„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2014



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Abschied von Sansibar“
von Lukas Hartmann

Lukas Hartmann's neuer Roman beruht auf der wahren Geschichte von Salme, der Prinzessin von Sansibar, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in den Hamburger Kaufmann Heinrich Ruete verliebt und mit ihm durchbrennt. In Hamburg konvertiert Salme zum christlichen Glauben, heißt jetzt Emily Ruete und grĂŒndet mit Heinrich eine Familie. Dieser Bruch mit ihrer Kultur wird Emily's gesamtes Leben prĂ€gen, zum Teil noch das ihrer Kinder. Nach dem frĂŒhen Unfalltod ihres Mannes ist sie auf sich alleingestellt und muss fĂŒr drei Kinder sorgen. In Hamburg lebt die ehemalige Prinzessin nun lange Zeit in großer Armut, statt der Freiheiten, die sie in ihrer Heimat hatte, unterliegt sie jetzt der strengen wilhelminischen Etikette. Sie wird Zeit ihres Lebens als Exotin bestaunt, ist auf Geldgeber angewiesen und leidet unter dem norddeutschen Wetter. Mehrmals reist Emily nach Sansibar zurĂŒck, doch ihre Hoffnung auf Versöhnung mit der Familie wird nie erfĂŒllt – zu tief war der Tabubruch, der zu der Beziehung zwischen einer muslimischen Prinzessin und einem christlichen AuslĂ€nder fĂŒhrte. Als Bismarck versucht, Emily als Druckmittel in der deutschen Außenpolitik zu benutzen, kehrt sie Deutschland den RĂŒcken und lĂ€sst sich in Beirut nieder.

FĂŒr seine Recherchen nutzte der Schweizer Autor unter anderem die persönlichen Aufzeichnungen und Briefe der ehemaligen Prinzessin.

Lukas Hartmann: Abschied von Sansibar.
Diogenes, 328 Seiten, 22,90 €.


„Attack – Unsichtbarer Feind“
von Douglas Preston und Lincoln Child

Im Gegensatz zu den bisherigen Pendergast-Krimis ist dieser in sich abgeschlossen; er bewegt sich natĂŒrlich auf dem gewohnt hohen Spannungsniveau. Corrie Swanson, Studentin an einer Polizeihochschule, will eine forensische Arbeit schreiben und hat bereits ein passendes Thema im Blick. In den Archiven der UniversitĂ€t stieß sie auf einen weit zurĂŒckliegenden Fall, in dem ein BĂ€r Menschen angefallen und teilweise auch gefressen haben soll. Damals hatte sich auch Arthur Conan Doyle, der berĂŒhmte Autor von Sherlock Holmes, mit der Sache befasst. Der hatte die Geschichte in sein Tagebuch eingetragen, und von diesem Tagebuch wird eine Originalkopie im Archiv aufbewahrt. Als Corrie erfĂ€hrt, dass die elf Leichen der damals Getöteten umgebettet werden sollen, macht sie sich auf dem Weg nach Colorado, um fĂŒr Ihre Arbeit zu recherchieren. In Roaring Fork, einer von MilliardĂ€ren geschĂ€tzten Wohngegend, erhĂ€lt sie zwar zunĂ€chst die Erlaubnis, die Leichen der damaligen Minenarbeiter zu begutachten, kurz danach wird ihr dies allerdings verwehrt. Corrie verschafft sich unberechtigt Zugang zu den menschlichen Überresten und stellt fest, dass die Wunden kaum von einem BĂ€ren stammen können. Aufgrund ihres Verstoßes gegen das Gesetz wird sie verhaftet und erst freigelassen, als Special Agent Pendergast angereist kommt. Als der den Ort wieder verlĂ€sst, ĂŒberschlagen sich in Roaring Form die Ereignisse ...

Douglas Preston / Lincoln Child: Attack – Unsichtbarer Feind.
Droemer, 480 Seiten, 19,99 €.


„Blutiger Engel“
von Kate Rhodes

„Blutiger Engel“ ist der zweite Fall um die Londoner Psychologin Alice Quentin, die hin und wieder fĂŒr die Polizei arbeitet und schon im ersten Band geholfen hat, einen Serienmörder aufzuspĂŒren. Diesmal wird sie in einem Fall zu Rate gezogen, in dem zunĂ€chst nur der vage Verdacht besteht, es könne sich wieder um einen Serienmord handeln. Ein Bankangestellter wurde vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen, die Tat ist von der Überwachungskamera aufgezeichnet worden. Da in einer Jacket-Tasche des Opfers eine Engelskarte und einige Federn gefunden werden, geht Detective Don Burns von einer Botschaft aus und ahnt, dass diesem Mord noch weitere folgen werden. Burns recherchiert im beruflichen Umfeld des Getöteten und findet immer mehr Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Bank, die zur „Angel Group“ gehört, heraus. Es folgen tatsĂ€chlich weitere Morde, alle an Mitarbeitern der Bank, alle Opfern tragen eine Engelskarte bei sich und die gleichen Federn. Alice hat eine ganze Reihe persönlicher Probleme zu bewĂ€ltigen und kann sich zunĂ€chst nicht richtig auf den Fall konzentrieren. Nicht genug, dass ihr ein gewalttĂ€tiger Patient das Leben schwer macht, auch in ihrer Familie gibt es schwere Turbulenzen. Daher bemerkt sie zunĂ€chst nicht, dass sie sich immer tiefer in Gefahr begibt. Erst als sie selbst eine Engelskarte erhĂ€lt, wird ihr klar, dass ihr Leben bedroht wird.

Kate Rhodes: Blutiger Engel.
Ullstein, 464 Seiten, 9,99 €.


„Das goldene Ei“
von Donna Leon

Commissario Brunetti's 22. Fall

In der Nachbarschaft der Brunettis ist ein junger Mann gestorben, den vor allem Paola von Sehen kannte. Von allen wurde er „Junge“ genannt, obwohl er Mitte dreißig war, er wirkte geistig zurĂŒckgeblieben, konnte nicht sprechen, arbeitete aber in der WĂ€scherei um die Ecke. Paola ist sehr betroffen, vor allem da sie ihn so hĂ€ufig bemerkte und praktisch nichts ĂŒber ihn wusste. Sie bittet ihren Mann, sich zu erkundigen, wer er war und was es mit seinem Tod auf sich hatte. Da der gerade wenig zu tun hat – er soll sich diskret und inoffiziell um eine Angekegenheit kĂŒmmern, die dem Ruf des BĂŒrgermeisters schaden könnte – sagt er zu und erkundigt sich nach dem Mann, der an einer Überdosis Schlaftabletten gestorben war. UngeklĂ€rt ist, ob es sich um einen Selbstmord handelt oder um ein Versehen. Behördlich registriert scheint er nirgendwo zu sein, aufgewachsen in der französischen Provinz hatte er nie die Gelegenheit gehabt, eine Schule zu besuchen. Doch Brunetti wird den Eindruck nicht los, dass Ana, die Mutter des Toten, ihm etwas verschweigt. Brunettis beruflicher Ehrgeiz ist geweckt. Doch erst als Ana mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus muss, gelingt es dem Commissario, mehr aus ihr herauszuholen. Nach und nach erfĂ€hrt er die erschreckende Geschichte des jungen Mannes. Den Auftrag seines Chefs fĂŒhrt er eher nebenbei aus. Dabei geht es um die in Venedig allgegenwĂ€rtigen Schmiergeldzahlungen und um bestechliche Beamte.

Donna Leon: Das goldene Ei.
Diogenes, 368 Seiten, 22,90 €.


„Das Los“
von Tibor Rode

An vier Menschen in verschiedenen Gegenden der Welt wird ein ungewöhnliches Angebot herangetragen. Ein mysteriöser Mönch bietet ihnen die Teilnahme an einer Lotterie an, die sein Orden seit dem 18. Jahrhundert praktizieren soll. Nur wenige Menschen gehören zu den AuserwĂ€hlten, und die vier Betreffenden sind die letzten, auf die das Spiel noch wartet: die Pokerspielerin Trisha, die schon ihre Eltern verraten hat, um an Geld zu kommen, Henri, der in Santa Fu in Hamburg eine lebenslĂ€ngliche Haftstrafe verbĂŒĂŸt, Pradeep, der, nachdem er alles im Lotto verloren hat, im Slum von Mumbai ums Überleben kĂ€mpft und der betrĂŒgerische Spekulant Carter, der schon viele Menschen um ihr Vermögen brachte. Alle vier lassen sich auf das Spiel und seine Regeln ein, obwohl der Einsatz alles ist, was sie besitzen. Schließlich winkt ein Gewinn von unermesslichem Wert: die ErfĂŒllung all ihrer TrĂ€ume. Doch dann geschieht ein Mord, und die Teilnehmer erkennen, wie hoch ihr Risiko wirklich ist. Trotz der fĂŒnf HandlungsstrĂ€nge - die der vier Mitspieler und die der Erfindung des Spiels im 18. Jahrhundert – ist die Story hervorragend aufgebaut. Die Spannung zu Beginn steigert sich durchgehend bis zum Schluss.

Tibor Rode: Das Los.
Bastei-LĂŒbbe, 640 Seiten. 19,99 €.


„Das Teufelsloch“
von Antonia Hodgson

Im Jahr 1727 landet Tom Hawkins, Sohn eines Landpfarrers, im berĂŒchtigten Londoner SchuldgefĂ€ngnis „The Marshalsea“. Hawkins hatte nie vor, seinem Vater nachzueifern, er liebt die Frauen, das Bier und das GlĂŒcksspiel. Gerade noch schien alles bestens zu laufen, hatte er doch endlich das Geld gewonnen, mit dem er am nĂ€chsten Tag seine Schulden begleichen musste. Doch auf seinem nĂ€chtlichen Heimweg wird er ĂŒberfallen und ausgeraubt. Nun muss er im SchuldgefĂ€ngnis ausharren, bis alle Forderungen gegen ihn beglichen sind, doch wie das passieren kann, das weiß Tom nicht. GlĂŒck im UnglĂŒck darf er zunĂ€chst eine Woche in der Abteilung der BegĂŒnstigten ausharren, auf der „Master's Side“, in der diejenigen untergebracht sind, die aus gutem Hause kommen. Hier kann, wer Geld hat, fast alles erhalten, selbst Alkohol und Prostituierte. Doch wer wie Tom ohne einen Penny in der Tasche eingeliefert wird, auf den wartet die Common Site – ein Dreckloch, in dem brutale Sitten herrschen und tĂ€glich Inhaftierte sterben. Selbst deren verwesende Leichen werden oft erst freigegeben, wenn die Familien sie auslösen. Tom ist schockiert ĂŒber seine Lage und die ZustĂ€nde im GefĂ€ngnis und er fĂŒrchtet den Tag, an dem er in die Abteilung der Verdammten wechseln muss. Unverhofft erhĂ€lt er eine Chance, wenn auch nur eine sehr kleine, sein Schiksal wieder selbst in die Hand zu nehmen. Gelingt es ihm, einen Mord aufzuklĂ€ren, der sich vor einiger Zeit in seiner Zelle ereignet hatte, winkt ihm Schuldenfreiheit und die Entlassung aus der Haft. Sein Zellengenosse Fleet, der selbst von den WĂ€chtern im Marshalsea gefĂŒrchtet wird, will Tom dabei unterstĂŒtzen. Doch schon bald gerĂ€t Tom in große Gefahr. Die Geschichte um die grausamen ZustĂ€nde im SchuldgefĂ€ngnis basiert zum Teil auf realen Ereignissen; Antonia Hodgson hat die Tagebuch-Aufzeichnungen eines HĂ€ftlings aus der Zeit in ihrem Roman verarbeitet.

Antonia Hodgson: Das Teufelsloch.
Knaur, 496 Seiten, 19,99 €.


„Das weiße Grab“
von Lotte und SĂžren Hammer

Nach „Schweinehunde“ ist dies der zweite Krimi des dĂ€nischen Geschwisterpaars Lotte und SĂžren Hammer, und auch hier ist es der Kopenhagener Kommissar Konrad Simonsen, der die Ermittlungen leitet. Diesmal hat er es mit einem Serienmörder zu tun, der eine Reihe von Frauen auf dem Gewissen hat. Alles beginnt mit dem Fund einer gefesselten Frauenleiche, die das tauende Eis freigegeben hat. Das Opfer wurde offensichtlich mit einer PlastiktĂŒte erstickt. Es stellt sich heraus, dass es sich um die seit Jahrzehnten vermisste Maryann Nygaard handelt, die in den 1980ern als Krankenschwester auf einer Radarstation angestellt war. Kommissar Simonsen beginnt mit seinen Nachforschungen unter denkbar ungĂŒnstigen Bedingungen: er ist körperlich schwer angeschlagen, vor kurzem wurde bei ihm Diabetes festgestellt. Zusammen mit seiner Kollegin Pauline Berg bearbeitet er den Fall, schnell stoßen die beiden auf Parallelen zu einer ganzen Reihe von Morden in DĂ€nemark. Und Simonsen muss feststellen, dass ihm in einer frĂŒheren Ermittlung ein schwerer Fehler unterlaufen ist, der seiner Kollegin nun zum VerhĂ€ngnis werden könnte. Der Mörder hat auch sie plötzlich im Visier.

Lotte und Sþren Hammer: Das weiße Grab.
Knaur, 512 Seiten, 9,99 €.


„Der Jesus-Deal“
von Andreas Eschbach

Zehn Jahre nach Andreas Eschbach's erfolgreichem Roman „Das Jesus-Video“ erscheint nun als Nachfolger „Der Jesus-Deal“. Um in die Geschichte einzusteigen, muss man den ersten Teil nicht gelesen haben. Wer ihn kennt, weiß bereits, dass es um die Möglichkeit von Zeitreisen geht – das betreffende Video aus ferner Vergangenheit wurde mit einer Kamera aufgenommen, die zum Zeitpunkt der Ereignisse noch gar nicht auf dem Markt erhĂ€ltlich war. Das Video, das am Ende des ersten Buches gestohlen wurde, taucht nun wieder auf. Stephen Foxx war immer ĂŒberzeugt gewesen, dass der Vatikan hinter dem Diebstahl steckte, um ein unliebsames Dokument aus der Welt zu schaffen. Nun stellt sich heraus, dass ganz andere KrĂ€fte an der Sache beteiligt sind. Samuel Barron, einer der reichsten MĂ€nner der Welt, hat von dem Video erfahren und geht davon aus, dass Zeitreisen möglich sind. Er beauftragt einen russischen Wissenschaftler mit der technischen Umsetzung dieser Vision. Ein Team von fĂŒnf jungen MĂ€nnern, unter ihnen sein Sohn Michael, wird auf die Reise in die Vergangenheit vorbereitet, um Jesus auf Video aufzunehmen. Doch Barron scheit noch ganz andere PlĂ€ne zu haben, die weit ĂŒber das hinausgehen, was er der Gruppe auftrĂ€gt.

Andreas Eschbach: Der Jesus-Deal.
LĂŒbbe, 736 Seiten, 22,99 €.


„Der Junge, den niemand sah“
von Cornelia Read

Dies ist der dritte Krimi um Madeline Dare, genannt Maddie. Die ehemalige Journalistin und Lehrerin gerĂ€t mal wieder in einen Kriminalfall und entschließt sich, auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen. Maddie unterstĂŒtzt ihre Cousine Cate, die einen jahrhundertealten, verwilderten Friedhof in Queens herrichten möchte, auf dem einige Familienangehörige bestattet sind. An einem sehr heißen Septembernachmittag stĂ¶ĂŸt sie dort beim UnkrautjĂ€ten auf ein Kinderskelett, das kaum aus einem der GrĂ€ber stammen kann. Die Mordkommission findet schnell heraus, dass es sich um Teddy Underhill handelt, einen dreijĂ€hrigen Afroamerikaner, der vor Monaten als vermisst gemeldet wurde. Ungewöhnlich ist, dass die Familie sich erst zwei Wochen nach Teddys Verschwinden an die Polizei gewandt hatte. Er soll von zu Hause weggelaufen sein, als sein Stiefvater gerade schlief. Die Gerichtsmedizin stellt fest, dass der Tod durch schwere Gewaltanwendung eintrat, und bereits eine Befragung der Nachbarn ergibt, dass Teddy zu Hause misshandelt wurde. Selbst das Jugendamt war darĂŒber informiert, doch offenbar wurde nichts unternommen, um dem Jungen zu helfen. Kaum wird Anklage gegen die Mutter und den Stiefvater erhoben, erhalten die Zeugen Drohungen von Freunden der Familie. Als Madeline ihrer jĂŒngere Schwester Pagan von dem Fall erzĂ€hlt, muss sie erfahren, dass auch die als Kind sexuell belĂ€stigt wurde – und auch dort gab es Erwachsene, die davon Kenntnis hatten und nichts unternahmen.

Cornelia Read: Der Junge, den niemand sah.
DTV, 448 Seiten, 9,95 €.


„Der Medicus von Heidelberg“
von Wolf Serno

Auch fĂŒr seinem zwölften Roman hat Wolf Serno ein Thema aus den AnfĂ€ngen der modernen Medizin gewĂ€hlt, das sich als roter Faden durch die Geschichte zieht. Im Kanton Thurgau, im Jahre 1500, beschließt der Schweinekastrator Jacob Nufer, seine schwangere Frau bei lebendigem Leib aufzuschneiden, um das Kind auf die Welt zu holen, also zum erstenmal ein Verfahren anzuwenden, das viel spĂ€ter als Kaiserschnitt bekannt werden wird. Mutter und Kind befinden sich in der Gefahr, eine natĂŒrliche Geburt nicht zu ĂŒberleben. Nufer wĂŒrde damit gegen die Regeln der Kirche verstoßen, die der Meinung ist, das Kind dĂŒrfe erst nach dem Tod der Mutter auf die Welt geholt werden, doch er beruft sich auf eine vage Äußerung des PrĂ€laten Bindschedler, die er als Erlaubnis zu seinem riskanten Versuch deutet. Die Operation glĂŒckt, Mutter und Kind ĂŒberleben die Prozedur, ganz besonders davon beeindruckt ist Nufers zwölfjĂ€hriger Sohn Lukas, der bei der Entbindung assistierte. Lukas beschließt, ein Medicus zu werden, und macht sich Jahre spĂ€ter auf den Weg, um seinen Traum zu verwirklichen. Er reist von Basel nach Erfurt und schließlich nach Heidelberg, begegnet unterwegs seiner großen Liebe und wird schließlich mit der gleichen Situation konfrontiert wie einst sein Vater: seine schwangere Geliebte wird die bevorstehende Geburt nur ĂŒberleben, wenn Lukas Nufer das Kind durch einen Schnitt auf die Welt holt.

Wolf Serno: Der Medicus von Heidelberg.
Knaur, 688 Seiten, 19,90 €.


„Der Ozean am Ende der Straße“
von Neil Gaiman

Der neue Fantasy-Roman von Neil Gaiman („Niemalsland“, „Der Sternwanderer“) beginnt ruhig und unspektakulĂ€r. Der ErzĂ€hler der Geschichte besucht seine alte Heimat, um an einer Trauerfeier teilzunehmen. Mehr und mehr erinnert er sich an Begebenheiten aus seiner Kindheit, und anstatt nach dem Gottesdienst seine Schwester zu besuchen, wie es verabredet war, will er sich zunĂ€chst die Straße ansehen, in der er frĂŒher lebte. Das Haus seiner Kindheit steht schon lange nicht mehr, doch es gibt andere PlĂ€tze, die er aufsuchen will. Vor allem der Hof am Ende der Straße zieht ihn an, der Ort, an dem seine Freundin Lettie zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter wohnte. Dort begegnet er einer alten Frau, die ihm den Weg zum Ententeich weist, nach dem der Mann sucht. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß der Leser fast nichts ĂŒber den ErzĂ€hler, was sich schlagartig Ă€ndert, als dieser den Teich findet und von den Erinnerungen aus seiner Kindheit regelrecht ĂŒberschĂŒttet wird. Von nun an wird die Geschichte aus Sicht des SiebenjĂ€hrigen erzĂ€hlt, der er damals war. Im Haus seiner Eltern ist ein Untermieter verstorben, der gerade erst eingezogen war. Kurz darauf lernt der Junge Lettie Hempstock kennen, das MĂ€dchen aus der Nachbarschaft, das in mancherlei Hinsicht ungewöhnlich ist. Als seine Familie das KindermĂ€dchen Ursula Monkton engagiert, ist Lettie die einzige VerbĂŒndete des Jungens, der davon ĂŒberzeugt ist, dass die Frau nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Denn um sie herum ereignen sich immer unglaublichere Dinge ...

Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße.
Eichborn, 240 Seiten, 18,00 €.


„Der raffinierte Mr. Scratch“
von Michael Poore

John Scratch ist der berĂŒhmteste Fernsehmoderator der Welt. Vor laufenden Kameras klingelt er an einem Haus, in dem ein glĂŒcklich verheiratetes Paar lebt. Als die beiden ihm öffnen, sagt er: "Sie bekommen zehn Millionen $, wenn Sie sich jetzt trennen und nie mehr wiedersehen." Der Mann lehnt ab. Die Frau nicht. Niemand bekommt das Geld, doch die Ehe ist zerstört. Es ist ziemlich schnell klar, dass nur einer in der Lage ist, eine solche Show zu inszenieren: Der Teufel. Mr. Scratch entfĂŒhrt den Leser in verschiedene Stationen der Vergangenheit, immer auf der Suche nach den SĂŒnden und Lastern der Menschen. Ob im alten Ägypten oder im BĂŒrgerkrieg der USA, ob Hiroshima oder „9/11“ – Mr. Scratch hat eine sehr eigene Sicht auf die Dinge. FĂŒr ihn sind Kriege und Katastrophen untrennbar verbunden mit Fortschritt und Erneuerung. Die Rahmenhandlung bildet eine Begebenheit im Jahr 1969, als drei erfolglose Musiker beschließen, ihre Seele dem Teufel zu vermachen, um endlich einmal Geld und Ruhm zu erlangen. TatsĂ€chlich verlĂ€uft das Leben von Memory, Fish und Zachary von diesem Zeitpunkt an außerordentlich erfolgreich.

Michael Poore: Der raffinierte Mr. Scratch.
Bastei-LĂŒbbe, 448 Seiten, 16,99 €.


„Der Tanz der Möwe“
von Andrea Camilleri

Commissario Montalbano ist inzwischen so berĂŒhmt, dass einige seiner FĂ€lle verfilmt werden sollen. Livia, seine Fernbeziehung, findet das so spannend, dass sie einen Kurzurlaub organisiert. Sie möchte den Drehort in einem sizilianischen Tal besuchen, was Montalbano eigentlich gar nicht passt. Wie so oft geraten die beiden schon kurz nach ihrem Zusammentreffen in einen Streit, aber der Commissario wird ohnehin noch einmal ins BĂŒro gerĂŒfen, und kann so Schlimmeres vermeiden. Als er dort erfĂ€hrt, dass sein Kollege Fazio verschwunden ist, macht er sich umgehend auf die Suche und vergisst, Livia Bescheid zu sagen. Fazio war offensichtlich an einer großen Sache dran, ist angeschossen worden und hat seitdem nichts mehr von sich hören lassen. Kaum beginnt Montalbano mit seinen Ermittlungen, stĂ¶ĂŸt er schon auf zwei Leichen und bald auch auf seinen schwerverletzten Kollegen. Der jedoch kann sich an nichts erinnern und muss sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden. Montalbano ist so mit der Sache beschĂ€ftigt, dass er sich einen ganzen Tag lang nicht bei Livia meldet. Doch die hat zum GlĂŒck VerstĂ€ndnis fĂŒr seine Situation, als sie erfĂ€hrt, worum es geht. Nebenbei setzt er sich mit dem Älterwerden auseinander, und, da er auf die 60 zugeht, mit der Frage, wie lange er seine Arbeit noch machen möchte. Doch so viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm nicht, denn er hat es momentan nicht nur mit der Mafia, sondern auch mit einem ranghohen Politiker zu tun.

Andrea Camilleri: Der Tanz der Möwe.
LĂŒbbe, 272 Seiten, 19,99 €.


„Der unsichtbare Killer“
von Peter F. Hamilton

Peter F. Hamilton zĂ€hlt zu den bekanntesten modernen Science Fiction-Autoren, berĂŒhmt wurde er vor allem mit seinem „Armageddon“-Zyklus, der Ende der 1990er Jahre erschien. Sein neuer Science Fiction-Thriller beginnt in Newcastle im Jahr 2142. Dort hat Detective Sidney Hurst mit einem brutalen Mordfall zu tun, der sich schon bald als Werk eines SerientĂ€ters herausstellt. Hurst findet auffallende Parallelen zu einem Massenmord der sich 20 Jahre zuvor ereignet hat, allerdings nicht in Newcastle, sondern auf dem Tropenplaneten St. Libra, der das Doppelstern-System Sirius umkreist. Durch die Gateway-Technologie ist es der Menschheit gelungen, einige andere Welten zu besiedeln, so auch den Planeten St. Libra, der fĂŒr seine ungewöhnliche Pflanzenwelt bekannt ist und auf dem ein Algenprodukt angebaut wird, das den Mineralölbedarf auf der Erde deckt. Dieser Rohstoff wird von einer Familie kontrolliert, deren sĂ€mtliche Mitglieder Klone von drei noch lebenden, uralten Vorfahren sind. Das Gateway in Newcastle erlaubt den direkten Übergang nach St. Libra, und so begibt sich Hamilton mit seinem Team in die Dschungelwelt, um nach Spuren des damaligen Verbrechens zu suchen. Schon bald darauf kommt es zu neuen Morden.

Peter F. Hamilton: Der unsichtbare Killer.
Bastei-LĂŒbbe, 1136 Seiten, 17,99 €.


„Die Frau, die an einem ganz normalen Sommertag
plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte“
von Yolande Duran-Serrano und Laurence Vidal

In vielen spirituellen Disziplinen ist es das höchste Ziel, einen bleibenden Bewusstseinszustand jenseits des denkenden Verstandes zu erlangen. Manche nennen dies das wahre Selbst, andere Erleuchtung oder Samadhi. Selbst nach jahrzehntelanger meditativer Praxis soll sich ein derartiger Zustand nur sehr selten einstellen. Doch immer wieder einmal tauchen Berichte von Menschen auf, denen dies spontan widerfahren ist – ohne irgendeine Art der spirituellen Schulung erwachen sie plötzlich in einem Bewusstsein, auf das sie nie vorbereitet waren. So erging es auch Yolande Duran-Serrano, die sich nie mit dem Thema SpiritualitĂ€t befasst hatte und ein ganz normales Leben fĂŒhrte. Eines Tages stellte Yolande fest, dass ihre Gedanken weitgehend verschwunden waren und stattdessen eine tiefe Stille eingekehrt war. ZunĂ€chst dachte sie, dies mĂŒsse mit dem Älterwerden zusammenhĂ€ngen, doch als sie andere Menschen befragte und niemand ihr dies bestĂ€tigen konnte, bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie konsultierte Ärzte und Psychotherapeuten, nur um zu erfahren, dass man bei ihr kein Problem feststellen konnte. Erst Jahre spĂ€ter war sie in der Lage ĂŒber diesen neuen Zustand, der sich weiterhin vertieft, zu sprechen. Ihre Freundin, die Journalistin Laurence Vidal, hat sie mehrfach interviewt und Yolandes Antworten in diesem Buch zusammengefasst. Immer wieder versucht Yolande neue Worte zu finden, um ihre Wahrnehmung jenseits des normalen Alltagsbewusstseins zu beschreiben. Sie spricht davon, dass sich sich selbst nicht mehr als Persönlichkeit wahrnimmt, sondern mehr und mehr als Teil eines großen Ganzen. Yolande gibt keine Anleitungen, sie weiß selbst nicht, wie „diese Sache“, wie sie es nennt, passieren konnte. Sie berichtet einfach aus ihrer Erfahrung. Doch immer wieder wird fĂŒr den Leser spĂŒrbar, dass das, was man zu sein glaubt, eine Illusion darstellt.

Yolande Duran-Serrano / Laurence Vidal: Die Frau, die an einem ganz
normalen Sommertag plötzlich keine Gedanken mehr im Kopf hatte.
Knaur, 192 Seiten, 14,99 €.


„Die Kraft der Liebe“
von Erich Fromm

Über Haben und Sein, Liebe und Gewalt, Leben und Tod

Erich Fromm wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren und starb 1980 in der NĂ€he von Locarno im Tessin. Er war einer der berĂŒhmtesten Psychoanalytiker seiner Zeit, außerdem Sozialpsychologe und Philosoph. Fromm wurde von Max Horkheimer an das Institut fĂŒr Sozialforschung nach Frankfurt berufen, spĂ€ter lehrte er in den USA und in Mexiko. Viele seiner BĂŒcher fanden Verbreitung weit ĂŒber das Fachpublikum hinaus, einige wurden zu Bestsellern, wie „Die Kunst des Liebens“ und „Haben oder Sein“. Fromm's Anliegen war es, die psychische Situation des Einzelnen in ihrer AbhĂ€ngigkeit vom gesellschaftichen Klima zu untersuchen. In diesem kleinen Zitateband sind Fromms Gedanken und AussprĂŒche zu verschiedensten Themen gesammelt. Das Vor- und das Nachwort geben einen kurzgefassten Einblick in Fromm's Arbeit und deren Einfluss auf das 20. Jahrhundert.

Erich Fromm: Die Kraft der Liebe.
Diogenes, 176 Seiten, 12,90 €.


„Die Stadt der Toten“
von Sara Gran

New Orleans, 2007. Zwei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan Katrina herrscht dort immer noch das Chaos. Die Ermittlerin Claire DeWitt erhĂ€lt den Auftrag, nach dem verschollenen Staatsanwalt Vic Willing zu forschen. Claire ist alles andere als konservativ, eher ein bisschen verrĂŒckt und in ihrer Arbeit recht unkonventionell. Sie selbst bezeichnet sich als die beste Ermittlerin der Welt, ihr treuer Begleiter ist „Detection“ ein Handbuch fĂŒr Privatdetektive des Autors Jacques Silette. Neben diesem Ratgeber nutzt Claire außerdem „I Ging“-MĂŒnzen und die Deutung ihrer TrĂ€ume, und damit hat sie bisher noch jeden Fall lösen können. Ihren neuen Auftrag erhielt sie telefonisch von einem Mann namens Leon Salvatore, der sie bittet, seinen Onkel, den verschollenen Staatsanwalt, zu suchen. Claire geht davon aus, dass der Auftraggeber die Lösung eigentlich selbst kennen muss, doch da sie Geld braucht, nimmt sie den Auftrag an. Sie kennt New Orleans aus der Zeit vor der Katastrophe, auch da war es schon ein Hort des Verbrechens, doch jetzt hat sich alles noch verschlimmert. Polizei und Staatsanwaltschaft werden von Korruption und Rassismus beherrscht, die schwarze Bevölkerung resigniert oder wird kriminell. Am Abend vor dem Hurrikan hat Leon seinen Onkel zum letzten Mal gesehen. Eine Visitenkarte fĂŒhrt Claire auf eine erste Spur, doch schon bald ĂŒberschlagen sich die Wendungen in diesem Fall auf eine Weise, die selbst sie ĂŒberrascht.

Sara Gran: Die Stadt der Toten.
Knaur, 368 Seiten, 9,99 €.


„Duell“
von Arnaldur IndriĂ°ason

Mit „Duell“ startet Islands erfolgreichster Krimi-Autor seine neueste Romanserie, in deren Mittelpunkt Kommissar Marian Briem steht, der schon in frĂŒheren Krimis eine Rolle spielte. Im Sommer 1972 sitzt ein Junge in einem Kino in ReykjavĂ­k. Offensichtlich will er den Ton des gerade laufenden Filmes aufnehmen, doch kurz darauf wird er brutal ermordet. Die erschĂŒtternde Tat wird im Strudel der Ereignisse von der Öffentlichkeit allerdings kaum wahrgenommen: der russische Schachweltmeister Boris Spasski tritt mitten im Kalten Krieg gegen seinen amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer an, und ganz ReykjavĂ­k ist in hellem Aufruhr. Die Stadt quillt ĂŒber vor Besuchern aus der ganzen Welt, und die Polizei ist von ihren zusĂ€tzlichen Aufgaben im Rahmen der Schach-WM völlig ĂŒberfordert. Marian Briem wird die Leitung der Ermittlung an dem Mord des Jungen ĂŒbertragen, doch was zunĂ€chst nach reiner Routine aussieht, konfrontiert die Ermittler mit schwierigsten politischen Verwicklungen hinter den Kulissen.

Arnaldur IndriĂ°ason: Duell.
LĂŒbbe, 432 Seiten, 19,99 €.


„Ein langer, langer Weg“
von Sebastian Barry

Sebastian Barry, in Deutschland bereits bekannt durch seine Romane „Ein verborgenes Leben“ und „Mein fernes, fremdes Land“ beschreibt die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus Sicht des 18-jĂ€hrigen Willie Dunne aus Dublin. Der junge Ire meldet sich beim MilitĂ€r, um seinem Vater, einem hohen Polizeibeamten, zu zeigen, was in ihm steckt. Aufgrund seiner geringen GrĂ¶ĂŸe hatte Willie keine Chance, bei der Polizei angenommen zu werden, da kommt ihm der Aufruf der ArmeefĂŒhrung ganz recht. Und er gehört zu den Tausenden junger Iren, die an der Seite Englands kĂ€mpfen, im Glauben, damit die bereits zugesicherte UnabhĂ€ngigkeit fĂŒr ihr Land zu beschleunigen. Hunger, KĂ€lte, NĂ€sse, Todesangst - in den SchĂŒtzengrĂ€ben Flanderns ĂŒberkommen Willie schnell Zweifel am Sinn seines Einsatzes. Die bildhafte Sprache Barrys zieht den Leser sofort in ihren Bann und lĂ€sst ihn das Grauen, die Verzweiflung und den Wahn an der Front hautnah miterleben, das Morden, die anfliegenden Granaten, den ersten Giftgas-Angriff. Doch fĂŒr Willie und seine Kameraden kommt es noch schlimmer. Nach dem Oster-Aufstand von 1916 werden die jungen Iren an der Front sowohl von England als auch von Irland als VerrĂ€ter betrachtet.

Sebastian Barry: Ein langer, langer Weg.
Steidl, 368 Seiten, 24,00 €.


„Erwartung“
von Jussi Adler-Olsen

Mit „Erwartung“ liegt der nun fĂŒnfte Fall fĂŒr das „Sonderdezernat Q“ fĂŒr unaufgeklĂ€rte FĂ€lle und den stĂ€ndig schlecht gelaunten Ermittler Carl MĂžrck vor. Der 15-jĂ€hrige Marco trĂ€umt von dem, was fĂŒr die meisten anderen Kinder in seinem Alter selbstverstĂ€ndlich ist: ein geregeltes Leben zu fĂŒhren und zur Schule gehen zu können. Das aber ist fĂŒr ihn völlig unerreichbar. Marco ist ein Zigeunerjunge – er wurde von seinem Familien-Clan zum Stehlen und Betteln ausgebildet und lebt auf der Straße. Gelegentlich besucht er Bibliotheken, um seinen Wissensdrang zu stillen. Er besitzt auch einige SchulbĂŒcher, die er einmal von einem Lehrer geschenkt bekommen hat. Geborgenheit und Sicherheit konnte er nie erfahren, seinem Clan ist er völlig egal, solange er genĂŒgend Geld ranschafft. Eines Tages hört er zufĂ€llig ein GesprĂ€ch mit, in dem es darum geht, ihn zum KrĂŒppel zu machen, um weiterhin Geld mit ihm verdienen zu können. Marco flieht vor seinen Leuten und versteckt sich in einem nahegelegenen Wald, doch damit verschlimmert sich seine Lage nur noch. Er stĂ¶ĂŸt auf eine Leiche, die nie hĂ€tte entdeckt werden dĂŒrfen. Nun sind nicht nur seine Leute hinter ihm her, sondern auch eine weit gefĂ€hrlichere Gruppe, deren Verbindungen bis in die höchsten Kreise der dĂ€nischen Gesellschaft reichen.

Jussi Adler-Olsen: Erwartung.
DTV, 576 Seiten, 19,99 €.


„Giftspur“
von Daniel Holbe

Mit „Giftspur“ beginnt eine neue Krimiserie um die Kommissarin Sabine Kaufmann, die schon in der Julia Durant-Reihe von Andreas Franz und Daniel Holbe eine Rolle spielte. Die Ermittlerin ließ sich aus privaten GrĂŒnden von Frankfurt in die hessische Provinz versetzen. Nun muss sie sich in einem neuen Team zurechtfinden – einem gerade erst gegrĂŒndeten Mordkommissariat – das ihr zu Beginn nicht besonders wohlgesonnen ist. Als einzige Frau in der Gruppe, und dann noch eine aus der Sadt, ist man ihr gegenĂŒber nicht nur skeptisch, sondern regelrecht abweisend. Vor allem der Kollege Ralph Angersbach, ebenfalls neu im Team, macht es ihr schwer. Ausgerechnet mit ihm wird sie auf ihren ersten Einsatz geschickt. Als Ulf Reitmeyer, der Besitzer eines großen Bioproduktionsbetriebes verstarb, ging man zunĂ€chst von einem Herzversagen aus. Doch schon bald darauf findet man die Leiche eines Angestellten des Betriebes und lĂ€sst beide Toten toxikologisch untersuchen. Das Ergebnis ist eindeutig: beide wurden mit dem gleichen Gift ermordet. Was zunĂ€chst als leicht zu lösender Fall erscheint, wird mit der Zeit immer verwickelter. Je mehr das Duo in die Szene der Bioproduzenten Einblick bekommt, desto schneller wĂ€chst der Kreis der TatverdĂ€chtigen. Zum GlĂŒck nĂ€hern sich die beiden langsam aneinander an.

Daniel Holbe: Giftspur.
Knaur, 464 Seiten, 9,99 €.


„GlĂ€nzende GeschĂ€fte“
von Katharina MĂŒnk

Wirtschaftsboss und Top-Manager Dr. Wilhelm Löhring versteht es, aus allem ein GeschĂ€ft zu machen. In „Die Insassen“ gelang es ihm wĂ€hrend seines Aufenthaltes in der Nervenklinik St. Ägidius, selbige mit Erfolg an die Börse zu bringen. Inzwischen ist Löhring medikamentös eingestellt und wieder auf freiem Fuß, doch jetzt leidet er an einer Sinnkrise. Seine Firma schickt ihn zu einem Personal Coach, der ihm das „Brillenwechsel-Programm“ empfiehlt. Im Zuge dieses Programms unterstĂŒtzt Löhring den HĂ€ftling Kellermann bei dessen BWL-Studien. Kaum erhĂ€lt Kellermann Freigang, entfĂŒhrt er seinen Mentor und fordert fĂŒr ihn ein Lösegeld. Doch anscheinend ist Löhring so unentbehrlich nicht und er selbst kann die geforderte Summe nicht aufbringen. Er schlĂ€gt vor, Vermögensverwalter Kesch zu kontaktieren, doch auch das bringt niemanden weiter, denn der liegt ermordet in seinem BĂŒro. Kellermann und Kesch allerdings sehen sich zum Verwechseln Ă€hnlich und das bringt Löhring auf seine nĂ€chste große GeschĂ€ftsidee. Kellermann schlĂŒpft in die Rolle Keschs und begibt sich zu einem Termin mit dem Ex-Investmentbanker Keith Winter, der SkarabĂ€en mit gold- und silberfarbenen Panzern erforschen lĂ€sst. Bei dem Treffen wird eine skurrile GeschĂ€ftsidee geboren, bei der es natĂŒrlich darum geht, potentielle Anleger ĂŒbers Ohr zu hauen. Eine gelungene Satire, die durchaus einige AnknĂŒpfungspunkte mit dem aktuellen Wirtschaftsgeschehen hat.

Katharina MĂŒnk: GlĂ€nzende GeschĂ€fte.
DTV, 272 Seiten, 14,90 €.


„Götterfall“
von Sandra LĂŒpkes

Wencke Tydmers, Fall-Analytikerin beim „LKA“, hat ohnehin schon viel zu viel um die Ohren, nun muss sie auch noch ihre Chefin auf einem Symposium in Island vertreten. „Über die ZusammenhĂ€nge altgermanischer Mythen und moderner Politik“ – mit dem Thema kann sie ohnehin nichts anfangen und wo bringt sie ihren Sohn jetzt unter? Mitten in der ĂŒberstĂŒrzten Planung fĂŒr die Dienstreise werden ihr auch noch mysteriöse Briefe zugestellt. Es handelt sich um Kopien handschriftlicher Notizen ihrer verstorbenen Freundin Doro. Die Erinnerung an Doro's Tod und an das rĂ€tselhafte Verschwinden des kleinen Jan vor 20 Jahren hatte Wencke bisher weitgehend verdrĂ€ngt. Auf dem Flug nach Island muss sie mit Schrecken feststellen, dass sich an Bord auch die beiden damaligen Kolleginnen befinden, mit denen sie vor 20 Jahren in einer Mordsache ermittelte. Die eine ist inzwischen mit dem Politiker verheiratet, dessen Sohn damals getötet wurde, die andere war mit dem Mann befreundet, der fĂŒr die Tat verurteilt wurde. WĂ€hrend Ihres Aufenthaltes auf Island wird ihr klar, dass der damalige Fall alles andere als geklĂ€rt ist. Dass sie selbst Opfer eines Komplotts geworden ist, bemerkt sie allerdings erst sehr spĂ€t ...

Sandra LĂŒpkes: Götterfall.
DTV, 336 Seiten, 14,90 €.


„Hab und Gier“
von Ingrid Noll

Der ehemalige Bibliothekar Wolfram Kemper ist schwer krank und hat nicht mehr lange zu leben. Als kinderloser Witwer wird er ein beachtliches Vermögen hinterlassen. Eines Tages lĂ€dt er seine ehemalige Kollegin Karla zu sich nach Hause ein. Auch Karla ist inzwischen alleinstehende Rentnerin, lebt allerdings in sehr bescheidenen VerhĂ€ltnissen in einer kleinen Wohnung, ein Auto kann sie sich nicht leisten. Karla besucht Wolfram zum erstenmal und wundert sich ĂŒber die Einladung. Wolfram kommt ziemlich schnell zur Sache: Er bietet Karla ein Viertel seines Vermögens, wenn sie sich um die Beerdigung und die Grabpflege kĂŒmmert, die HĂ€lfte, wenn sie ihn bis zu seinem Lebensende pflegt. Auch die andere HĂ€lfte inklusive seiner Weinheimer Villa bietet er ihr an – wenn sie ihn auf eine bestimmte Art zu einem bestimmten Zeitpunkt umbringt. Karla ist ĂŒber das letzte Angebot schockiert, sagt aber zu, Wolfram bis zum Tod zu pflegen. Eigentlich ist sie sich mit ihrer Entscheidung sicher – bis sie ihrer besten Freundin Judith von der Sache erzĂ€hlt. Judith hat deutlich weniger Skrupel, schließlich ist Beihilfe zum Selbstmord in diesem Fall keine Straftat. Gemeinsam mit Karla entwickelt sie einen Plan, in den sie allerdings auch noch ihren Freund Cord einweihen muss. Die PlĂ€ne der drei entwickeln eine Dynamik, die fĂŒr niemanden absehbar war und die nach Wolframs Tod erst richtig eskaliert.

Ingrid Noll: Hab und Gier.
Diogenes, 256 Seiten, 21,90 €.


„Himmelfahrt“
von Richard DĂŒbell

Eine Prostituierte wird Zeugin, wie in der Wohnung ĂŒber ihr ein Mord stattfindet. Bei dem Opfer handelt es sich um den bekannten Bauunternehmer Hannes Waltz. Eigentlich wĂŒrde der Fall an Hauptkommissar Peter Bernward und seine attraktive Kollegin Flora Sander gehen, aber da die beiden, die vor kurzen noch ein Paar waren, momentan schlecht aufeinander zu sprechen sind, beauftragt der Polizeichef Flora mit den Recherchen. Peter soll sich der Schreibtischarbeit widmen und einen gerade entlassenen HĂ€ftling ausfindig machen, was dem natĂŒrlich gar nicht passt. Er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln und muss schon bald feststellen, dass seine Kollegin in Gefahr ist. Erschwerend kommt hinzu, dass in Landshut sintflutartige RegenfĂ€lle niedergehen und durch einen Dammbruch die halbe Stadt unter Wasser steht. Als die Verwicklung mit einem Ă€lteren Fall offensichtlich wird, kommt es zu ĂŒberraschenden Wendungen und einem dramatischen Ablauf der Ereignisse.

Richard DĂŒbell: Himmelfahrt.
Ullstein, 384 Seiten, 9,99 €.


„Homöopathie fĂŒr Skeptiker“
von Irene Schlingensiepen und Mark-Alexander Brysch

Wie sie wirkt, warum sie heilt, was belegt ist

Dr. med. Irene Schlingensiepen arbeitete nach Ihrem Medizinstudium in der Hirnforschung bei Prof. Otto Creutzfeldt am „Max-Planck-Institut“ in Göttingen, 1992 war sie SachverstĂ€ndige am Bundesverfassungsgericht zu medizinisch-ethischen Fragen. UrsprĂŒnglich verstand sich Dr. Schlingensiepen als Gegnerin der Homöopathie, bis sie durch einen Vorfall in der eigenen Familie begann, sich nĂ€her mit dem Thema zu befassen. Ihr jĂŒngster Sohn hatte starkes Asthma entwickelt, und keines der gĂ€ngigen Mittel schlug bei ihm an, bis sie es mit den kleinen KĂŒgelchen probierte, zu denen ihr ein Kollege mehrmals geraten hatte. Das Asthma ihres Sohnes verschwand praktisch ĂŒber Nacht. Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit der Homöopathie und angeregt durch ihre Arbeit in der Hirnforschung entwickelte Dr. Schlingensiepen einen eigenen Ansatz, die sogenannte Quellenhomöopathie, die sie in Berlin unterrichtet. In ihrem Buch geht sie auf den aktuellen Stand der Forschung ein und berichtet ĂŒber Untersuchungen, die praktisch als Beweis fĂŒr die Wirksamkeit der Homöopathie gelten können, außerdem beschreibt sie die Geschichte und Entwicklung der Homöopathie und liefert eine Reihe beeindruckender Fallbeispiele. Ganz sicher wird auch dieses Buch nicht die letzten EinwĂ€nde der Skeptiker beseitigen, es regt aber dazu an, sich dem Thema aufgeschlossener zu nĂ€hern, als es normalerweise von Seiten der Homöopathie-Gegner der Fall ist.

Irene Schlingensiepen / Mark-Alexander Brysch:
Homöopathie fĂŒr Skeptiker.
O. W. Barth, 192 Seiten, 16,99 €.


„Kindertotenlied“
von Bernard Minier

Die Menschen im SĂŒden Frankreichs leiden unter einem besonders heißen und schwĂŒlen Gewittersommer, als ein brutaler Mord geschieht. Eine Professorin der Elite-UniversitĂ€t Marsac liegt ertrunken und grausam gefesselt in der Badewanne. In ihrem Rachen steckt eine Taschenlampe, ohrenbetĂ€ubende Musik schallt durch die Nacht: die Kindertotenlieder von Gustav Mahler. Kommissar Martin Servaz wird von seiner Jugendliebe nach Marsac gerufen, da deren Sohn unter Mordverdacht steht. Der Kommissar kennt den Ort, er ist hier frĂŒher zur Schule gegangen, so wie seine Tochter jetzt. Servaz ist schnell von der Unschuld des Jungen ĂŒberzeugt, obwohl der im Garten des Opfers vorgefunden wurde und sich nicht erinnern kann, was er zur Tatzeit gemacht hat. Servaz hat dagegen von Anfang an einen einen beklemmenden Verdacht. Gustav Mahler ist der Lieblingskomponist des hochintelligenten und seit Monaten flĂŒchtigen Serienmörders Julian Hirtmann, mit dem er schon frĂŒher zu tun hatte. Hirtmann, ehemaliger Staatsanwalt, ist vor kurzem aus einer bestens gesicherten Anstalt fĂŒr Psychopathen entkommen. Die Ermittlungen fĂŒhren den Kommissar auf eine Reise in die eigene Vergangenheit. Als er tatsĂ€chlich eine Email von Hirtmann bekommt, weiß er, dass nicht nur sein Leben in Gefahr ist, sondern auch das seiner Tochter.

Bernard Minier: Kindertotenlied.
Droemer, 656 Seiten, 19.99 €.


„Knast oder KĂŒhlfach“
von Jutta Profijt

Dies ist nun der fĂŒnfte „KĂŒhlfach“-Krimi von Jutta Profijt, und wieder ist die Story witzig, spannend und die Lösung bis zum Schluss kaum zu erahnen. Und wie in den vorhergehenden FĂ€llen wird auch dieser von dem seltsamen Duo Dr. Martin GĂ€nsewein und seinem unsichtbaren Begleiter, dem Geist des ehemaligen Autoknackers Pascha gelöst. Martin allerdings trĂ€gt diesmal nur wenig zur AufklĂ€rung der Ereignisse bei, denn der werdende Vater ist vollauf beschĂ€ftigt mit Geburtsvorbereitungskursen, Kreißsaal-Besichtigungen, Baby-Ausstattungskatalogen und allem voran natĂŒrlich mit der Namenssuche. Dabei wĂ€re sein Engemenment durchaus angebracht – es ist sein Freund Gregor, der unter Mordverdacht steht. Der soll eine Journalistin umgebracht haben und schweigt zu den VorwĂŒrfen. So bleibt die Angelegenheit vor allem an Pascha hĂ€ngen, der auch gleich zu ermitteln beginnt und schnell auf eine heiße Spur stĂ¶ĂŸt. Die Ermordete hatte wegen einer Reihe von TodesfĂ€llen in einer Seniorenresidenz recherchiert, die in ihrer Gesamtheit reichlich mysteriös erscheinen. Doch bei dieser einen heißen Spur wird es nicht lange bleiben ...

Jutta Profijt: Knast oder KĂŒhlfach.
DTV, 336 Seiten, 9,95 €.


„KĂŒstenmorde“
von Nina Ohlandt

In einer stĂŒrmischen Herbstnacht wird auf der Nordseeinsel Amrum ein alter Mann ermordet aufgefunden. Er hĂ€ngt kopfĂŒber am sogenannten Quermarkenfeuer, einem kleinen Inselleuchtturm. Kurz darauf findet man auch seine brutal ermordete Frau – ihre Leiche wurde am Boden festgenagelt. Hauptkommissar John Benthien von der Kriminalpolizei Flensburg reist an, um mit den Ermittlungen zu beginnen. Er hatte in seiner Laufbahn schon mit einigen schweren FĂ€llen zu tun, doch dieser ist in seiner Grausamkeit mit keinem vergleichbar. Die Abgeschiedenheit der Insel und der undurchschaubare Fall kommen dem Komissar allerdings gerade recht, denn er muss sich von einer Trennung erholen, die gerade erst stattgefunden hat. Eine Weile lang gibt es nicht den geringsten Hinweis auf den TĂ€ter, doch dann stoßen Benthien und seine Mitarbeiter auf zwei weit zurĂŒckliegende Ereignisse die möglicherweise mit dem Verbrechen in Verbindung stehen.

Auch wenn Nina Ohlandt's Roman reichlich dramatisch beginnt, ĂŒberwiegt hier nicht die Schilderungen des Brutalen, sondern der gelungene Spannungsaufbau, der den Leser bis zum Schluss gefangen hĂ€lt.

Nina Ohlandt: KĂŒstenmorde.
Bastei-LĂŒbbe, 512 Seiten, 8,99 €.


„Mordseekrabben“
von Krischan Koch

Dorfpolizist Thies Detlefsen, der nach „Rote GrĂŒtze mit Schuss“ hier seinen zweiten Auftritt hat, macht Urlaub mit der Familie. Gemeinsam mit seiner Frau Heike und den beiden Zwillingstöchtern gehts nach Amrum, um endlich einmal richtig auszuspannen. Doch mit der beschaulichen Urlaubsidylle wird es diesmal nichts – gleich bei Ankunft in der Wellness-Pension entdecken die Zwillinge einen Toten in ihrem Zimmer. Der jedoch verschwindet bald darauf spurlos, um im Laufe der Geschichte an den verschiedensten Orten wieder aufzutauchen. SpĂ€testens als es einen weiteren Toten gibt, ist allen klar, dass Detlefsen ermitteln wird. Gemeinsam mit Kommissarin Nicole Stappenbek aus Kiel macht er sich auf die Suche nach den HintergrĂŒnden. Schnell stellt sich heraus, dass selbst auf dem kleinen, ruhigen Nordsee-Eiland allerlei dunkle Machenschaften walten. Es ist weniger die Frage nach dem TĂ€ter, die den Leser beschĂ€ftigt, in erster Linie amĂŒsiert er sich ĂŒber diverse schrĂ€ge Gestalten, die alle ihr eigenes SĂŒppchen kochen, darunter kauzige Insulaner, Baulöwen, ein Freizeitschamane und sogar ein kleiner Mafiosi, den es auf die Insel verschlagen hat. Und dann beginnen, sehr zum Leidwesen ihrer Eltern, auch noch die Zwillinge zu ermitteln. Witzig geschriebener Krimi mit viel trockenem nordischen Humor.

Krischan Koch: Mordseekrabben.
DTV, 272 Seiten, 7,00 €.


„Noah“
von Sebastian Fitzek

Sie nennen ihn Noah. Ob er wirklich so heißt, weiß niemand, auch nicht er selbst. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, haben ihm diesen Namen gegeben, weil der tĂ€towiert auf der Innenseite seiner HandflĂ€che steht. Noah hat keine Ahnung, wer er ist und wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Eines Morgens wachte er an einem stillgelegten U-Bahn-Gleis auf mit einer Schusswunde an der Schulter. UnterstĂŒtzt durch seinen Freund Oscar ist er schon seit einer ganzen Weile auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Eines Tages stĂ¶ĂŸt Noah in einer Ă€ltere Zeitung auf ein Bild, das ihm ungewöhnlich vertraut vorkommt. Der Maler des Bildes wird von der New York News gesucht, und auf den Betreffenden wartet eine hohe Belohnung. Noah meldet sich bei der Zeitung und obwohl die Aktion lĂ€ngst abgelaufen ist, ist Celine Henderson, die die Angelegenheit bearbeitet, von seiner Geschichte fasziniert. Noah scheint auf der Suche nach seiner IdentitĂ€t voranzukommen, doch offensichtlich will ihn jemand um jeden Preis davon abhalten, denn mehrmals kommt es zu Angriffen gegen ihn. Dass Noah mit seiner Suche nach sich selbst das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefĂ€hrdet, kann er nicht ahnen.

Sebastian Fitzek: Noah.
Bastei-LĂŒbbe, 560 Seiten, 19,90 €.


„OstseesĂŒhne“
von Eva AlmstÀdt

Dies ist der neunte Krimi in der erfolgreichen Reihe um die Kriminalkommissarin Pia Korittki. Diesmal wird die LĂŒbecker Ermittlerin wegen einer Leiche in einem Feuerlöschteich gerufen, und der Fall entpuppt sich schnell als reichlich verworren. Auf dem abgelegenen Röperhof an der Ostsee lebt die Familie Fuhrmann, die nicht gerade den Kontakt zur Nachbarschaft pflegt. Ihr regelmĂ€ĂŸiger Besucher ist Postbote Benjamin Bredow, der seine Tour mit dem Rad abklappert. Als Bredow eines Tages niemanden auf dem Hof antrifft, stĂ¶ĂŸt er auf die besagte Leiche, die sich bereits im Zustand fortgeschrittener Verwesung befindet. Von den Bewohnern des Hofes, Armin und Elsa Fuhrmann und ihrem geistig zurĂŒckgebliebenen Sohn Thilo fehlt jede Spur. Pia Korittki und ihr Kollege Heinz Broders beginnen mit der Befragung der Bewohner des nahegelegenen Dorfes und stoßen schon bald auf ein altes GerĂŒcht: auf dem Röperhof soll vor langer Zeit ein junges MĂ€dchen gefangen gehalten worden sein. Da der Fall nie untersucht wurde, weiß niemand, wer das MĂ€dchen gewesen sein könnte und was mit ihm geschah. Die Rechtsmedizin findet heraus, dass es sich bei dem Toten um den Lehrer Ulf Nielsen handelt, der Thilo Fuhrmann frĂŒher unterrichtet hatte und ihn schließlich zurĂŒckstufte. Doch kaum wird Rache als mögliches Motiv in Betracht gezogen, werden zwei junge MĂ€dchen ermordet aufgefunden. Als wenn der Fall nicht verwirrend genug wĂ€re, kommt es auch noch zu allerlei Turbulenzen im Leben der Kommissarin.

Eva AlmstĂ€dt: OstseesĂŒhne.
Bastei-LĂŒbbe, 368 Seiten, 8,99 €.


„Passagier 23“
von Sebastian Fitzek

FĂŒnf Jahre ist es her, als Polizei-Psychologe Martin Schwartz seine Frau Nadja und ihren gemeinsamen Sohn Timmy verloren hat. Niemand konnte ihm sagen, was genau geschehen war, doch auf einer Kreuzfahrt auf der „Sultan of the Seas“ soll Nadja sich selbst und Timmy durch einen Sprung ins Meer getötet haben. Schwartz war damals als verdeckter Ermittler an der AufklĂ€rung eines Verbrechens beteiligt. Seitdem ist er ein gebrochener Mann und ĂŒbernimmt mit Vorliebe FĂ€lle, die ihn das Leben kosten können. Er konnte nie glauben, dass seine Frau Selbstmord begangen hat, und als eine Ă€ltere Dame Kontakt zu ihm aufnimmt, um ihm Details zu dem Vorfall mitzuteilen, kehrt Schwartz auf das Kreuzfahrtschiff zurĂŒck. Die Rentnerin Gerlinde Dobkowitz, die dort Dauergast ist, berichtet ihm, dass vor kurzem ein MĂ€dchen aufgetaucht sei, das ebenfalls von Bord verschwunden war. Und dieses MĂ€dchen hatte den Teddy von Timmy bei sich. Schwartz erfĂ€hrt, dass es in der Vergangenheit eine ganze Reihe verschwundener Passagiere auf diesem Schiff gegeben hat; es wird immer unwahrscheinlicher, dass es sich hier ausschließlich im Selbstmorde handeln kann. Doch kaum beginnt Schwartz, Nachforschungen anzustellen, wird die Sache noch verwirrender.

Sebastian Fitzek: Passagier 23.
Droemer, 432 Seiten, 19,99 €.


„Rabenschwestern“
von Gabi Kreslehner

Die bekannte Fotografin Hanna Umlauf wird von ihrem Mann als vermisst gemeldet. Kurz nachdem Kommissarin Franza Oberwieser und ihr Team mit den Ermittlungen beginnen, findet man Gertrud Rabinsky, die beliebte Besitzerin des Töpferladens im Ort, brutal ermordet auf. Schon bald wird klar, dass die beiden FĂ€lle wahrscheinlich miteinander zusammenhĂ€ngen: Hanna und Gertrud waren Adoptivschwestern, und Hanna wird vom möglichen Opfer zur TatverdĂ€chtigen. Hanna war damals in Gertruds Familie aufgenommen worden, und so sehr sich die beiden MĂ€dchen anfĂ€nglich liebten, so sehr wurden sie in ihrer Jugend zu Rivalinnen. Hanna hatte sich lange Zeit zurĂŒckgezogen und jeden Kontakt mit der Familie vermieden. Doch in der gibt es noch mehr Verwicklungen, und es tauchen weitere Geheimnisse auf, ĂŒber die lange Zeit geschwiegen wurde. Nach und nach gerĂ€t fast jedes Familienmitglied in Verdacht, da es es viele mögliche Motive fĂŒr den Mord gibt. Der Fall nimmt immer neue Wendungen, und die Kommissarin ist reichlich gefordert. Nicht zuletzt auch, weil sie frisch verliebt ist in den jĂŒngeren Schauspieler Port.

Gabi Kreslehner: Rabenschwestern.
List, 416 Seiten, 9,99 €.


„Reiner Wein“
von Martin Walker

Bruno, der „Chef de Police“ in dem idyllischen StĂ€dtchen Saint-Denis im PĂ©rigord, hat sich privat ein bisschen was vorgenommen. Das Haus soll weiter ausgebaut werden, Solarzellen mĂŒssen aufs Dach, doch allem voran will er Zeit fĂŒr seinen neuen Begleiter aufbringen: Ein Basset namens Balzac, der noch nicht richtig erzogen ist. Es ist Feriensaison, und dass man wegen des ein oder anderen Einbruchs gerufen wird, muss man da schon einplanen. Nur in diesem Jahr scheint es eine regelrechte Serie zu geben – einige FerienhĂ€user wurden bereits aufgebrochen, WertgegenstĂ€nde gestohlen. Der nĂ€chste Einbruch trifft den ehemaligen Geheimdienstler Crimson, der all seinen Besitz schriftlich aufgelistet hatte. Doch dann ĂŒberschlagen sich die Ereignisse: Auch das Haus von Francis Fullerton wurde aufgebrochen, doch hier ging es nicht um einen einfachen Diebstahl – der AntiquitĂ€tenhĂ€ndler ist brutal ermordet worden. Bei ihm findet man eine Tausend-Franc-Note – eine, wie sie Bruno noch nie zuvor gesehen hat. Es handelt sich um eine Banknote aus der Vichy-Zeit, und im Haus werden noch sehr viel mehr davon entdeckt. Man geht davon aus, dass es sich um einen Teil der Beute handet, die aus einem spektakulĂ€ren ZugĂŒberfall französischer WiderstandskĂ€mpfer stammt – Geld, das heute kaum noch einen Wert hat. Dennoch wird von verschiedene Seite immer noch nach der Beute gesucht. Bruno wendet sich an eine befreundete Historikerin, um mehr ĂŒber die HintergrĂŒnde zu erfahren. Als deren Nachforschungen erste Ergebnisse zutage bringen, wird auch bei ihr eingebrochen.

Martin Walker: Reiner Wein.
Diogenes, 432 Seiten, 22,90 €.


„Roggen und Schwarzbrot –
Anbauen, mahlen, backen, genießen“
von Rita Kichlerm und Helmut Reiner

Vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Roggen das Hauptgetreide in Europa. Nach und nach wurde er vom Weizen verdrĂ€ngt, da dieser stĂ€rker ausgemahlen werden kann und vielfĂ€ltigere Backeigenschaften hat. WĂ€hrend Weizenmehl auf sehr verschiedene Weise verbacken wird, lĂ€sst sich Roggenmehl fast nur durch Sauerteig zu Brot verarbeiten. Momentan erlebt der Roggen eine kleine Renaissance, was zum Teil daran liegt, dass immer mehr Menschen unter einer Weizenallergie leiden. In Österreich hat sich ein funktionierendes Netzwerk von Anbauern, MĂŒllern und BĂ€ckern erhalten, die seit Generationen bewĂ€hrte Techniken nutzen und weitergeben und daran interessiert sind, die QualitĂ€t dieses Grundnahrungsmittels zu bewahren. Dieses Buch rund um den Roggen beschreibt die Entwicklung der Kulturpflanze von der Steinzeit bis heute. Es befasst sich mit den verschiedenen Sorten, dem Anbau, der Pflanze selbst und deren Verarbeitung. Ein Schwerpunkt sind die landwirtschaftlich und kulturellen Aspekte des Roggenanbaus in Österreich. Dort finden traditionelle Backverfahren immer mehr Verbreitung, uralte Steinbacköfen werden wieder in Betrieb genommen, auch Roggenbier wird im Alpenland gebraut und sogar Whisky destilliert. Und natĂŒrlich enthĂ€lt der gelungene Bildband auch einen Rezeptteil, nicht nur mit Brotrezepten.

Rita Kichlerm / Helmut Reiner: Roggen und Schwarzbrot –
Anbauen, mahlen, backen, genießen.
Verlag Anton Pustet, 192 Seiten, 25,00 €.


„Sieben letzte Worte“
von Franz Zeller

Der sechste Fall fĂŒr Bruno, „Chef de Police“

Nach „Herzlos“ und „Blutsbande“ ist dies der dritte Krimi um das Ermittlertrio Moll, Oberhollenzer und Pelegrini. Auf den Salzburger Festspielen soll die umstrittene Inszenierung des Haydn-Oratoriums „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ aufgefĂŒhrt werden. Als kurz vor dem Beginn der Festspiele blutrotes Wasser die PetersmĂŒhle hinabfließt, hĂ€lt man dies fĂŒr eine ungewöhnliche Werbeaktion fĂŒr die AuffĂŒhrung. Doch kurz darauf wird eine im MĂŒhlrad rotierende Leiche gefunden – es handelt sich um die junge Mira Krainer, die die Hauptrolle in dem StĂŒck spielen sollte. Die gutaussehende Mira schien ĂŒberall beliebt zu sein, war umgĂ€nglich und sozial engagiert. Doch schon bald entdecken die Ermittler die Schattenseiten in Miras Leben. Nacktbilder tauchen auf, auf denen sie mit dem Rockstar Jim Loft zu sehen ist. Auch mit dem Regisseur des StĂŒcks hatte sie eine Beziehung, zumindest ließ sich sich auf seine speziellen Obsessionen ein. Der Kreis der TatverdĂ€chtigen wird immer grĂ¶ĂŸer, einer von ihnen verschwindet spurlos. Was es wirklich mit dem Mord an der jungen Dartstellerin auif sich hat, bleibt bis zum Schluss rĂ€tselhaft.

Franz Zeller: Sieben letzte Worte.
Knaur, 288 Seiten, 8,99 €.


„Siebenschön“
von Judith Winter

Christina Höffgen in Frankfurt bekommt einen mysteriösen Brief mit einer unverstĂ€ndlichen Botschaft zugestellt. Allerdings enthĂ€lt der Brief eine Adresse – Fordstraße 237 – und die Aufforderung, sich zu beeilen. Es soll um eine Jennifer gehen. Christina bittet ihren Mann, gemeinsam mit ihr zu der angegebenen Adresse zu fahren, weil ihr die Sache keine Ruhe lĂ€sst. Doch was das Ehepaar dann entdeckt, ist weitaus erschreckender als alles, was es erwartet hatte – es stĂ¶ĂŸt auf die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau, die auch noch mit eigenartigen Beigaben versehen wurde: einer toten Katze und einigen Pflanzenteilen. Die beiden Kommissarinnen Emilia Capelli und Mai Zhou von der Zentralen Kriminaldirektion Frankfurt am Main werden gemeinsam auf den Fall angesetzt. Capelli und Zhou mĂŒssen zum erstenmal zusammenarbeiten und kommen anfangs gar nicht miteinander klar. Doch es bleibt ihnen nichts anderes ĂŒbrig als sich aufeinander abzustimmen – anders werden sie kaum eine Chance haben, mit ihren Ermittlungen weiterzukommen. Nach und nach tauchen weitere grausam inszenierte Leichen auf, alle Opfer hatten eine Verbindung zu Psychiater Sander Westen, der natĂŒrlich in Verdacht gerĂ€t, der TĂ€ter zu sein. Doch lange lĂ€sst sich diese Theorie nicht halten, und der Mörder hat sein Gesamtwerk offensichtlich noch nicht vollendet.

Judith Winter: Siebenschön.
DTV, 432 Seiten, 9,95 €.


„So finster, so kalt“
von Diana Menschig

Die erfolgreiche Hamburger RechtsanwĂ€ltin Merle HĂ€nssler leidet seit Tagen unter AlptrĂ€umen, in denen sie von einem Wolf verfolgt wird. Wahrscheinlich ist sie nur ĂŒberarbeitet, vielleicht hat dies auch mit ihrem Freund zu tun. Bald darauf erfĂ€hrt sie, dass ihre Oma Mago mit 90 Jahren vertorben ist. In derem kleinen, einsam gelegenen HĂ€uschen im Schwarzwald hatte Merle einen einen großen Teil ihrer Kindheit verbracht. Nun reist sie in ihre ehemalige Heimat, um sich um die Beerdigung und den Nachlass zu kĂŒmmern. Sie erinnert sich an viele schöne Stunden von frĂŒher und kann auch endlich wieder in Ruhe durchschlafen. Doch dann stĂ¶ĂŸt sie in den Unterlagen der Großmutter auf ein uraltes Dokument, das von einem Johannes stammt, der Ende des 16. Jahrhunderts im Haus lebte und anscheinend besessen war. Merle versteht nicht alles, doch da es sich bei Johannes offenbar um einen ihrer Vorfahren handelt, bittet sie den Freiburger Germanisten Jakob Wolf um Hilfe. Im Dorf verschwinden derweil Kinder auf mysteriöse Weise und auch im HĂ€uschen der Oma, die eine begnadeten LebkuchenbĂ€ckerin war, kommt es zu undurchschaubaren Ereignissen. Merle ist sich bald nicht mehr sicher, was wirklich geschieht und was sie sich vielleicht nur einbildet.

Diana Menschig: So finster, so kalt.
Knaur. 384 Seiten, 8,99 €.


„Tödlicher Steilhang“
von Paul Grote

Mit 40 Jahren steht Georg Hellberger mitten im grĂ¶ĂŸten Umbruch seines Lebens. Getrennt von Frau und Kindern, seinen Job an den Nagel gehĂ€ngt, sucht er RĂŒckzug und Inspiration auf einem Weingut. Er wechselt von Hannover an die Mosel, lĂ€sst seinen GeschĂ€ftsfĂŒhrer-Posten in einer Sicherheitsfirma hinter sich und begibt sich in ein Praktikum beim Winzer Stefan Sauter. Ein ganzes Sabbatjahr will Hellberger einlegen, um sich darĂŒber klar zu werden, was schief gelaufen ist und wie es weitergehen soll. In der lĂ€ndlichen Idylle wartet jedoch mehr Aufregung auf ihn als er sich das hĂ€tte trĂ€umen lassen. Sein Gastgeber muss kurzfristig andere Aufgaben wahrnehmen und als gelernter Betriebswirt soll Hellberger zusammen mit Sauters Assistentin das BĂŒro ĂŒbernehmen. Ganz aus mit der Ruhe ist es, als kurz nacheinander zwei Winzer zu Tode kommen. Auch wenn alles zunĂ€chst nach zwei voneinander unabhĂ€ngigen UnfĂ€llen aussieht, gerĂ€t Hellbergers Gastgeber unter Verdacht. Als Sicherheitsfachmann lĂ€sst ihm die Sache keine Ruhe – Hellberger beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Wieso sollte ein Winzer von einem Berg stĂŒrzen, der ihm seit Jahrzehnten vertraut ist? Und kann es Zufall sein, dass ausgerechnet der Vorsitzende der BĂŒrgerinitiative gegen den Bau des Hochmosel-Übergangs als zweiter zu Tode kommt?

Paul Grote: Tödlicher Steilhang.
DTV, 416 Seiten, 9,95 €.


„Tödliches Schweigen“
von Tove Alsterdal

Thore Palo, Polizist im Ruhestand, wird gebeten, auf einem abgelegenen Hof im nordschwedischen Torne-Tal nach dem Rechten zu sehen. Lars-Erkki Svanberg wird von seinen Nachbarn vermisst, die ihn seit Tagen nicht gesehen haben. Svanberg war einst als bester SkilanglĂ€ufer des Nordens bekannt und lebte schon lange zurĂŒckgezogen auf seinem Hof. In eisiger KĂ€lte macht sich Thore auf und findet den kauzigen EinzelgĂ€nger brutal ermordet vor, erschlagen mit einer Axt. Da die Polizei keine Anhaltspunkte zum TĂ€ter findet, beginnt Thore mit eigenen Nachforschungen, schließlich kennt er die Gegend und ihre Bewohner aus seiner frĂŒheren Dienstzeit. Das Vermögen des ehemaligen Sportlers könnte ein Motiv sein ... Zur gleichen Zeit kommt die Journalistin Katrine Hedstrand aus London ins Torne-Tal angereist, um ihre Mutter zu besuchen. Katrine muss feststellen, dass ihre Mutter an fortgeschrittener Demenz erkrankt ist, doch noch mehr ĂŒberrascht sie etwas ganz anderes: in den Unterlagen stĂ¶ĂŸt sie auf ein Kaufangebot eines Maklers, dessen Höhe den Wert des Hauses um ein Vielfaches ĂŒbersteigt. Der Interessent selbst möchte annonym bleiben. Die Mutter muss noch ein GrundstĂŒck in ihrem Heimatdorf nahe der Grenze zu Finnland besessen haben. Katrine beschließt, der Sache nachzugehen und stĂ¶ĂŸt schon bald auf Ereignisse aus dem Leben ihres Großvater, von denen man ihr nie etwas erzĂ€hlt hatte. Der hatte ihre schwangere Großmutter seinerzeit verlassen und war als ĂŒberzeugter Kommunist in die Sowjetunion auswandert. Anschließend hatte nie wieder jemand von ihm gehört. Katrine reist bis nach St. Petersburg, um Licht in die Familiengeschichte zu bringen. WĂ€hrendessen ereignet sich im Dorf ein weiterer Mord.

Tove Alsterdal: Tödliches Schweigen
LĂŒbbe, 464 Seiten, 14,99 €.


„Totensonntag“
von Andreas Föhr

Im fĂŒnften Band um Kommissar Clemens Wallner und Polizeiobermeister Leo Kreuthner bereitet letzterer alles fĂŒr das jĂ€hrliche ‚Austrinken‘ vor, einem BesĂ€ufnis, das zum Saisonende in einer BerghĂŒtte am Tegernsee stattfindet. Kreuthner hat auch Wallner, der gerade zum Hauptkommissar befördert wurde, und die StaatsanwĂ€ltin Claudia Lukas dazu eingeladen. Als Kreuthner ausgerechnet an dem Abends ĂŒberraschend fĂŒr einen erkrankten Kollegen einspringen muss, hat er einen bösen Verdacht, der sich durch einen kurzen Anruf auf der HĂŒtte auch sofort bestĂ€tigt: der betreffende Kollege ist bereits krĂ€ftig am mitfeiern. Kreuthner, der die Dienstvorschriften nicht immer ganz buchstabengetreu auslegt, begibt sich umgehend auf den Weg zur BerghĂŒtte und nimmt sogar noch jemanden mit: den inhaftierten Nissl, den er schließlich nicht allein auf dem Revier lassen kann. Kaum bei den Feiernden angekommen, geraten Wallner und Kreuthner in eine Geiselnahme, die sie schließlich mit einer alten Geschichte konfrontiert, die sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs abspielte. Ein Kriegsverbrechen im Mai 1945 scheint mit mit einer mysteriösen Leiche zusammenzuhĂ€ngen, die 1992 in einem Glassarg in der Kapelle St. Veit gefunden wurde.

Andreas Föhr: Totensonntag.
Knaur, 400 Seiten, 14,99 €.


„Und nachts die Angst“
von Carla Norton

Die inzwischen 22-jĂ€hrige Reeve LeClaire wurde mit zwölf Jahren entfĂŒhrt und fĂŒr lange Zeit von einem TriebtĂ€ter gefangen gehalten und missbraucht. Erst nach Jahren konnte sie fliehen und ihr Peiniger gefasst werden. Mit Hilfe einer Langzeittherapie hat sie ihre traumatischen Erfahrungen bearbeitet und es geht ihr inzwischen besser. Dennoch hat die damalige Zeit tiefe Spuren in ihrer Seele hinterlassen. Reeve ist nie eine feste Bindung eingegangen, fĂŒrchtet sich vor Menschenmengen, engen RĂ€umen und lauten GerĂ€uschen. Einmal in der Woche hat sie noch einen Termin bei ihrem Psychologen Dr. Ezra Lerner. Als Dr. Lerner mit einem weiteren EntfĂŒhrungsopfer zu tun hat, bittet er Reeve, zu einem Treffen mit der kleinen Tilly und ihren Eltern mitzukommen. Tilly ist eines von drei MĂ€dchen, die vor Jahren entfĂŒhrt wurden, und nur sie konnte sich durch einen Zufall befreien. Reeve freundet sich mit der schwer verstörten Tilly an und erfĂ€hrt von ihr ein Geheimnis, das sie dazu bewegt, selbst nach dem EntfĂŒhrer zu suchen. Dass der TĂ€ter lĂ€ngst jeden ihrer Schritte beobachtet, kann sie nicht ahnen. Die ohnehin schon gut aufgebaute Story wird besonders spannend dadurch, dass die ErzĂ€hlperspektive stĂ€ndig zwischen der Sicht des Opfers und der des TĂ€ters wechselt.

Carla Norton: Und nachts die Angst.
Knaur, 400 Seiten, 8,99 €.


„Unschuldslamm“
von Judith Arendt

Ruth HollĂ€nder ist Ende 40 und mit ihrer Lebenssituation weitgehend zufrieden. Die Scheidung hat sie hinter sich, ihr Sohn ist aus dem Haus und die 16-jĂ€hrige Tochter ist mit dem schlimmsten Teil der PubertĂ€t durch. Vor einigen Jahren hatte sich Ruth einen Traum erfĂŒllt und ihr eigenes Bistro, das „La Paysanne“, eröffnet. Dort arbeitet sie mit einer guten Freundin zusammen und hat auch gut zu tun. Deshalb passt es ihr gar nicht, dass sie eines Tages einen Bescheid vom Berliner Landgericht erhĂ€lt: Sie wird zur Schöffin berufen. Und gleich in der ersten Verhandlung muss sie in einem Mordfall beisitzen. Die 16-jĂ€hrige Kurdin Derya wurde ermordet von ihrem Bruder Aras aufgefunden. Obwohl der ĂŒber ihren Tod zutiefst verstört ist, hĂ€lt man ihn fĂŒr den Mörder. Man geht von einem Ehrenmord aus, da Derya im Gegensatz zu ihrer Familie einen stark westlichen Lebensstil pflegte und ihr Vater ihr vor kurzem mitgeteilt hat, dass er sie verheiraten wolle. Ruth ist sofort von dem Fall gefangen genommen. Das ermordete MĂ€dchen war auf der gleiche Schule wie ihre Tochter und auch im gleichen Alter. Und Ruth zweifelt an der Schuld des Angeklagten. Sie beginnt, auf eigene Faust im Umfeld der kurdischen Familie zu ermitteln und schon bald muss sie feststellen, dass sie im gefĂ€hrlichsten Abenteuer ihres Lebens gelandet ist.

Judith Arendt: Unschuldslamm.
Ullstein, 320 Seiten, 9,99 €.


„Vegane Superfoods“
von Surdham Göb

Surdham Göb hat 26 Jahre Koch-Erfahrung und war unter anderem in veganen Restaurants in San Francisco, New York und Hawaii tĂ€tig. Heute hĂ€lt er VortrĂ€ge ĂŒber vegane ErnĂ€hrung und gibt Kochkurse in MĂŒnchen. Sein erstes Buch „Meine vegane KĂŒche“ hatte er den Grundlagen veganer ErnĂ€hrung gewidmet, in „Vegane Superfoods“ befasst er sich nun speziell mit denjenigen pflanzlichen Nahrungsmitteln, die ĂŒber einen besonders hohen und konzentrierten Anteil an wertvollen NĂ€hrstoffen verfĂŒgen. Dazu gehören zum Beispiel Rohkakao, Lucuma, Maca, Gojibeeren, Carob, rote Bete und Papaya. 70 Ă€sthetisch bebilderte Rezepte bieten eine FĂŒlle von Anregungen fĂŒr FrĂŒhstĂŒck, Zwischenmalzeit und Hauptgerichte, fĂŒr Suppen, Drinks, Snacks fĂŒr unterwegs und Nachspeisen. Ob Papaya-Salat mit Bananenschaum, FrĂŒhlingsrollen mit Erdnus-Sauce, Thai-Curry mit Jasminreis und Tofu oder Mango-Kokos-Kuchen – alle Rezepte sind relativ einfach nachzukochen, die Zutaten problemlos erhĂ€ltlich.

Surdham Göb: Vegane Superfoods.
AT-Verlag, 192 Seiten, 19,90 €.


„Wenn der Mond stirbt“
von Richard Crompton

In Nairobi wird eine Frau grausam ermordet aufgefunden, ihre Leiche treibt in einem Abwasserkanal. Die AufklĂ€rung einer solchen Tat wird in der kenianischen Hauptstadt ohnehin als zweitrangig angesehen, doch nun stehen auch noch PrĂ€sidentschaftswahlen an und man bereitet sich auf Unruhen vor. Die junge Frau war eine Massai, und so liegt es nahe, Sergeant Mollel in den Dienst zurĂŒckzurufen, der ebenfalls aus diesem Stamm kommt. Mollel hatte seinen Dienst vor einer Weile quittieren mĂŒssen, seitdem fristet er sein Dasein als Verkehrspolizist. Doch mit Herz und Seele ist er immer noch Ermittler, auch wenn er sich gelegentlich ĂŒber manche Vorschrift hinwegsetzt. Er findet heraus, dass Lucy, die Ermordete, als Prostituierte gearbeitet hat. Und obwohl Beschneidungen in Kenia inzwischen verboten sind, waren ihre Genitalien schwer verstĂŒmmelt. Ob von ihrem Mörder oder schon vorher, kann zunĂ€chst nicht geklĂ€rt werden. Je weiter Mollel recherchiert, auf desto mehr mögliche Tatmotive stĂ¶ĂŸt er. Fast jeder, dem er nachspĂŒrt, hat etwas zu verbergen, Gewalt und Korruption sind in dem afrikanischen Staat an der Tagesordnung. Neben der spannenden Story erhĂ€lt der Leser EindrĂŒcke ĂŒber das Leben in Kenia, er erfĂ€hrt von den Spannungen zwischen den Angehörigen verschiedener StĂ€mme und dem politischen Chaos im Land.

Richard Crompton: Wenn der Mond stirbt.
DRV, 384 Seiten, 14,90 €.


„Wie im Wald“
von Elisabeth Klar

Dies ist der erste Roman von Elisabeth Klar, einer jungen Wiener Autorin, die fĂŒr ihre ErzĂ€hlungen bereits mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet wurde. „Wie im Wald“ ist eine fesselnd geschriebene Geschichte um eine Familie, die ein dunkles Geheimnis birgt. In einem Haus am Waldrand lebt Karin mit ihrem Freund Alexander. Karin ist hier aufgewachsen, damals lebten hier noch ihre Eltern August und Inge, ihre Geschwister Margarethe und Peter und ihre Pflegeschwester Lisa. Zu Lisa hatte sie immer eine besondere Verbindung, oft sind die beiden MĂ€dchen zusammen in den Wald gegangen, sind Hand in Hand zum Grund des Sees getaucht und haben sich in engen Wurzelhöhlen versteckt. Doch eines Tages kam es zum Bruch – nach dem Tod von August wurde das Pflegekind verstoßen. Als Karin Lisa Jahre spĂ€ter zurĂŒck in das Haus holt, hofft sie, an alte Zeiten anknĂŒpfen zu können. Stattdessen verstricken sich die beiden in ein verstörendes Spiel zwischen Anziehung und Abstoßung, das den Leser bis zum Schluss in seinen Bann schlĂ€gt. Immer wieder scheint sich der Schleier des Geheimnisses zu lĂŒften, was sich jedesmal als falsche FĂ€hrte erweist.

Elisabeth Klar: Wie im Wald.
Residenz, 272 Seiten, 22,90 €.


„Wildes Brot“
von Katharina Bondenstein

Stockbrot kennt wohl jeder, der schon mal eine Feier mit Lagerfeuer fĂŒr Kinder organisiert hat. Dass es darĂŒber hinaus unzĂ€hlige weitere Möglichkeiten der Brotzubereitung im Freien gibt, ist kaum bekannt. Katharina Bodenstein's Brotbackbuch befasst sich ausschließlich mit diesem Thema, dem Backen in der Natur, am Grill, am Lagerfeuer. Sie stellt fĂŒnf Grundteige vor, die sich vielfĂ€ltig variieren lassen, zum Beispiel mit KrĂ€utern, NĂŒssen, Oliven oder KĂ€se. Die mehr als 120 Rezepte benötigen jeweils nur wenige Zutaten und gelingen selbst denen, die in der Kunst des Backens ungeĂŒbt sind. Ob hauchdĂŒnne Fladen, Brötchen oder knusprige Brote – nur mit Mehl, Hefe, Salz und Wasser lĂ€sst sich eine erstaunliche FĂŒlle an Backwerk herstellen. Besonders spannend wird es, wenn es um die Möglichkeiten geht, die sich uns im Freien dazu bieten. Wende-Pizza, Pfannenbrot und Focaccia gelingen in der Glut des Lagerfeuers, auf dem Grill oder in einem selbstgebauten Lehmofen, auf einem Gitterdraht, im Topf und selbst auf einem Spaten als Backblech-Ersatz. So wird das gemeinsame Backen am Feuer zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Katharina Bodenstein: Wildes Brot.
AT-Verlag, 160 Seiten, 19,90 €.

GeÀndert:  07 / 2020