascht, als er nach und nach davon erfĂ€hrt, in welchem Ausmaß diese Verbrechen verĂŒbt werden. Doch mehr noch schockiert ihn die Tatsache, dass Polizisten und Politiker an dieser Praxis mitverdienen. Kaum befasst sich Timothy mit dem Fall, muss er feststellen, dass sein Leben in Gefahr ist. Kurzfristig erhĂ€lt er UnterstĂŒtzung von seinem Bruder Valentine, der selbst ein korrupter Beamter ist, doch auch der gerĂ€t im Laufe der Ermittlungen in große Schwierigkeiten.

Lyndsay Faye: Die EntfĂŒhrung der Delia Wright.
DTV, 464 Seiten, 14,90 €.


„Die TĂ€uferin – Der Bund der Freiheit“
von Jeremiah Pearson

An der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit befindet sich die Welt im Umbruch. Die Osmanen bedrohen die Grenzen des Heiligen römischen Reiches deutscher Nationen, Kirche und FĂŒrstentĂŒmer fĂŒhren Kriege, um ihre Handelswege zu schĂŒtzen. Kristina ist noch ein Kind, als ihre Eltern 1517 auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Da die sich fĂŒr das Recht des Lesenlernens engagiert hatten, wurden sie von der katholischen Kirche als Ketzer verurteilt. Die Erfindung des Buchdrucks liegt noch nicht lange zurĂŒck, und bis vor kurzem war die Kenntnis des Lesen und Schreibens Privileg der Geistlichen und Gelehrten. Die Eltern Kristinas gehörten der Glaubensgemeinschaft der TĂ€ufer an, die die Menschen in die Lage versetzen wollen, die Heilige Schrift selbst zu studieren. Jahre spĂ€ter entschließt sich Kristina, das Werk ihrer Eltern fortzufĂŒhren. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter macht sie sich auf den Weg von Böhmen nach Mainz, um sich dort mit anderen Verfechtern ihrer Vision zu treffen. Unterwegs begegnet ihnen eine kleine Truppe von Bauernkriegern unter der FĂŒhrung des Leibeigenen Lud. Die zwölf Jungen, die unter Luds Kommando stehen, sind nie zuvor im Krieg gewesen und ihr hitzköpfiger, von den Pocken entstellter AnfĂŒhrer ist bereit, sein Leben fĂŒr sie zu riskieren. Bis nach WĂŒrzburg ziehen sie gemeinsam durch die Lande, der raue KĂ€mpfer Lud und Kristina, die ihr Leben der Liebe und der Gewaltlosigkeit gewidmet hat.

Jeremiah Pearson: Die TĂ€uferin – Der Bund der Freiheit.
Bastei-LĂŒbbe, 608 Seiten, 19,99 €.


„Du bist mein Tod“
von Claire Kendal

Kurz nach der Trennung von ihrem Freund lĂ€sst sich Clarissa auf einen One-Night-Stand mit ihrem Kollegen Rafe ein. Doch wĂ€hrend Clarissa sich kaum an die betreffende Nacht erinnern kann, meint Rafe, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Er ĂŒberhĂ€uft die Angebetete mit Geschenken und Briefen, steht stĂ€ndig vor ihrer TĂŒr, doch Clarissa will nur eins von ihm: dass er sie endlich in Ruhe lĂ€sst. FĂŒr sie hat ein Alptraum begonnen, aus dem sie nicht herauszukommen scheint. Nirgends fĂŒhlt sie sich mehr vor ihrem Verehrer sicher, denn er lauert ihr zu jeder Tageszeit auf. Alle Versuche Clarissas, sich UnterstĂŒtzung zu holen scheitern – ihre Umgebung hĂ€lt Rafe's Einsatz fĂŒr den eines normalen Verliebten. Von einer Hotline fĂŒr Stalking-Opfer erhĂ€lt sie den Rat, ihren Verfolger komplett zu ignorieren, nicht einmal mehr mit ihm zu sprechen, doch das scheint Rafe nur noch agressiver zu machen. In ihrer Verzweiflung bewirbt sich Clarissa als Jury-Mitglied fĂŒr einen Prozess, der an einem anderen Ort stattfinden wird. Zu ihrer Freude wird ihr Antrag angenommen und sie kann ihrer Heimatstadt sieben Wochen lang den RĂŒcken kehren. Doch auch dort macht Rafe sie nach kurzer Zeit ausfindig. Clarissa entscheidet sich, die Verteidigung nach Vorn anzutreten und beginnt damit, Nachforschungen ĂŒber Rafe anzustellen. Dabei muss sie feststellen, dass dessen letzte Freundin spurlos verschwunden ist ...

Claire Kendal: Du bist mein Tod.
List, 368 Seiten, 14,99 €.


„Eiffel ĂŒber Eiffel“
von Philippe Couperie-Eiffel

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit Dominique Bouvard

Der Eiffelturm machte den Namen seines Erbauers unsterblich; dass Gustave Eiffel (* 1832; † 1923) sehr viel mehr geleistet hat als nur das berĂŒhmte Pariser Wahrzeichen zu konstruieren, ist allerdings weitgehend in Vergessenheit geraten. Bereits als junger Ingenieur erhielt Eiffel den Auftrag, in Bordeaux den Bau einer EisenbahnbrĂŒcke zu planen und zu leiten. Das erfolgreich ausgefĂŒhrte Projekt begrĂŒndete seinen guten Ruf in Ingenieurskreisen und war der Auftakt zu einer ungewöhnlichen Karriere. Unter den mehr als 300 baulichen Meisterwerken des ‚Eisenzauberers‘, wie Eiffel damals genannt wurde, befinden sich Hallenkonstruktionen wie der Budapester Bahnhof, die Post von Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) und die Skelettkonstruktion der Freiheitsstatue in New York. Ab 1888 war Eiffel außerdem am Bau des Panama-Kanals beteiligt. Dieses Großprojekt jedoch markierte eine Wendung in seinem Schaffen. 1892 wurde er beschuldigt, am Finanzskandal um den Bau des Kanals mitbeteiligt gewesen zu sein. In seiner Ehre gekrĂ€nkt, zog sich der Ingenieur aus dem Berufsleben zurĂŒck, um sich anschließend seinen Forschungen zu widmen. Eiffel befasste sich mit der Meteorologie und der Aerodynamik und setzte wichtige Impulse fĂŒr den modernen Flugzeugbau. Philippe CoupĂ©rie-Eiffel dokumentiert das wechselhafte Leben seines Vorfahren von der Kindheit bis zum Tod. Der aufwĂ€ndig gestaltete Bildband enthĂ€lt zum Teil unveröffentlichtes Archivmaterial, viele historische Fotos, Dokumente und Zeichnungen. AnlĂ€sslich des 125. Jahrestages des Eiffelturms und des 100-jĂ€hrigen JubilĂ€ums des Panama-Kanals stehen diese beiden Projekte im Mittelpunkt des Werkes.

Eiffel ĂŒber Eiffel: Philippe Couperie-Eiffel.
Edition Olms, 176 Seiten, 49,95 €.


„Ein Mord, der keiner sein durfte“
von Heinrich Wille

Der Fall Uwe Barschel und die Grenzen des Rechtsstaates

Am 11. Oktober 1987 wurde Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Genfer Hotels aufgefunden, und bis heute ist die Frage ungeklĂ€rt, ob es sich um Mord oder Selbstmord gehandelt hat. Als Oberstaatsanwalt leitete Heinrich Wille in den 90er Jahren die Ermittlungen. Hier schildert er, welche Ungereimtheiten in dem Fall nie geklĂ€rt wurden, wo ganz offensichtlich vertuscht wurde und auf welchen Widerstand er bei seinen Ermittlungen von Anfang an stieß. PrĂ€zise und detailreich beschreibt er, wie Politik und Behörden gezielt versuchten, die AufklĂ€rung des Falles zu verhindern. Die Medien scheinen auf Anweisungen aus der Politik Falschinformationen gestreut zu habe, mehrere Zeugen wurden bedroht, ein Zeuge kam, bevor er seine Aussage machen konnte, unter mysteriösen UmstĂ€nden ums Leben, selbst Wille erhielt Morddrohungen. Auch die Veröffentlichung dieses Buches sollte verhindert werden und konnte erst nach richterlicher Genehmigung erfolgen. Immer noch werden Informationen zum Tode Uwe Barschels vom Verfassungsschutz als „streng geheim“ unter Verschluss gehalten.

Heinrich Wille lebt heute in LĂŒbeck und praktiziert dort als Rechtsanwalt. Zum Fall Uwe Barschel hĂ€lt er Lesungen und VortrĂ€ge.

Heinrich Wille: Ein Mord, der keiner sein durfte.
Knaur, 384 Seiten, 9,99 €.


„Grimmbart“
von Volker KlĂŒpfel und Michael Kobr

Kluftinger's neuer Fall

Der neueste Gaudi-Krimi aus der erfolgreichen Reihe des AllgĂ€uer Autorenduos um Kommissar Kluftinger - diesmal hat Kluftinger es mit einem Mordfall in blaublĂŒtigen Kreisen zu tun. Ausgerechnet von seinem Intimfeind Langhammer lĂ€sst er sich ĂŒberreden, zu spĂ€ter Stunde auf Schloss Grimmbart in Bad Grönenbach nach dem Rechten zu sehen. Langhammer weiß zwar nichts Genaues zu berichten, ist aber ĂŒber einen Anruf seines Freundes, des Barons von Rothenstein, sehr verunsichert. Auf dem Schloss wird Kluftinger bereits erwartet: der Baron teilt ihm mit, dass er seine Frau vermisst. Als die beiden sich auf die Suche nach der Ehefrau des Barons machen, stoßen sie zunĂ€chst auf ein fehlendes GemĂ€lde in der Ahnengalerie der Familie. Statt seinem hĂ€ngt dort ein Polaroidfoto, auf dem die Verschwundene in einem seltsamen KostĂŒm zu sehen ist, ein Arrangement, das dem ursprĂŒnglichen GemĂ€lde nachempfunden ist. Gemeinsam mit dem Hausverwalter finden sie die Baronin bald darauf im MĂ€rchenzimmer - auf grausame Weise ermordet und hergerichtet wie die Person auf dem verschwundenen Bild. Als Kluftinger mit seinem Team zu ermitteln beginnt, stellt sich schnell heraus, dass die VerĂ€ltnisse auf dem Schloss Ă€ußerst verwirrend sind. Kaum glaubt man, eine heiße Spur zu haben, tauchen neue Hinweise auf, die in eine andere Richtung fĂŒhren. Und dann werden noch zwei weitere Tote gefunden, vergraben in der NĂ€he des Schlosses. Ein so kompilzierter Fall kommt Kluftinger eigentlich gar nicht recht. Sein Sohn Markus will endlich heiraten und es haben sich die Eltern und die Schwester von dessen Freundin Yumiko aus Japan angekĂŒndigt, um an der Hochzeit teilzunehmen und anschließend noch eine Woche bei den Kluftingers Urlaub zu machen.

Volker KlĂŒpfel / Michael Kobr: Grimmbart.
Droemer, 480 Seiten, 19,99 €.


„Ich jage dich“
von Lars Kepler

Dies ist der fĂŒnfte Roman um den schwedischen Kommissar Joona Linna, verfasst vom Autorenpaar Alexandra und Alexander Ahndoril, das unter dem Pseudonym Lars Kepler veröffentlicht. In Stockholm treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der nach einem sehr speziellen Muster vorgeht: Er stellt alleinstehenden Frauen nach, die er Nachts durch das erleuchtete Fenster filmt. Kurz nachdem er seine Videos auf Youtube eingestellt hat, bringt er seine Opfer auf bestialische Weise um. FĂŒr die Polizei bedeutet dies jedesmal einen Wettlauf um Leben und Tod. UnterstĂŒtzung erhĂ€lt Ermittler Linna diesmal durch die hochschwangere Kommissarin Margot und seinen Freund, den Psychologen Dr. Erik Balk. Dem stark medikamentenabhĂ€ngigen Balk fĂ€llt auf, dass es Parallelen zu einem frĂŒheren Fall gibt, in dem der TĂ€ter recht schnell ermittelt werden konnte. Doch als dieser Hinweis die Polizei in die Irre fĂŒhrt, steht der Psychologe plötzlich selbst unter Verdacht. Im Gegensatz zu den vorhergehenden BĂ€nden dieser Reihe beginnt die Spannung relativ spĂ€t, steigert sich dann aber wie ĂŒblich bis zum Schluss.

Lars Kepler: Ich jage dich.
Bastei-LĂŒbbe, 688 Seiten, 19,99 €.


„In der Stille der Tod“
von Lieneke Dijkzeu

Dies ist der dritte Fall fĂŒr Kommissar Paul Vegter. Diesmal sind er und sein Team auf der Suche nach einem verschwundenen Familienvater. Richard Verkallen wurde von seiner Frau Asli als vermisst gemeldet. FĂŒr die aus Somalia stammende Asli gerĂ€t die Welt aus den Fugen. Sie ist völlig ratlos, ein Verbrechen scheint kaum denkbar, möglicherweise hat ihr Mann die Familie verlassen, weil ihm die Verantwortung fĂŒr den behinderten Sohn, der taub und autistisch zur Welt kam, zu viel wurde. Eine erste Spur fĂŒhrt die Ermittler zu Gemma van Son, mit der Richard offensichtlich viele Jahre lang ein VerhĂ€ltnis hatte. Diese leugnet jedoch alles und scheint etwas verbergen zu wollen. Bei ihren weiteren Recherchen stĂ¶ĂŸt das Team auch auf eine Reihe von Geheimnissen in der Familie von Richard Verkallen. Immer mehr spricht dafĂŒr, dass Verkallen Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte.

Lieneke Dijkzeul: In der Stille der Tod.
DTV, 320 Seiten, 9,95 €.


„Komplizen des GlĂŒcks“
von O. P. Zier

In einem alten Bauernhaus im beschaulichen Salzburger Land lebt die Familie Wirring, die der Nachbarschaft allerlei Anlass zu Klatsch und Tratsch gibt. TatsĂ€chlich passen die Wirrings so gar nicht in die spießig-dörfliche Gegend, in der angepasst zu sein oberstes Gebot ist. Angepasst ist wirklich niemand in der Familie, und es ist schwer zu entscheiden, wer dort den rebellischsten Lebenslauf vorzuweisen hat. Rolf, der Sohn von Claudia und Werner scheint noch der "Normalste" in der Familie zu sein, und tatsĂ€chlcih sind ihm seine Eltern manchmal peinlich mit ihrem Lebensstil. Seine Mutter, die man kaum je am heimischen Herd antrifft, ist in der Protest- und Ökologie-Bewegung aktiv. FrĂŒher war sie Model, jetzt will sie die Welt verĂ€ndern. Die Versorgung des gemeinsamen Kindes oblag Werner, der seinen Job in der Werbung an den Nagel gehĂ€ngt hat, um das Leben besser erforschen zu können. Und dann ist da noch der langhaarige, kiffende Großvater Peter Wirring, der als Rock-Musiker unter dem Namen Pete Wire mit einem alten „VW“-Bus durch die Gegend tingelt und es immerhin zu so etwas wie einer lokalen GrĂ¶ĂŸe gebracht hat. Eines Tages als Rolf allein zu Haus ist, klingelt es an der TĂŒr. Die Mutter ist zu einer Demonstration, der Vater auf einer Beerdigung und der Opa auf Tournee. Der schwerkrank aussehende Fremde, der mit einem Koffer in der TĂŒr steht, behauptet, dass er wahrscheinlich Rolf's Onkel sei, von dem niemand in der Familie etwas wissen könne. Peter Schaller geht davon aus, von Rolf's Großvater auf einer Tournee gezeugt worden zu sein; seine Mutter war Kellnerin in dem Gasthaus, in dem dessen Band damals aufgetreten war. Als Rolf's Eltern heimkommen, beschließt man, das neue Familienmitglied aufzunehmen, bis auch der Opa wieder eintrifft. Der neue Onkel hat nur noch wenig Zeit zu leben; er hat das Krankenhaus verlassen, um seinen Vater kennenzulernen. Als sein Onkel bald nach der ersten Begegnung mit dessen Vater stirbt, entschließt sich Rolf, ein Buch ĂŒber seine Familie zu schreiben.

„Komplizen des GlĂŒcks“ ist eine tiefgrĂŒndige Geschichte ĂŒber das Unangepasstsein, witzig und bis zum Schluss spannend.

O. P. Zier: Komplizen des GlĂŒcks.
Residenz, 360 Seiten, 22,90 €.


„LĂŒbecker Blut“
von Christiane GĂŒth

Kaum ist die junge Kanadierin Jette Eiden in LĂŒbeck eingetroffen, wird sie auch schon Zeugin eines Verbrechens: vor Ihren Augen wird eine BuchhĂ€ndlerin im Bahnhof erschossen. Jette, die gerade volljĂ€hrig geworden ist, hat spontan entschieden, endlich einmal in die frĂŒhere Heimat ihrer Eltern zu reisen, die vor der Geburt ihrer Tochter nach Kanada ausgewandert waren. Vor allem will sie ihren Großvater kennenlernen, den sie bisher nie getroffen hat, da ihre Mutter keinen Kontakt mehr zu ihm haben wollte. Kurt Eiden ist ein mĂŒrrischer alter Mann und gehört nicht gerade zu den spontanen Zeitgenossen. Er ist mehr als ĂŒberrascht, da seine Enkelin, die eine Weile bei ihm wohnen möchte, ihm den Besuch nicht angekĂŒndigt hatte. Doch aufgrund des Mordes an der BuchhĂ€ndlerin gibt es etwas, das die beiden jenseits ihres verwandtschaftlichen VerhĂ€ltnisses sofort verbindet: Kurt ist Polizist. Ihre Aussage muss Jette allerdings bei Goran machen, Kurt's neuem Chef, mit dem dieser auf Kriegsfuß steht und den Jette dagegen sehr sympathisch findet. Da Kurt, abwohl er als fĂ€higer Kriminalbeamter gilt, nicht in die Ermittlungen einbezogen wird, beginnt er selbst mit Nachforschungen. UnterstĂŒtzt wird er dabei – ob er will oder nicht – von seiner Enkeltochter und einer kleinen Schar von Freunden und Nachbarn.

Christiane GĂŒth: LĂŒbecker Blut.
Ullstein, 288 Seiten, 9,99 €.


„Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin“
von Tanja Kinkel

Der neue historische Roman der Bestsellerautorin Tanja Kinkel spielt im 15. Jahrhundert in China und in der Mongolei. In beiden Reichen gelangen kurz nacheinander zwei Frauen an die Macht, deren Lebensweg sich spĂ€ter mehrmals ĂŒberschneiden wird. Die beiden LĂ€nder sind tief verfeindet, die Erinnerung an die Zeit, als die Mongolen den Norden Chinas erobert hatten, sitzt noch tief. Die Mongolei allerdings ist schon lange nicht mehr so mĂ€chtig wie unter der FĂŒhrung Dschingis Khans, die StĂ€mme sind untereinander zerstritten und jeder ist auf den eigenen Vorteil bedacht. Als die junge Manduchai die zweite Frau des amtierenden Khans wird, begreift sie, dass dessen Amt keine große Macht mehr hat. Manduchai trĂ€umt davon, die alte Einheit unter den Mongolen wieder herzustellen, doch als Frau sind ihre Möglichkeiten begrenzt. Mit viel Geschick und VerstĂ€ndnis fĂŒr die Situation aller Betroffenen nimmt Manduchai ĂŒber ihren Mann allmĂ€hlich mehr und mehr Einfluss auf die Poitik der StĂ€mme. Fast zur gleichen Zeit geschieht in China etwas Vergleichbares: die Kinderfrau Wan Zhen'er wird zur Konkubine des Kaisers. Als der im Krieg von den Mongolen gefangen genommen wird, taucht sie mit ihrem SchĂŒtzling, dem Sohn des Kaisers unter, und nutzt all ihre FĂ€higkeiten, ihre Klugkeit und auch so manche List, um diesem zum Aufstieg zur Macht zur verhelfen. Jahrelang wird sie die Geschicke des Reiches mitbestimmen. Neben der spannenden und sehr lebendig erzĂ€hlten Geschichte erfĂ€hrt der Leser viel ĂŒber die damalige Kultur der Mongolen und Chinesen.

Tanja Kinkel: Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin.
Knaur, 592 Seiten, 22,99 €.


„Mauersegler“
von Christoph Poschenrieder

FĂŒnf MĂ€nner, seit Jahrzehnten gut miteinander befreundet, beschließen, eine WG zu grĂŒnden. Jeder von ihnen ist ein Individualist fĂŒr sich, doch jetzt, da alle in die Jahre gekommen sind, will man sich den Herausforderungen des Alters – und letztendlich des Sterbens – gemeinsam stellen. Ernst, der ehemalige Software-Entwickler, hat es finanziell am weitesten gebracht, er besitzt eine Villa am See, in die die fĂŒnf Freunde ziehen. Mit dabei sind Carl, Philosoph und Journalist, der uns das Zusammenleben der Gruppe schildert, der Jurist Wilhelm, der im Rollstuhl sitzt, Heinrich, einst Food-Designer, der seine damalige TĂ€tigkeit bereut, und Siegfried der bekannte Dramaturg, jetzt ehrenamtlich tĂ€tig an der örtlichen BĂŒhne. Ein sechster Freund ist immer wieder Thema in der Gruppe – Martin, der bei einem Unfall ums Leben kam, damals, als sie noch Kinder waren. Selbstbestimmt haben die fĂŒnf ihr Leben gemeistert, und selbstbestimmt wollen sie bis zum Ende bleiben. Als der körperliche Verfall voranschreitet, programmiert Ernst das „Todesengel“-Programm, das jedem dabei helfen soll, herauszufinden, wer ihn auf den letzten Schritten durch das Leben unterstĂŒtzen kann. Außerdem wird Pflegekraft Katarina eingestellt, gebĂŒrtige Kirgisin. Trotz aller persönlicher Schattenseiten genießen die Freunde ihren Lebensabend, bis einer nach dem anderen geht, dem ‚kleinen Martin‘ folgend. Am Ende, als keiner mehr von ihnen da ist, bringt Katarina neues Leben in das Haus ...

Ein tiefsinniges Buch, das dem Thema Tod mit viel Humor begegnet.

Christoph Poschenrieder: Mauersegler.
Diogenes, 224 Seiten, 22,00 €.


„Mit Rosen bedacht“
von Jennifer Benkau

Die Geschichte von Wanda und Karim wird aus zwei Perspektiven erzĂ€hlt: einmal aus der Zeit von vor etwa vier Jahren, als ihre Liebesbeziehung begann, zum anderen in der Gegenwart, in der Karim schwerverletzt im Koma liegt. Damals, als sie sich kennenlernten, hatte die junge, lebensfrohe Wanda gerade ihr Referendariat an einer Grundschule begonnen. Sie liebte ihren Job, insbesondere den Umgang mit Zahlen. Doch so pedantisch Wanda in der Schule manchmal ist, so naiv geht sie in die Beziehung mit dem Halb-Iraner Karim, ĂŒber dessen Vergangenheit sie kaum etwas weiß. Fast immer hĂŒllt Karim sich in Schweigen oder blockt die wenigen Fragen Wandas nach seiner Herkunft ab, was diese grundsĂ€tzlich akzeptiert. Lange Zeit weiß Wanda noch nicht einmal, wo Karim arbeitet. Ihre romantische VerklĂ€rtheit wird erst erschĂŒttert, als ihr Verlobter nur wenige Tage vor der Hochzeit nach einem schweren Unfall ins Koma fĂ€llt. Er kommt auf die Intensivstation, und niemand kann Wanda garantieren, dass ihr Partner jemals wieder aufwachen wird. Doch die wirkliche ErnĂŒchterung kommt erst, als Wanda beginnt, Karims Angelegenheiiten zu regeln. Kaum muss sie sich mit der Wohnungsauflösung und der Krankenversicherung ihres Partners befassen, stĂ¶ĂŸt sie auf immer mehr Ungereimtheiten in Karims Leben. Ganz offensichtlich hat er ihr nicht nur Dinge verschwiegen, sondern sie ĂŒber seine Vergangenheit regelrecht belogen. Wanda begreift, dass sie ihren Verlobten nie wirklich gekannt hat und begibt sich auf die Suche nach seiner Geschichte. Dabei stĂ¶ĂŸt sie auf ein schreckliches Verbrechen, in das Karim verwickelt ist und begibt sich selbst in Gefahr.

Jennifer Benkau: Mit Rosen bedacht.
LĂŒbbe, 320 Seiten, 14,99 €.


„Montecristo“
von Martin Suter

Mehr schlecht als recht verdient sich Jonas Brand seinen Lebensunterhalt als freischaffender Video-Journalist. Lange hat er davon getrĂ€umt, richtige Filme zu produzieren, doch es scheint, als ob es damit nichts mehr werden wird. Seine Idee, Dumas' „Grafen von Montecristo“ in einer modernen Fassung zu verfilmen, hĂ€lt er zwar immer noch fĂŒr großartig, doch bisher konnte er keinen Förderer finden, der sich von dem Projekt begeistern lleß. Auch als EnthĂŒllungs-Journalist hatte er sich einst gesehen – jetzt arbeitet er fĂŒr den Boulevard und kann sich kaum noch vorstellen, eines seiner Traumziele zu erreichen. Bis sich die Ereignisse in seinem Leben plötzlich ĂŒberschlagen. Den Anfang macht ein Zwischenfall im „ICE“ nach Basel. Es kommt zur Notbremsung, da ein Mann aus dem Zug gestĂŒrzt und offensichtlich ums Leben gekommen ist. GeistesgegenwĂ€rtig schaltet Jonas seine Kamera an, um die Reaktionen und GesprĂ€che der Mitreisenden zu filmen. FĂŒr eine Reportage ĂŒber den Vorfall wird er sicher einen Abnehmer finden. Doch Jonas vergisst den Film zunĂ€chst, bis ihm wenige Monate spĂ€ter zufĂ€llig zwei 100-Franken-Scheine in die HĂ€nde fallen, die die gleiche Seriennummer tragen. Bei seiner Bank will er klĂ€ren lassen, welcher der Scheine eine FĂ€lschung ist, doch dort bestĂ€tigt man ihm, dass beide Noten echt sind. Jonas beschließt, die Geschichte der beiden Scheine zu recherchieren und bittet den einst bekannten Wirtschafts-Journalisten Max Gantmann um UnterstĂŒtzung. Schon bald stellt sich heraus, dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen den beiden Scheinen und dem Zwischenfall im „ICE“. In beiden FĂ€llen scheinen Spuren in höchste Bankerkreise zu fĂŒhren. Als seine Wohnung durchwĂŒhlt wird, gibt es fĂŒr Jonas keinen Zweifel mehr: es ist an einer großen Sache dran, die fĂŒr ihn den Durchbruch bedeuten könnte. Und plötzlich interessiert sich eine bekannte Produktionsfirma fĂŒr sein Manuskript, das man gern umsetzen wĂŒrde. Jonas scheint sich zwischen beiden Projekten entscheiden zu mĂŒssen und ahnt noch nicht, dass er es mit mĂ€chtigen Kreisen zu tun hat, die alles unternehmen werden, um ihn von seinen Recherchen abzubringen.

Ein rasanter Thriller um die Machschaften von Politik und Hochfinanz und um das ganz große Geld.

Martin Suter: Montecristo.
Diogenes, 320 Seiten, 23,90 €.


„Mord in Hangzhou“
von Matlies Ferber

Dies ist der dritte Krimi um den Ex-Agenten James Gerald vom „MI6“, der als rĂŒstiger Rentner seinen alten Kollegen gern noch mal in der ein oder anderen Sache behilflich ist. Gerald, der in der chinesische Großstadt Hangzhou an einer Hochzeitsfeier teilnehmen möchte, wird von seinem ehemaligen Vorgesetzten gebeten, dort einige Ermittlungen anzustellen. Es geht um Sabotage beim chinesischen Teehandel, durch die es schon zu unzĂ€hligen Giftopfern gekommen ist. Seiner Freundin Sheila, die 40 Jahre lang seine SekretĂ€rin war, erzĂ€hlt er nichts von seinem Auftrag, deshalb ist er schwer ĂŒberrascht, als Sheila in seinem Hotel in Hangzhou auftaucht. James wird kurzerhand zu einem Experten fĂŒr Yamswurzeln, damit er an der dortigen UniversitĂ€t mehr ĂŒber die HintergrĂŒnde der Angelegenheit in Erfahrung bringen kann. Im Verdacht stehen natĂŒrlich indische Teekonzerne, die grĂ¶ĂŸte Konkurrenz fĂŒr den chinesichen Teehandel. Doch schon bald kommen James und Sheila einem hochgefĂ€hrlichen und intelligenten EinzeltĂ€ter auf die Spur ...

Wieder ist der Autorin eine witzige und intelligente „007“-Persiflage gelungen.

Matlies Ferber: Mord in Hangzhou.
DTV, 320 Seiten, 9,95 €.


„Mörderkind“
von Inge Löhnig

Als Fiona sieben Jahre alt ist, wird ihr Vater Ben vor ihren Augen verhaftet. Seine Geliebte ist ermordet worden, und er wird als TĂ€ter verdĂ€chtigt. Ihr Vater versichert ihr, dass es sich um ein MissverstĂ€ndnis handelt und verspricht, bald wieder zurĂŒck zu sein. Doch dieses Versprechen ist das Letzte, das Fiona viele Jahre lang von ihm hören wird. Ben wird wegen Mordes verurteilt und muss fĂŒr 15 Jahre ins GefĂ€ngnis, Fiona's Mutter begeht einen Tag nach der Verurteilung Selbstmord. Ben meldet sich nicht mehr bei seiner Tochter und die wendet sich tief enttĂ€uscht von ihm ab. Sie wĂ€chst bei ihrem Onkel Ludwig und seiner Frau Sabine auf, von ihrem MitschĂŒlern und auch anderswo wird sie „Mörderkind“ genannt. Nach Ben's Entlassung verweigert ihm Fiona jeden Kontakt mit ihr. Erst als sie 25 ist, hört sie wieder von ihrem Vater. Ihr Onkel Ludwig teilt ihr mit, dass der bei einem Wohnungsbrand verstorben ist. Fiona fasst die Nachricht zunĂ€chst mit Erleichterung auf, doch als sich am nĂ€chsten Tag der Rettungsassistent Matthias Stiller bei ihr meldet, gerĂ€t ihre Welt aus den Fugen. Stiller ist gekommen, um ihr die letzte Worte ihres Vaters mitzuteilen: „Sag meiner Tochter, dass ich kein Mörder bin.“ Stiller kann sich nicht vorstellen, dass ein Sterbender noch lĂŒgen wollte, und auch bei Fiona regen sich erste Zweifel an der Geschichte, die ihr Leben geprĂ€gt hat. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach den HintergrĂŒnden des damaligen Mordes und schon bald ist Fiona's eigenes Leben in Gefahr.

Inge Löhnig: Mörderkind.
List, 464 Seiten, 9,99 €.


„Nachruf auf den Mond“
von Nathan Filer

Matthew Homes schreibt die Geschichte seines Lebens. Aus der Ich-Perspektive berichtet er abwechselnd ĂŒber die Ereignisse in seiner Kindheit und ĂŒber seinen Alltag in der psychiatrischen Klinik in Bristol. Seit Jahren lebt der 19-JĂ€hrige hier, denn er leidet an Schizophrenie. Matthew begann mit dem Schreiben weil er sich langweilte, doch nach und nach scheint seine Geschichte auch eine Art Aufarbeitung zu werden. Matthews Geschichte beginnt mit einem Camping-Ausflug seiner Familie, der zehn Jahre zurĂŒckliegt. Damals kam sein Ă€lterer Bruder Simon bei einem Unfall ums Leben und Matthew hĂ€lt sich immer noch fĂŒr schuldig an dessen Tod. Andererseits ist Simon fĂŒr ihn immer noch prĂ€sent, Matthew spricht mit ihm, kann ihn hören, er erblickt ihn in den Wolken und im Mond. Matthew, der sich sich nicht genau daran erinnern kann, was damals passiert ist, berichtet von der Trauer in der Familie, von den Maßnahmen seiner Mutter, ihn von der Außenwelt abzuschirmen, die selbst schon krankhafte ZĂŒge aufwiesen, von seinen Schwierigkeiten in der Psychiatrie. WĂ€hrend des Schreibens scheint Matthew mehr und mehr ĂŒber sich selbst zu erkennen. Der Leser wird anfangs lernen mĂŒssen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden, doch so verwirrt und verwirrend manche SprĂŒnge im ErzĂ€hlfluss sind, bleiben die Aufzeichnungen durchgehend spannend.

Nathan Filer: Nachruf auf den Mond.
Droemer, 320 Seiten, 19,99 €.


„Oh ...“
von Philippe Dijan

MichĂšle, die ErzĂ€hlerin dieser Geschichte, berichtet von sich und ihrem turbulenten Leben, vor allem ĂŒber eine kurze, ereignisreiche Phase, die sich ĂŒber einige wenige Wochen um einen Jahreswechsel herum ereignete. Als erfolgreiche Filmproduzentin lebt MichĂšle in der NĂ€he von Paris und arbeitet in der Stadt. Die selbstbewusste Frau hat sich vor einigen Jahren von ihrem Mann Robert getrennt, vertsteht sich mit dem aber so gut wie lange nicht; nur der gemeinsame Sohn Vincent leidet unter der Situation. Der ist gerade schwerverliebt in seine Freundin Josie, die soeben Mutter geworden ist von einem Mann, der in Thailand im Knast sitzt. Vincent versucht, das Geld fĂŒr dessen Freilassung von seiner Patentante Anna zu leihen, der besten Freundin und GeschĂ€ftspartnerin seiner Mutter. Mit deren Ehemann Robert hat MichĂšle gerade eine sexuelle AffĂ€re begonnen, aus der sie eigentlich wieder raus will. Mitten in der Vorweihnachtszeit, als MichĂšle mit ihrer dominanten Mutter im Konflikt liegt, ihren Sohn vor einer verhĂ€ngnisvollen Beziehung schĂŒtzen möchte, ihren Exmann vor den TĂŒcken einer AffĂ€re mit einer sehr viel jĂŒngeren Frau warnen möchte, wird sie in ihrem Haus ĂŒberfallen und vergewaltigt. „Oh!“ ist das einzige, was ihr dazu einfĂ€llt. MichĂšle ist so wĂŒtend, dass sie beschließt, den TĂ€ter selbst zu finden und zu bestrafen.

Philippe Dijan: Oh ...
Diogenes, 240 Seiten, 21,90 €.


„Showdown –
Der Kampf um Europa und unser Geld“
von Dirk MĂŒller

Dirk MĂŒller, Börsenmakler und Erfolgsautor, wurde international bekannt als „Mr. Dax“. Sein Arbeitsplatz an der Frankfurter Börse lag direkt unter der Anzeigentafel der KursverlĂ€ufe, und MĂŒller wurde hĂ€ufig fotografiert und gefilmt, um der AnonymitĂ€t der Zahlen ein Gesicht zu verleihen – seine ausgeprĂ€gte Mimik und Gestik luden förmlich dazu ein. Sein erstes Buch „Crashkurs“, das er zu Beginn der Finanzkrise herausbrachte, erreichte kurz nach Erscheinen die deutschen Bestseller-Listen. Das ist wenig verwunderlich: MĂŒller versteht es, die ZusammenhĂ€nge in Wirtschaft, Politik und Börsenhandel verstĂ€ndlich darzustellen, und auch Menschen fĂŒr diese Themen zu gewinnen, die zuvor dachten, sie wĂŒrden sie nicht verstehen. MĂŒller ist bekannt dafĂŒr, in seiner Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung und der Notenbank kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er bescheinigte den fĂŒhrenden Wirtschaftsinstituten, eine Rezession noch nicht einmal dann zu erkennen, „wenn sie bereits seit einem halben Jahr tobt“. In seinem neuen Buch legt er dar, warum es nicht nur die Staatsverschuldungen sind, die die aktuelle Wirtschaftskrise begĂŒnstigt haben, sondern generelle Fehlentscheidungen bei der Konstruktion des Euro und ein seit langem herrschender Wirtschaftskrieg zwischen den USA und Europa. MĂŒller zeigt ZusammenhĂ€nge auf, die in den allgemeinen Nachrichten untergehen oder nicht gebracht werden und er legt einen besonderen Schwerpunkt darauf, welche Bedeutung der Griechenlandkrise aktuell zukommt. Er benennt nicht nur die Gefahren, die Europas Wirtschaft bedrohen, sondern zeigt auch, welche Chancen von der Gesellschaft und vom Einzelnen genutzt werden können.

Dirk MĂŒller: Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld.
Knaur, 272 Seiten, 19,99 €.


„Still – Chronik eines Mörders“
von Thomas Raab

Multi-Talent Thomas Raab, SĂ€nger, Komponist und Autor, hat seinen siebten Krimi um den Restaurator Willibald Adrian Metzger verfasst. Diesmal geht es um einen Mörder, der aus einem ganz ungewöhnlichen Anlass zum SerientĂ€ter wird. Als Karl Heidemann 1982 geboren wird, schreit er fast ununterbrochen. Die Eltern unternehmen alles, um ihn zu beruhigen, doch nichts will helfen. Zu guter Letzt wird er in den Keller oder andere abgelegene RĂ€ume gebracht, da die Eltern mit den Nerven am Ende sind. Und dort, mit sich allein, beruhigt sich das Kind. Was lange Zeit niemand ahnen kann: der kleine Karl ist hochsensibel und wird es immer bleiben. Er ist mit einem extrem empfindlichen Gehör zur Welt gekommen und reagiert selbst auf die leisesten GerĂ€usche. Und ausgerechnet seine eigene Mutter zĂ€hlt zu den lauten und unbeherrschten Zeitgenossen. Eine Schule kann Karl spĂ€ter nicht besuchen – er wird von einem ehemaligen Lehrer aus der Nachbarschaft unterrichtet, der sofort erkennt, dass der Junge ganz besondere Anlagen hat. Doch die werden auch durch den engagierten PĂ€dagogen nicht geweckt, Karl bleibt ein ungebildeter Außenseiter mit einem schrecklichen Leiden. Bis er eines Tages entdeckt, wie er seine Qualen zumindest kurzfristig lindern kann. Er beginnt, die Stille des Todes zu erforschen und hinterlĂ€sst eine Spur der Blutes, erst in seinem Dorf, dann wo immer es ihn hinzieht.

Thomas Raab: Still – Chronik eines Mörders.
Droemer, 368 Seiten, 19,99 €.


„Tödlicher Lavendel“
von Remy Eyssen

Dr. Leon Ritter, Gerichtsmediziner aus Frankfurt, hat sich entschieden, seinem Umfeld zu entfliehen und einen Job in einer Klinik in SĂŒdfrankreich anzunehmen. Er hat den Tod seiner Frau noch nicht ganz ĂŒberwunden und hofft auf einen Neuanfang in der sonnigen Provence. Doch in dem kleinen Örtchen Lavandou erwarten ihn alles andere als Ruhe und Beschaulichkeit. Bei seiner Ankunft stellt sich heraus, dass man ihn erst eine Woche spĂ€ter erwartet hat und sein Zimmer in der Klinik noch belegt ist. Er muss sich selbst nach einer privaten Unterkunft umsehen und findet diese bei Isabelle Morelle, der stellvertretenden Dienststellenleiterin der Polizei des Ortes. Und kaum hat er sich in seinem Zimmer eingerichtet, wartet auch schon Arbeit auf ihn. Die Leiche eines MĂ€dchens wurde entdeckt und Ritter soll diese untersuchen. Trotz seiner Überzeugung, dass die kleine Carla ermordet wurde, spricht sich Polizeiinspektor Zerna gegen diese Möglichkleit aus. Er betrachtet die Angelegenheit als Unfall und möchte die Untersuchung so bald wie möglich abschließen. Immerhin soll in wenigen Tagen die 100-Jahr-Feier stattfinden und man hat alle HĂ€nde voll zu tun. Ritter bleibt bei seinem Urteil und beginnt Informationen zu sammeln, bis zwei weitere MĂ€dchen tot aufgefunden werden. Nun nimmt auch die Polizei ihre Ermittlungen auf, doch besonders engagiert scheint man nicht ans Werk zu gehen. Als auch noch die Tochter von Isabell Morell verschwindet, wird Ritter klar, dass es keine Zeit mehr zu verlieren gilt.

Remy Eyssen: Tödlicher Lavendel.
Ullstein, 464 Seiten, 9,99 €.


„TrĂŒmmergöre“
von Monika Held

Diplomatentochter Jula sucht eine Wohnung fĂŒr sich und ihren Freund. Dabei stĂ¶ĂŸt sie auch auf das Verkaufsangebot der Wohnung, in der sie einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Damals, nach dem Ende des Krieges, lebte sie dort zusammen mit ihrer Großmutter und ihrem Onkel. Als sie die Wohnung aus nostalgischen GrĂŒnden besichtigt, werden die Erinnerungen an eine ungewöhnliche Kindheit wieder lebendig. Ihr Vater hatte sie bei der Oma untergebracht, da er im diplomatischen Dienst viel auf Reisen war, den Onkel hatte Jula vorher nicht gekannt. Die beiden Erwachsenen nehmen das Kind gern bei sich auf, gehen sich aber untereinander aus dem Weg. FĂŒr das kleine MĂ€dchen in der Hamburger Nachkriegszeit sind TrĂŒmmer und halbe HĂ€user normal. Sie spielt „Der Russe kommt“, „Wir bauen ein KZ“ oder „Opa hat sein Bein verloren“. Viel Zeit verbringt sie auf dem Platz, wo ihr Onkel Gebrauchtwagen verkauft, ihre Schularbeiten macht sie in einer Kneipe auf der Reeperbahn. Als sie zwölf wird, entscheidet ihr Vater, dass aus der ‚versauten Göre‘ soll eine höhere Tochter werden soll. FĂŒr Jula beginnt ein Doppelleben zwischen Alstervilla und Ganoven-Kiez. Sie lernt, wie sie mit den Menschen aus grundverschiedenen Schichten umgehen kann und muss.

Monika Held: TrĂŒmmergöre.
Eichborn, 240 Seiten, 19,99 €.


„Vegan Love Story – Das Kochbuch“
von Rolf Hiltl und Reto Frei

Vegane KĂŒche ist in den letzten Jahren zu einem weltweiten Trend geworden und begeistert vor allem auch die jĂŒngere Generation. Das Kochbuch „Vegan Love Story“ bietet einen abwechslungsreichen Exkurs in die Vielfalt veganer Gerichte und ist entstanden aus der Zusammenarbeit zwischen Rolf Hiltl, dem Mitinhaber des Ă€ltesten vegetarische Restaurants der Welt und Reto Frei, dem MitgrĂŒnder von tibits, einem Familienunternehmen mit mehreren vegetarischen Fastfood-Restaurants in der Schweiz und in London. Und dabei laufen die Autoren keiner Mode hinterher: Auf der Karte des Hiltl sind seit der Eröffnung im Jahre 1889 zahlreiche vegane Gerichte zu finden und auch fĂŒr das tibits waren diese von Anfang an Teil des Programms. Hochwertige Öle und Fette aus Samen und NĂŒssen spielen in vielen der hier vorgestellten Rezepte eine besondere Rolle, und auch die sogenannten „Superfoods“ werden verwendet, Pflanzen und FrĂŒchte mit einem besonders hohen Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen. Allem voran aber stehen Genuss, Abwechslung und KreativitĂ€t. Die 80 raffinierten Rezepte sind unterteilt in Vorspeisen, Suppen, Salate, warme Gerichte, FrĂŒhstĂŒcke, Drinks und Desserts. Ob Auberginen-Amaranth, Westindische Gurkensuppe, Exotische FrĂŒhlingsrollen oder Soja-Schokomousse – alles ist leicht nachzukochen, obwohl sich sogar einige langgehĂŒtete Geheimrezepturen darunter befinden.

Rolf Hiltl / Reto Frei: Vegan Love Story – Das Kochbuch.
AT-Verlag, 260 Seiten, 49,00 €.


„Verheißung“
von Jussi Adler-Olsen

Um es vorweg zu nehmen: Der sechste Teil um den dĂ€nischen Kommissar Karl MĂžrck und sein Team wird Neueinsteiger sicher etwas fordern. Wer wenigstens zwei der vorhergehenden BĂ€nde kennt, ist dagegen mit den Personen vertraut und dĂŒrfte schnell in die Story eintauchen. 17 Jahre lang hat Polizeikommissar Christian Habersaat vergeblich versucht, den Tod einer jungen Frau aufzuklĂ€ren, die kopfĂŒber in einem Baum hĂ€ngend aufgefunden wurde. Kurz nachdem er Carl MĂžrck um Hilfe gebeten hat, kommt er auf schockierende Weise ums Leben – und nur wenig spĂ€ter auch sein Sohn. Das Sonderdezernat „Q“ wurde inzwischen um ein Mitglied erweitert: Nicht ganz freiwillig mussten das Team von Karl MĂžrck, Rose und Assad den HĂŒhnen Gordon bei sich aufnehmen. Carl ist sich sicher, dass Gordon eingesetzt wurde, um höhere Stellen ĂŒber ihre AktivitĂ€ten auf dem Laufenden zu halten. Carl, der Habersaat vertröstet hatte, um sich erst mal Zeit zum Ausspannen zu gönnen, fĂŒhlt sich nach dessen Tod verantwortlich, den Fall zu untersuchen. Bei der lange zurĂŒckliegenden Tat handelte es sich allem Anschein nach um Unfallflucht – eine junge FußgĂ€ngerin kam ums Leben; das Unfallfahrzeug wurde nie gefunden. Habersaat allerdings war fest ĂŒberzeugt davon, dass ein Mord begangen wurde. Sonderdezernat „Q“ beginnt, an zwei Orten gleichzeitig zu ermitteln: einmal am frĂŒheren Wohnort von Habersaat und zum anderen auf der Insel Öland, wo der ein charismatischer SektenfĂŒhrer ein „Zentrum zur Transzendentalen Vereinigung von Mensch und Natur“ gegrĂŒndet haben soll. Mit Esoterik kann der pragmatische MĂžrck nun gar nichts anfangen, dass er sich in Lebensgefahr begibt, ahnt er noch weniger.

Jussi Adler-Olsen: Verheißung.
DTV, 608 Seiten, 19,90 €.


„Weiße Magie – mordsgĂŒnstig“
von Steve Hockensmith

Alanis McLachlan ist 36, lebt in Chicago und arbeitet in einem Callcenter. Von ihrer Mutter hat sie seit fast 20 Jahren nichts mehr gehört. Aufgrund dramatischer Ereignisse trennte sich die damals 16-JĂ€hrige von ihrer Mutter, die bis dahin als TrickbetrĂŒgerin mit ihr zusammen quer durch die USA gezogen war, stĂ€ndig wechselnde Namen, Partner und GeschĂ€ftsmodelle inklusive. Nun erhĂ€lt Alanis einen Anruf von einem Rechtsanwalt, der ihr mitteilt, dass ihre Mutter verstorben ist. Noch ĂŒberraschter als ĂŒber diese Nachricht ist sie ĂŒber die Auskunft, dass ihre Mutter ihr etwas hinterlassen hat: einen Esoterikladen namens „Weiße Magie gut und gĂŒnstig“ in dem kleinen Ort Berdache in Arizona. Unter dem Namen Athena Passalis hat Alanis' Mutter dort davon gelebt, Tarotkarten zu legen und ist eines Tages ermordet aufgefunden worden. Obwohl sie ahnt, dass damit Ärger verbunden sein wird, fliegt Alanis nach Arizona, um ihr Erbe anzunehmen. Sie plant, die Beisetzung ihrer Mutter zu organisieren und den Laden zu verkaufen, doch dies gestaltet sich schwiertiger als geahnt. Clarice Stewart, eine junge Afro-Amerikanerin, war von Alanis Mutter als Mitarbeiterin angelernt worden und hatte sich erhofft, den Laden zu ĂŒbernehmen. Da sich die Abwicklung des Nachlasses hinziehen wird, beschließt Alanis, das GeschĂ€ft ihrer Mutter vorĂŒbergehend selbst weiterzufĂŒhren. Sie vermutet, dass ein betrogener Kunde den Mord verĂŒbt haben könnte, und wer weiß – vielleicht gelingt es ihr ja, aufzudecken, wer der Betreffende ist. Von Tarot versteht sie zwar nichts, doch das wird bei ihrer Mutter sicher auch nicht der Fall gewesen sein. TatsĂ€chlich geben sich schon bald die schrĂ€gesten Gestalten die Klinke von Alanis kleinem Laden in die Hand ...

Steve Hockensmith: Weiße Magie – mordsgĂŒnstig.
DTV, 352 Seiten, 9,95 €.


„Wie man mit dem Feuer philosophiert“
von Jens Soentgen

Chemie und Alchemie fĂŒr Furchtlose

Die Alchemie gilt als VorlĂ€uferin der modernen Chemie, und ihre Wurzeln reichen zurĂŒck bis ins alte Ägypten. Meist wird angenommen, die Herstellung von Gold sei das zentrale Thema der Alchimisten gewesen, doch dies ist keineswegs der Fall. Ob im islamischen Kulturkreis oder im Abendland, ob in China oder in Ägypten – die Alchimisten waren in erster Linie frĂŒhe Chemiker und Pharmakologen, die die Gesetze der Natur erforschten und ihre Erkenntnisse praktisch umzusetzen versuchten. Die vier Elemente – Feuer, Erde, Luft und Wasser – spielen in der Alchemie eine besondere Rolle, und von diesen vieren ist das Feuer hervorzuheben, ist es doch mehr als die drei anderen fĂŒr Verwandlungsprozesse der Materie verantwortlich.

So sah es jedenfalls Heraklit und so sieht es auch der Autor Jens Soentgen, studierter Chemiker und Philosoph, der uns hier auf einen unterhaltsamen Streifzug durch die AnfĂ€nge der Chemie einlĂ€dt und viele praktische Versuche vorstellt, die mit wenigen Mitteln selbst nachvollzogen werden können. Wenn wir heute von Chemie sprechen, denken wir an Wissenschaftler in weißen Kitteln, an die Errungenschaften der Forschung, an Umweltgifte und an große Konzerne. Welchen Beitrag die Alchemisten zu unserem heutigen Wissen geleistet haben, ist kaum noch jemandem bekannt. Und dass es einen Umgang mit chemischen VorgĂ€ngen in der Natur schon lange vor den Alchimisten gegeben hat, noch weniger. Waldchemie nennt der Autor diese Zeit, zu deren Verfahren zum Beispiel die Herstellung von Bier, Seife, Gummi und die von Papier aus Elefantendung gehört. Sachkenntnis und lebendiger Schreibstil, viele kleine Anekdoten und Fachwissen, das manche Aspekte unseres Alltags erklĂ€rt – der Autor ist begeistert von seinem Thema und versteht es, diese Begeisterung beim Leser ebenfalls zu entfachen. Auch dies ist ein alchemistischer Vorgang.

Jens Soentgen: Wie man mit dem Feuer philosophiert.
Peter Hammer Verlag, 464 Seiten, 29,90 €.

GeÀndert: 06 / 2020