„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2012



(Abb.: N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„Dame, König, As, Spion“
von John le Carré

John le Carré gehört weltweit zu den bekanntesten Autoren von Agententhrillern. Romane wie „Der Spion, der aus der Kälte kam“ begründen seinen Ruhm seit den 60ern. Die Neuverfilmung von „Dame, König, As, Spion“ mit Gary Oldman in der Hauptrolle läuft seit kurzem in den Kinos und wird schon jetzt als Kandidat für den „Oscar“ angesehen. Le Carré, der selbst als Geheimagent beim britischen „MI6“ tätig war, thematisiert in seinen Romanen die Spannungen während der Zeit des Ost-West-Konfliktes. In „Dame, König, As, Spion“ geht es darum, unter den Top-Agenten des britischen Geheimdienstes einen Maulwurf – einen Agenten des „KGB“ – zu enttarnen. Die Hauptperson, Agent George Smiley, wird aus dem Ruhestand zurückberufen, da jeder der aktiven Agenten für die Gegenseite arbeiten könnte. Le Carré's Romane leben nicht von einer dramatischen Aktion, sondern von einer gut recherchierten, komplizierten Geschichte, die den Leser gerade wegen der nüchternen Erzählweise sofort in ihren Bann zieht.

John le Carré: Dame, König, As, Spion.
List, 416 Seiten, 9,99 €.


„Das Alphabethaus“
von Jussi Adler-Olsen

In Deutschland ist Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen durch drei Krimis bekannt geworden. Vor dem Erscheinen des vierten Bandes um Kommissar Carl Mørck, das für August vorgesehen ist, wurde jetzt sein erster Roman „Das Alphabethaus“ auch hierzulande veröffentlicht. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs überleben zwei britische Piloten den Absturz ihrer Maschine über Süddeutschland. James Teadale und Bryan Young, die seit ihrer Kindheit miteinander befreundet sind, entschließen sich, ihre Identität geheim zu halten und sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Als sie auf einen Zug aufsteigen, der in Richtung Westen fährt, können sie nicht ahnen, dass es sich um einen Sonderzug handelt, der psychisch kranke SS-Leute nach Freiburg bringt, in ein Sanatorium für Geisteskranke. James und Brian, die sich krank stellen, gelangen in eben dieses Sanatorium, das Alphabethaus, und erleben dort die unvorstellbaren Schrecken einer Psychiatrie, für die Elektroschocks und Medikamenten-Test an Kranken zur Tagesordnung gehören. 30 Jahre später kehrt Brian auf der Suche nach seinem Freund an den Ort des Grauens zurück. Dabei muss er feststellen, dass die Vergangenheit immer noch existiert, wenn auch nicht so, wie er sich das je hatte vorstellen können.


Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus.
DTV, 592 Seiten, 15,90 €.


„Das Ritual der Rache“
von Andrea Camilleri

Commissario Montalbano's neuester Fall beginnt mit dem Fund einer grausam zugerichteten Leiche, die keine Identifizierung erlaubt. Fingerkuppen und Zähne fehlen, ein Einschuss in den Nacken lässt sich feststellen und deutet auf die Bestrafung eines Verrats in Mafia-Kreisen. Dass der Ermordete in 30 Teile zerstückelt wurde, erinnert Montalbano an eine Geschichte aus der Bibel, an den Verrat des Judas. Handelt es sich um die Tat eines bibelkundigen Mafioso oder geht die Fantasie mit dem Commissario durch? Dass er sich gerade in einer Art Persönlichkeitskrise befindet, macht seinen Kopf nicht klarer. Auch sein Vize Augello ist ihm – wieder einmal – keine große Hilfe. Der hat durchgehend schlechte Laune und verhält sich überhaupt merkwürdig. Eine Zahnbrücke, die im Magen des Toten gefunden wird, weist endlich auf eine mögliche erste Spur. Und dann meldet sich Kolumbianerin Dolores Alfano auf dem Revier und meldet ihren Mann als vermisst. Doch die nahe liegenden Schlüsse sind wieder einmal nicht die richtigen ...

Andrea Camilleri: Das Ritual der Rache.
Bastei-Lübbe, 288 Seiten, 19,99 €.


„Das Titanic-Attentat“
von Gerhard Wisnewski

Die wahren Hintergründe der Schiffskatastrophe

Bestseller-Autor Gerhard Wisnewski, der vornehmlich über Verschwörungen und Undercover-Aktionen recherchiert, hat diesmal den Untergang der „Titanic“ unter die Lupe genommen. Vor 100 Jahren, am 15. April 1912, sank im Nordatlantik auf der Überfahrt nach New York der Luxus-Liner – angeblich nach dem Zusammenprall mit einem Eisberg. Seit 100 Jahren wird der Tod von 1.500 Menschen als Verkettung unglücklicher Umstände dargestellt. Wie unwahrscheinlich all diese Umstände tatsächlich waren, ist heute kaum jemandem bekannt. Wisnewski hat die „Titanic“-Literatur ausführlich studiert und stellt die gröbsten Ungereimtheiten in einen Zusammenhang. Wirklich aufklären kann auch er diesen Fall nicht, und so mag der Titel seines neuen Buches ein bisschen hoch gegriffen sein. Die Indizienlage ist dennoch erdrückend: fast alle Zeugenaussagen widersprechen der Version der Mannschaft über die Ereignisse, Warnmeldungen vor Eisbergen wurden ignoriert und das Schiff stattdessen in voller Fahrt in ein Eisfeld gesteuert. Obwohl es Standardverfahren im Falle von Leck geschlagenen Schiffen gibt, wurden diese nicht angewandt, ein Schiff der gleichen Reederei, das sich ganz in der Nähe befand, unternahm nichts zur Rettung der Passagiere. Es besteht der begründete Verdacht, dass nicht die „Titanic“, sondern ihr kurz zuvor schwer beschädigtes Schwesterschiff an ihrer Stelle versank, um die Versicherungssumme zu kassieren. Wisnewski ist nicht nur eine spannende Reportage gelungen, er zeigt auch, wie die Ereignisse um die „Titanic“ untrennbar mit der damaligen wirtschaftlichen und politischen Lage zusammenhängen.

Gerhard Wisnewski: Das Titanic-Attentat.
Knaur, 432 Seiten, 12,99 €.


„Das zerbrochene Fenster“
von Zoë Beck

Zwei Handlungen, die sich zu verschiedenen Zeiten abspielen, überschneiden sich in Zoë Beck's neuem Roman. Die erste beginnt Ende 2003 mit einer zerbrochenen Scheibe und ist in einem Tagebuch verzeichnet. Der andere spielt sich sieben Jahre später ab: Während eines Schneesturms kämpft sich Cedric Darney zum schottischen Landsitz seines kürzlich verstorbenen Vaters durch, da er einen beunruhigenden Anruf erhalten hatte. Dort entdeckt er die Leiche seiner Stiefmutter Lillian, die offenbar brutal ermordet wurde. Wenig später meldet sich bei der Polizei eine Frau namens Philippa Murray, die behauptet, ihr Freund Sean habe die Tat angekündigt. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass Sean Butler seit sieben Jahren verschwunden ist und auch Philippa ist plötzlich nicht mehr auffindbar. Es gibt von ihr genau sowenig eine Spur wie damals beim Verschwinden ihres Freundes ...

Zoë Beck: Das zerbrochene Fenster.
Bastei Lübbe, 368 Seiten, 8,99 €.


„Der Pirat und der Apotheker –
Eine lehrreiche Geschichte“
von Robert Louis Stevenson

Trotz seines frühen Todes – er starb mit 44 Jahren an Tuberkulose – wurde Robert Louis Stevenson weltberühmt und hinterließ ein umfangreiches Werk von historischen Romanen, Reiseerzählungen und Abenteuerliteratur. Viele seiner Romane wurden verfilmt, seine bekanntesten Werke sind die „Schatzinsel“ und „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Die Einwohner von Samoa, wo Stevenson die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, nannten ihn ‚Tusilata‘, den Geschichtenerzähler. Doch immer noch sind viele Arbeiten Stevenson's hierzulande völlig unbekannt. Der Berliner Comic-Künstler Henning Wagenbreth hat eine der Balladen des Schriftstellers erstmalig ins Deutsche übersetzt und großzügig illustriert.

„Der Pirat und der Apotheker“ ist die Ballade von zwei bösen Buben, den Freunden Robin und Ben. Robin ist ein Rabauke und dreister Räuber, der sich gern prügelt. Ben ist feige und berechnend, er betrügt und stiehlt heimlich. Robin wird Pirat, er kämpft auf allen Weltmeeren, säuft, feiert, kapert Schiffe und erobert Frauen. Als Verbrecher ist er gefürchtet und geachtet zugleich. Ben wird Apotheker, lebt bequem, wählt seine Gattin mit Kalkül, betrügt wo er kann und kommt auf hinterhältige Weise zu Reichtum. Nach vielen Jahren treffen sich die alten Gefährten wieder und vergleichen die Ausbeute ihres Lebens. Als Robin das feige, ehrlose Treiben seines Freundes gewahr wird, kommt es zum gewaltigen Showdown! Das Buch wurde von der Hotlist-Jury zu den zehn besten Büchern unabhängiger Verlage des Jahres gewählt.

Robert Louis Stevenson: Der Pirat und der Apotheker –
Eine lehrreiche Geschichte.
Verlag Hammer, 48 Seiten, 26,00 €.


„Delikatessen“
von Martin Walker

Der vierte Fall für Bruno, Chef de Police

Auch im vierten Fall, den Bruno zu lösen hat, spielen die Geschichte und die kulinarischen Spezialitäten des Périgord eine zentrale Rolle. Diesmal betrifft dies die umstrittene Gänsestopfleber, „Foie gras“, gegen deren Herstellung Tierschützer schon lange protestieren. Auch unter den Teilnehmern einer bedeutenden Ausgrabung, die nach einer Mischung zwischen einem Neandertaler und einem Cro-Magnon-Menschen sucht, befinden sich einige militante Tierschützer. Neben ihrer Forschungstätigkeit nutzen sie die Gelegenheit, bei zwei Bauern in der Umgebung kleine Anschläge zu verüben. Obwohl seine Vorgesetzten ein härteres Vorgehen erwarten, gelingt es Bruno, diese Angelegenheit unspektakulär zu lösen und eine Einigung unter den Betroffenen zu bewirken. Anders verhält es sich mit dem eigentlichen Fall, mit dem er beauftragt ist: Während der Ausgrabungen wurde das internationale Team in unerwarteter Weise fündig. Neben 30.000 Jahre alten Knochen entdeckte man auch die einer Leiche etwas jüngeren Datums. Die Identität eines vor etwa 20 Jahren ermordeten Mannes zu klären, wird Bruno mehr fordern als er zunächst erwartet. Im Laufe der Ermittlungen gerät er in die Kreise der großen Politik und auf Spuren, die zu den spanischen und französischen Geheimdiensten führen, zur baskischen „ETA“ und zur deutschen „RAF“.

Martin Walker: Delikatessen.
Diogenes, 403 Seiten, 22,90 €.


„Den Vater töten“
von Amélie Nothomb

Zwei Männer, die die gleiche Leidenschaft teilen, treffen aufeinander, und es entwickelt sich eine Geschichte aus Hoffnung, Verrat und Betrug. Der eine ist der junge Joe Whip, der zu Beginn der Handlung noch bei seiner Mutter lebt und seinen Vater nie kennengelernt hat. Joe ist fasziniert von allen Arten von Zaubertricks, von denen er inzwischen viele schon selbst beherrscht. Als seine Mutter einen neuen Mann kennenlernt, bittet sie ihn, das Haus zu verlassen. Da Joe monatlich 1.000 Dollar von ihr erhält, gibt er die Schule auf und treibt sich nachts in Bars herum. Dort verdient er zusätzlich einiges Geld durch seine Kartentricks. Eines Tages wird Joes Talent von einem Gast entdeckt, der bald darauf ein Treffen mit dem bekannten Magier Norman Terrence arrangiert. Auch Norman ist von Joes Fähigkeiten beeindruckt, zwischen beiden Männer entwickelt sich eine Art Vater-Sohn-Beziehung, und Norman hofft, endlich denjenigen gefunden zu haben, an den er sein Wissen weitergeben kann. Doch im Gegensatz zu Norman, der seine Tätigkeit als Kunst betrachtet, geht es Joe darum, möglichst viel Profit aus seinen Kenntnissen zu ziehen. Der eigentliche Grund, aus dem er bei Norman bleibt, ist ein ganz anderer: Joe hat sich in Norman's Partnerin, die Feuerakrobatin Christina, verliebt. Zwei Jahre muss er warten, bis er Christina mit einem Trick verführen kann und dabei alles aufs Spiel setzt.

Amélie Nothomb: Den Vater töten.
Diogenes, 128 Seiten, 18,90 €.


„Der Heiler“
von Antti Tuomainen

In Tuomainen's Roman ist wahr geworden, wovor Klimapropheten seit langem warnen: die globale Klimakatastrophe hat Chaos für die ganze Welt gebracht, viele Gegenden sind zu Krisengebieten oder ganz unbewohnbar geworden. Flüchtlinge aus Afrika und Europa wandern nordwärts und für viele von Ihnen ist Finnland ist zum Eldorado geworden. Wer es sich in Finnland leisten kann, hat sich längst nach Norwegen oder Lappland abgesetzt, während die Ordnung in Helsinki unter dem Ansturm von Flüchtlingen zusammenbricht. Die Polizei kann ihren Aufgaben kaum nachkommen. Schon gar nicht kann sie Tapani Lehtinen dabei unterstützen, seine Frau Johanna aufzuspüren. Johanna ist seit 24 Stunden ohne Lebenszeichen verschwunden. Als Journalistin arbeitete sie zuletzt an einer Story über einen Massenmörder, der in Helsinki sein Unwesen treibt. Der hat sich vorgenommen, Menschen zu töten, die für die Klimakatastrophe verantwortlich sind und wird in der Presse als „Der Heiler“ bezeichnet. Auf seiner Suche nach Johanna muss Lehtinen feststellen, dass sie anscheinend mit dem ‚Heiler‘ Kontakt aufgenommen hat.

Antti Tuomainen: Der Heiler.
List, 224 Seiten, 14,99 €.


„Der Spezialist“
von Mark Allen Smith

Geiger und Harry sind Partner in einem äußerst brutalen Geschäft. Sie haben sich auf etwas spezialisiert, das sie als Informationsbeschaffung bezeichnen und bedienen eine Klientel, die nicht nur reich, sondern auch skrupellos ist. Um an die jeweils begehrten Informationen zu kommen, hat Geiger sich mit den verschiedensten Foltermethoden vertraut gemacht und wendet diese auch an. Geiger ist stolz darauf, dass bei seinen ‚Klientenbefragungen‘ niemand stirbt, noch nicht einmal Blut fließt, und er dennoch jede bisher gestellte Frage beantwortet bekam. Obwohl Geigers Tätigkeit an Brutalität kaum zu überbieten ist, hat er dennoch seine Prinzipien: niemals würde er Kinder oder alte Menschen foltern. Und genau gegen diese Regel verstößt eines Tages einer seiner Auftraggeber. Geiger wird ein Kind übergeben, mit dem Auftrag, von ihm den Aufenthaltsort seines Vaters zu erfahren. Einfach ablehnen kann Geiger diesen Auftrag nicht, da dann jemand anderes aus der Branche den Fall übernehmen würde. Er sieht keinen anderen Ausweg, als seinen Auftraggeber bewusstlos zu schlagen und mit dem kleinen Harry zu fliehen, um ihn vor der Folter zu schützen. Doch äußerst mächtige Kreise haben ein Interesse an dem Jungen und verfolgen die beiden mit allen Mitteln.

Mark Allen Smith: Der Spezialist.
Lübbe, 352 Seiten, 14,99 €.


„Desire“
von Lisa Jackson

Selbst die erfahrenen Detectives Rick Bentz und Reuben Montoya vom New Orleans Police Department reagieren verstört, als sie den Tatort in der Kirche St. Marguerite besichtigen. Eine junge Nonne wurde erdrosselt aufgefunden. Die Leiche liegt vor dem Altar, ist bekleidet mit einem vergilbten Brautkleid, die Tatwaffe war ein Rosenkranz. Montoya allerdings ist nicht nur über die Brutalität des Mörders erschrocken – er kennt die Getötete persönlich; es ist Camille, seine Jugendliebe. Die Obduktion ergibt, dass Schwester Camille schwanger war. Nicht nur Bentz und Montoya beginnen zu ermitteln, auch Camille's Schwester Valerie versucht, mit Unterstützung ihres Mannes dem Mörder auf die Spur zu kommen. Als einige Tage darauf eine weitere Nonne ermordet wird, fühlt sich Detective Bentz an einen Fall erinnert, der zehn Jahre zurückliegt. Damals hatte er einen Serienmörder, den so genannten Rosenkranzmörder, auf der Flucht erschossen. Die Spuren führen zunächst in verwirrend viele Richtungen und Bentz und Montoya können lange Zeit keine Erfolge vorweisen. Valerie dagegen beweist sehr viel mehr Geschick darin, die Geheimnisse ihrer Schwester aufzudecken. Doch genau dadurch wird der Mörder auch auf sie aufmerksam.

Lisa Jackson: Desire.
Knaur, 560 Seiten, 14,99 €.


„Die Geister, die mich riefen“
von Walter von Lucadou

Die wahren Hintergründe der Schiffskatastrophe

Walter von Lucadou übt eine äußerst ungewöhnliche Tätigkeit aus. Der studierte Physiker und Psychologe gründete 1989 die staatlich geförderte parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg und leitet sie seitdem. In seinem Büro melden sich Menschen, die unerklärliche Phänomene verarbeiten wollen, in deren Wohnungen die Stimmen Unbekannter zu hören sind oder in denen es auf andere Weise spukt. Er hört sich Geschichten an, von denen, die von Geistern belästigt werden oder solche, in denen Gegenstände wie aus dem Nichts auftauchen und mitunter beträchtlichen Schaden anrichten. In seinem Buch berichtet er aus dem Alltag eines echten Geisterjägers. Wann immer sich jemand wegen eines paranormalen Ereignisses an ihn wendet, versucht er, sich dem Fall unvoreingenommen zu nähern und zieht zunächst physikalische und psychologische Ursachen in Betracht. Dennoch stößt von Lucadou immer wieder auf Phänomene, die mit dem herkömmlichen Wissen nicht erklärt wären können. Der Psychologe sagt selbst, dass er nicht alle Lösungen für die von ihm untersuchten Ereignisse findet, für ihn liegt dies vor allem an unseren noch unvollständigen Modellen der Wirklichkeitsbeschreibung. So besteht seine Arbeit – neben der Beratung verunsicherter Klienten – in der Erforschung des Grenzbereiches zwischen Geist und Materie.

Walter von Lucadou: Die Geister, die mich riefen.
Lübbe, 208 Seiten, 14,99 €.


„Die Kuppel“
von Markus Stromiedel

Europa mit seiner Hauptstadt Brüssel ist im Jahr 2035 zu einem autoritären Überwachungsstaat geworden. Klimawandel und Umweltkatastrophen haben die Welt erschüttert – Deutschlands Küsten sind durch eine Ölkatastrophe weitgehend zerstört. Es gibt kaum noch Autoverkehr, die meisten Flughäfen sind stillgelegt, und dennoch hat sich die Technik in manchen Bereichen weiterentwickelt. Eines der drängendsten Probleme der Gesellschaft ist die Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung. In dieser Zeit wird der junge Militärpolizist Vincent Höfler in den Osten Deutschlands geschickt, um einen ungewöhnlichen Todesfall zu untersuchen. Auf einem von der Außenwelt abgeschirmten Flughafen wurde die Leiche eines alten Mannes entdeckt, der dort offenbar erfroren war. Wahrscheinlich hatte der Mann ganz in der Nähe in einer luxuriösen Seniorenresidenz, einem riesigen Kuppelbau, gelebt. Doch wie er auf das militärische Gelände gelangen konnte, darauf gibt es keinen Hinweis. Höfler stößt bei seinen Nachforschungen auf Verwicklungen mit dem Fall in höchsten Regierungskreisen. Und da wird es für ihn auch schon lebensgefährlich ...

Markus Stromiedel: Die Kuppel.
Droemer, 400 Seiten, 14,99 €.


„Dracula“
von Bram Stoker

Vor 100 Jahren, am 20. April 1912, starb der irische Schriftsteller Bram Stoker, der Autor des Welt-Bestsellers „Dracula“. Von den zehn Büchern, die Stoker veröffentlichte, war dies das einzig erfolgreiche und auch das erst lange nach seinem Tod. „Dracula“ wurde bisher in 45 Sprachen übersetzt, diverse Male verfilmt, als Comic gezeichnet und begründete ein ganzes Genre. Bram Stoker's Biografie dagegen ist hinter seinem Werk in Vergessenheit geraten. Bis zu seinem siebten Lebensjahr war er schwer erkrankt ans Bett gefesselt und konnte allein weder stehen noch gehen. Seine Gesundung wurde fast als Wunder angesehen, es gilt als gesichert, dass das Motiv der Auferstehung von den scheinbar Toten Teil seiner Verarbeitung des frühen Traumas ist. „Dracula“ ist weitaus vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Hier treten die großen Kontrahenten des 19. Jahrhunderts gegeneinander an. In „Dracula“ kämpft die Wissenschaft gegen den Glauben, der Protestantismus gegen den Katholizismus, der Westen gegen den Osten, das Sichtbare gegen das Unsichtbare.

Andreas Nohl, der bereits für die Neuübersetzung von „Tom Sawyer & Huckleberry Finn“ viel Anerkennung erhalten hat, wagte sich auch an dieses Werk, von dem er sagt, dass es zu seinen bisher schwierigsten Übersetzungen zählt. Der Aufwand hat sich zweifellos gelohnt, da Nohl den Roman in eine moderne Sprache fasst, ohne die stilistischen Ungereimtheiten der bisherigen deutschen Übersetzungen zu übernehmen.

Bram Stoker: Dracula.
Steidl, 540 Seiten, 28,00 €.


„Eisblumen“
von Walter Wolter

Privatdetektiv Bruno Schmidt hält sich mit kleineren Aufträgen über Wasser. Manchmal geht es dabei um den Nachweis von Ehebruch. Ihm gefallen solche Ermittlungen zwar nicht, aber er sieht die Dinge vor allem aus der geschäftlichen Perspektive. So auch in seinem aktuellen Fall, in dem er ein Liebespaar im Saarland beschattet, um dem hintergangenen Ehemann Beweisfotos für den Seitensprung seiner Frau zu liefern. Der Auftrag ist schon fast abgeschlossen, als es vor seinem Wohnmobil zu einem Tumult kommt, an dem neben zwei auffälligen Ganoven der verschrobene Frührentner Engelbert Bloch und die 15-jährige Sophie beteiligt sind. Die beiden Ganoven versuchen offenbar, Sophie zu entführen. Obwohl Schmidt früher Profi-Boxer war, gelingt es nur mit großer Mühe, das Mädchen aus den Händen ihrer Verfolger zu befreien, denn einer der beiden ist ein regelrechter Riese mit ungeheuren Kräften. Schmidt nimmt Sophie, die vor irgendetwas auf der Flucht ist, erst einmal bei sich auf. Über ihre Geschichte, ihre Herkunft oder ihr Ziel erfährt er allerdings nichts von ihr. Als im Radio von drei vermissten jungen Mädchen im Saarland berichtet wird, vermutet er zwar einen Zusammenhang, kann seiner neuen Mitreisenden aber keinerlei Informationen entlocken. Als Schmidt erkennt, dass Sophie einiges in seinem Gefühlsleben in Bewegung bringt, ist die auch schon wieder weitergezogen auf der Suche nach dem nächsten Unterschlupf. Den findet sie ausgerechnet bei Frührentner Bloch. Zwischen Bloch, der keine sozialen Kontakte pflegt, und der intelligenten Sophie entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, während sowohl die beiden Kleingangster als auch Bruno Schmidt weiter auf der Suche nach ihr sind. Woher die größte Gefahr für Sophie droht, erkennt der Leser erst ganz am Schluss, als sich die Ereignisse überschlagen.

Walter Wolter: Eisblumen.
Bastei-Lübbe, 240 Seiten, 8,99 €.


„Eismord“
von Giles Blunt

In der Algonquin Bay herrscht die eisige Kälte des Winters. Detective John Cardinal trauert um seine verstorbene Frau Catherine und lenkt sich mit der Beschäftigung alter, ungelöster Fälle ab, als in einem Ferienhaus am zugefrorenen Trout Lake zwei enthauptete Leichen in Pelzmäntel gehüllt gefunden werden. Die Köpfe der beiden Männer tauchen wenig später auffällig drapiert an einem anderen Ort auf. Zwar findet Cardinal schon bald heraus, dass es sich bei den Männern um ehemalige russische Aussiedler handelt, die mit dem Pelzgeschäft zu tun hatten, doch dann stagnieren seine Nachforschungen. Als weitere ungewöhnliche Verbrechen geschehen, muss Detective Cardinal einsehen, dass er es mit einem äußerst verwickelten Fall zu tun hat. Dass es eine Zeugin der Morde gibt, ahnt er noch nicht. Die Köchin Sam hielt sich in einem fremden Haus versteckt, als sie die Schüsse hörte. Sie fürchtet, dass der Mörder von ihr weiß, will aber nicht zur Polizei gehen. Und der Mörder ist ihr tatsächlich auf der Spur.

Giles Blunt: Eismord.
Droemer, 416 Seiten, 19,99 €.


„Er ist wieder da“
von Timur Vermes

Seine Uniform riecht nach Benzin und überall um ihn herum liegt Bauschutt: Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Zunächst ziemlich verwirrt, weil die Gegend sich reichlich verändert hat und der Führerbunker sich nicht auffinden lässt, dämmert ihm schon bald, dass er sich im Jahr 2011 befindet. Der Krieg ist Geschichte, seine Partei geächtet und die alten Kameraden sind längst unter der Erde. Dafür überall Ausländer auf den Straßen und Angela Merkel an der Regierung. Dem Führer ist schlagartig klar, dass Deutschland ihn dringender braucht denn je. Tatsächlich gelingt ihm ein fast kometenhafter neuer Aufstieg, nicht zur Macht zwar, dennoch aber zu medialer Berühmtheit. Die neuen Technologien machen es möglich, und er weiß sie geschickt zu nutzen. Schon bald hat er einen riesigen Fankreis auf Youtube und tritt im Fernsehen als Comedian auf – als erfolgreichster Hitler-Darsteller aller Zeiten. Höflich, wortgewandt und schlagfertig – kein Gesprächspartner scheint ihm wirklich gewachsen. Renate Künast und Sigmar Gabriel versuchen, ihn wegen seines politischen Talentes als Partei-Mitglied zu werben, doch der Führer hat eine ganz andere Vision. Und er legt den Finger auf die Wunden der Zeit und der modernen Demokratie. Der Leser wird zu Anfang lachen, später immer öfter schlucken müssen.

Timur Vermes: Er ist wieder da.
Eichborn Verlag. 400 Seiten, 19,33 €.

Anmerkung: Am Fuß dieser Seite befindet sich eine Besprechung der Hörbuch-Fassung von „Er ist wieder da“, rezensiert von Frank R. Bulla.


„Fische füttern“
von Fabio Genovesi

„Fische füttern“ erzählt zu Beginn parallel aus dem Leben dreier Menschen. Drei Geschichten, die schon bald beginnen, sich mehr und mehr zu überschneiden und miteinander zu verbinden. Was anfangs durch den ständigen Perspektivwechsel interessant, aber auch wahllos und unzusammenhängend erscheint, verwebt sich zu einem spannend und lebendig erzählten Zusammentreffen dreier sehr verschiedener Charaktere, alle auf der Suche nach Erfüllung ihres Traumes. Fiorenzo, der mit 14 Jahren selbstverschuldet seine rechte Hand verloren hat, wollte eigentlich Rennradfahrer werden. Jetzt träumt er von der großen Liebe und davon, mit seiner Band berühmt zu werden. Er ist Sänger in einer Metal Band, die leider noch keinen richtigen Auftritt hatte. Eigentlich soll er sein Abi machen und danach das Angelgeschäft seines Vaters übernehmen, doch dafür kann er sich gar nicht begeistern. Auch Tiziana hat nach ihrem Studium im Ausland große Pläne. Als sie und Fiorenzo aufeinandertreffen, glaubt er, dass einer seiner Wünsche in Erfüllung gehen könnte. Doch Tiziana ist 32 und Fiorenzo erst 19, und außerdem hatte sie etwas ganz anderes vor in Ihrem Leben. Und dann ist da Mirko, der Einzelgänger, der in der Schule kaum Freunde hatte, weil er überall der Beste war. Mirko hofft auf eine Profikarriere im Radrennsport, um endlich die ersehnte Anerkennung zu finden. In einem kleinen Dorf in der Toskana treffen die drei aufeinander, in einem Sommer, der die Weichen für ihr weiteres Schicksal stellen wird. Mit Humor, Ironie und Weisheit beschreibt Fabio Genovesi, wie seine Helden ihren Platz im Leben finden und zeigt uns, dass die besten Dinge oftmals dann geschehen, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Fabio Genovesi: Fische füttern.
Lübbe, 432 Seiten, 19,99 €.


„Frische Frühlingsküche“
von Claudia Seifert und Sabine Hans

Nach der Sommer-, Herbst- und Winterküche erscheint mit „Frische Frühlingsküche“ nun abschließend das vierte jahreszeitlich orientierte Kochbuch von Claudia Seifert. Typisch für den Frühling dominieren in den vorgestellten Speisen frisches, zartes und saftiges Grün von Wildkräutern und bunte Tupfer von Blüten und frischen Gemüsen. Ob Wildkräuter-Ravioli, Brennnesselspinat mit Morcheln oder Lindenblätter gefüllt mit Schafskäse-Couscous – die 80 vorgestellten Rezepte beweisen, dass der Einsatz von Wildkräutern zu einer überraschenden Bereicherung in der Küche beiträgt. Einen Schwerpunkt des Buches bildet naturgemäß der Spargel, der von Mai bis Ende Juni Saison hat und auch zu gewagteren Kreationen einlädt. Die begleitenden Fotos animieren zum Ausprobieren der Rezepte und machen aus diesem Kochbuch einen ästhetischen Bildband mit viel Frühlingsflair.

Claudia Seifert / Sabine Hans: Frische Frühlingsküche.
AT-Verlag, 160 Seiten, 24,90 €.


„Grießnockerl-Affäre“
von Rita Falk

Der vierte Fall für den oberbayerischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer läuft leider etwas unglücklich an. Diesmal nämlich ist Eberhofer selbst der Verdächtige in einem Mordfall und muss mitansehen, wie andere in seinem Revier Ermittlungen anstellen. Was ihn natürlich nicht davon abhält, selbst aktiv zu werden. Und das Ganze passierte so: Auf der Hochzeitsfeier von Kollege Stopfer ging es hoch her. Als Eberhofer die Feier verlässt, trifft er auf den von ihm verhassten Vorgesetzten Barschl, der auf dem Parkplatz die Kollegen ins Röhrchen blasen lässt. Es kommt zum Streit und Eberhofer wird handgreiflich. Am nächsten Morgen wird der Franz unsanft geweckt: sein Haus ist umstellt und er wird verdächtigt, seinen Vorgesetzten ermordet zu haben. Die Tatwaffe ist immerhin sein Hirschfänger, den er auf der Hochzeitsfeier herumgezeigt hatte. Und auch sonst ist wieder einiges los im Dorfe: die Oma scheint nach dem Besuch eines gewissen Pauls völlig verändert, der Flötzinger, der notorische Fremdgänger, will sich sterilisieren lassen und der Dorfarzt versucht sich umzubringen.

Rita Falk: Grießnockerl-Affäre.
DTV, 240 Seiten, 14,90 €.


„Hagel auf Zamfara“
von Sefi Atta

Sefi Atta, geboren 1964 in Nigeria, lebt mit ihrer Familie in Meridian, Mississippi und unterrichtet an der Mississippi State University. Sie zählt zu den führenden nigerianischen Autoren ihrer Generation; ihre Kurzgeschichten und Hörspiele wurden vielfach ausgezeichnet. Die Geschichten in diesem Buch handeln von Männern, Frauen und Kindern aus Nigeria. Einige von ihnen leben in Lagos, andere in London oder den USA, manche sind arm, andere privilegiert. Die titelgebende Geschichte „Hagel auf Zamfara“ erzählt aus der Sicht einer muslimischen Frau, die in ihrer Ehe mit einem lieblosen Mann von einer erotischen Begegnung mit einem Fremden träumt und noch für diesen Traum büßen soll. Die mit viel Witz geschriebene Geschichte „Der Wundertäter“ handelt von einem Automechaniker in Lagos, dessen fromme christliche Ehefrau in einem Ölfleck auf der Windschutzscheibe eine Marien-Erscheinung sieht – eine Vision, die so viele Gläubige zur Werkstatt lockt, dass der Mechaniker mit dem Eintrittsgeld den Gewinn seines Lebens macht. Ob Sefi Atta von einem illegalen Flüchtlingstreck in der Hitze der Sahara oder von der Mittagspause in einem klimatisierten Londoner Büro erzählt – immer erscheint es dem Leser als sei er hautnah dabei.

Sefi Atta: Hagel auf Zamfara.
Verlag Hammer, 378 Seiten, 22,00 €.


„Headhunter“
von Jo Nesbø

Roger Brown ist ein erfolgreicher und angesehener Headhunter. Wenn er sich meldet, horchen die Firmenchefs auf. Seinen exklusiven Lebensstil kann er sich allerdings nur scheinbar durch seine Tätigkeit leisten. Brown's Ausgaben sind so hoch, dass er ein kleines Nebengeschäft praktiziert: er bessert seine Haushaltskasse durch den Verkauf wertvoller Gemälde auf, die er vorzugsweise seinen Klienten entwendet. Als Brown auf den ehemaligen Manager Clas Greve trifft, ist er überzeugt, die Chance seines Lebens vor sich zu haben. Greve ist nicht nur die ideale Besetzung für einen hohen Posten in einer aufstrebenden neuen Firma – er besitzt auch ein berühmtes Gemälde von Rubens, das lange Zeit als verschollen galt. Mit diesem Coup wären seine Geldsorgen ein für allemal gelöst. Doch als Brown in Greve's Wohnung einbricht, erwartet ihn eine Überraschung, die sein ganzes Leben verändert. Noch völlig verstört von seiner Entdeckung muss er auf dem Rückweg feststellen, dass sein Komplize ermordet wurde. Es ist ihm völlig klar, das er selbst das eigentliche Mordopfer hätte sein sollen. Plötzlich ist er es, auf den Jagd gemacht wird.

Jo Nesbø: Headhunter.
Ullstein, 320 Seiten, 9,99 €.


„Hexenmedizin“
von Dr. Claudia Müller-Ebeling, Dr. Christian Rätsch und Wolf-Dieter Storl

Die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst –
Schamanische Tradition in Europa

Die drei Autoren dieses Buches untersuchen und dokumentieren das Thema Hexenmedizin aus unterschiedlichsten Perspektiven. Hexenmedizin, das sind nicht nur Heilkräuter und Verfahren der Volksmedizin, sondern vor allem auch solche Substanzen pflanzlichen und tierischen Ursprungs, die für kultische Zwecke genutzt wurden. Was heilt, dem wurden göttliche Kräfte zugeschrieben, und so finden viele Heilkräuter Verwendung in religiösen und magischen Ritualen. Das Wissen um die heilenden und die magischen Aspekte dieser Mittel wurde durch das Wirken der Inquisition im Mittelalter fast ausgelöscht. Den Autoren ist es gelungen, das, was von diesem Wissen noch erhalten geblieben ist, zusammenzutragen und auf spannende und unterhaltsame Weise zu vermitteln. Schamanische Rituale im frühen Europa werden ebenso vorgestellt wie die verschiedenen Hexenkulte, der Gebrauch von Drogen zum Rausch und zum Erkenntnisgewinn, die Rolle von weisen heilkundigen Frauen bei der Geburt und bei der Unterstützung von Sterbenden. Ein eigenes Kapitel befasst sich mit der Frage, wie es zur Dämonisierung heilkräftiger Substanzen aus der Natur kommen konnte und am Schluss des Buches wird die Rolle des aktuellen Betäubungsmittelgesetzes thematisiert.

Dr. Claudia Müller-Ebeling / Dr. Christian Rätsch / Wolf-Dieter Storl:
Hexenmedizin.
AT-Verlag, 272 Seiten, 29,90 €.


„Hör auf zu denken – sei einfach glücklich!“
von Hinnerk Polenski

Der deutsche Zen-Meister Hinnerk Polenski praktiziert Zen seit mehr als 30 Jahren. Nach seiner Tätigkeit als Unternehmensberater widmete er sich ab 1999 dem Zen-Training und begründete den Daishin-Zen-Orden sowie die Zen-Leadership-School, wo er Seminare und Fortbildungen leitet. In diesem Buch beantwortet er Fragen, gestellt von der Journalistin und Zen-Praktizierenden Ulrike Wischer. Warum leiden wir? Wie stoppe ich die Gedankenflut in meinem Kopf? Gibt es ein Rezept zum Glücklichsein? Polenski antwortet verständlich, originell und inspirierend. Es gelingt ihm, Antworten nicht einfach vorzugeben, sondern den Leser dazu anzuregen, diese nachzuvollziehen. Neben den jeweiligen Anregungen zu jeder Frage erhält der Leser einen Einblick in die Sichtweise der jahrtausendealten Lehre des Zen und Inspiration zu mehr Gelassenheit und innerer Ruhe.

Hinnerk Polenski: Hör auf zu denken – sei einfach glücklich.
O. W. Barth, 288 Seiten, 16,99 €.


„Ich will dich sterben sehen“
von Pierre Lemaitre

Die junge Alex wird auf dem Heimweg in einer dunklen Straße Opfer einer brutalen Entführung. Sie bekommt einen Schlag auf den Kopf, wird geknebelt und in einen Lieferwagen gezerrt. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich gefesselt in einem sehr engen Käfig in einer großen Lagerhalle – nackt, ohne Nahrung und Wasser. Damit nicht genug, quält ihr Peiniger sie auf immer neue Weise und fotografiert sein Opfer regelmäßig. Egal, was sie den Mann fragt, erhält die immer wieder die gleiche Antwort: „Ich will dich sterben sehen“. Sie weiß, dass er es ernst meint, denn sie kennt ihn. Im letzten Moment, als sie schon nicht mehr an ihr Überleben glaubt, gelingt ihr die Flucht. Kriminalinspektor Camille Verholfen, der den Fall übernommen hat, wird von den meisten Kollegen gemieden. Aufgrund seines körperliche Handicaps – er ist nur 145 cm groß – und wegen seines schweren Schicksals neigt er zu cholerischen Ausbrüchen. Doch die Geschichte von Alex stellt seine eigene weit in den Schatten. Alex selbst ist inzwischen vom Opfer zum Täter geworden und hat begonnen, sich auf grausame Weise zu rächen.

Pierre Lemaitre: Ich will dich sterben sehen.
Ulstein, 400 Seiten, 9,99 €.


„Kalter Trost“
von Quentin Bates

Auch dieser Roman spielt vor dem Hintergrund der sich entwickelnden Banken- und Finanzkrise. In Quentin Bates zweitem Krimi mit der Kommissarin Gunhildur Gísladóttir muss sich das Team der Ermittlerin mit zwei Fällen befassen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, sich aber später doch auf unerwartete Weise überschneiden. In Reykjavík wird die aus dem Fernsehen bekannte Svana Geirs in ihrer eigenen Wohnung ermordet. Fast gleichzeitig entlieht der Gangster Ómar Magnússon aus dem Gefängnis. Schon bald entdecken die Ermittler, dass die Ermordete einen privaten Club unterhielt, zu deren Mitglieder viele Prominente gehörten. Die Liste der Verdächtigen ist plötzlich kaum noch überschaubar und führt in die höchsten Kreise von Wirtschaft und Politik. Als es einen Brandanschlag auf die Ehefrau eines der Mitglieder gibt, wird die Situation nur noch verworrener. Nach und nach gibt es weitere seltsame Anschläge auf reiche Geschäftsleute. Auch wenn Ómar Magnússon als Verdächtiger in Betracht gezogen wird, weil der sich auf einer Art Rachetour befindet, stößt Kommissarin Gísladóttir immer tiefer vor in einen Sumpf aus Macht, Intrige und Betrug.

Quentin Bates: Kalter Trost.
Bastei-Lübbe, 464 Seiten, 9,99 €.


„Komm', spiel mit mir!“
von Paddy Richardson

Während eines Familien-Picknicks am See eines kleinen Ortes in Neuseeland verschwindet plötzlich die vierjährige Gemma. Obwohl hier jeder jeden kennt, hat niemand etwas gesehen oder gehört. Jahrelang gibt es keine Spur von Gemma, keinen Hinweis auf einen Unfall oder ein Verbrechen. Diese tragische Situation traumatisiert und zerstört die Familie. Jedes Mitglied hat mit Schuldgefühlen zu kämpfen – der Vater, weil er zu spät zum Treffen kam, die Mutter, weil sie mit etwas anderem beschäftigt war als mit der Aufsicht ihrer Kinder, die Brüder und Stephanie, die ältere Schwester, weil sie nicht auf Gemma geachtet hatten. Stephanie kann sich nie mit dem Gedanken anfreunden, dass ihre Schwester tot sein könnte. Als junge Frau studiert sie Psychologie und wird dann Therapeutin. Ihre Vergangenheit ist die Triebkraft für diese Entscheidung. In Ihrer Praxis arbeitet sie mit der jungen Beth, die zunächst sehr verschlossen ist. Als Beth sich nach und nach öffnet, muss Stephanie schockiert feststellen, dass sie beide das gleiche Schicksal teilen. Auch in Beth's Kindheit ist ein Geschwisterteil spurlos verschwunden. In der Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Klientin erlangt Stephanie die Gewissheit, dass der Täter in ihrem eigenen Fall engen Kontakt zur Familie gehabt haben muss. Kaum macht sie sich auf die Suche nach Spuren in der Vergangenheit, gerät sie in große Gefahr.

Paddy Richardson: Komm, spiel mit mir.
Droemer, 432 Seiten, 19,99 €.


„Lebenslänglich tot“
von Hef Buthe

Der ehemalige Reporter Peter Stösser wird gebeten, auf Teneriffa über einen Mord zu recherchieren. Der genaue Auftrag ist ihm eigentlich gar nicht richtig klar, er weiß nur, dass er über ein bestimmtes Schiff ebenfalls Informationen einholen soll. Am Strand war eine männliche afrikanische Leiche angeschwemmt worden, der die wichtigsten Organe fehlten. Und die waren nicht etwa von Fischen gefressen, sondern professionell entnommen worden. Bei seinen Nachforschungen begibt sich Stösser in die Szene der illegalen afrikanischen Einwanderer und erfährt von der Crew einer Jacht, die solche Flüchtlinge anwirbt. Als sich herausstellt, dass er auf eine superreiche Mafia gestoßen ist, die den Flüchtlingen Jobs vermittelt, bis deren Organe benötigt werden, wird ihm bewusst, dass er überhaupt nicht weiß, für wen er eigentlich recherchiert. Doch da steht er selbst schon längst auf der Todesliste.

Hef Buthe: Lebenslänglich tot.
Bastei-Lübbe, 368 Seiten, 8,99 €.


„Mädchen Nr. 6“
von Kate Brady

Nach dem recht erfolgreichen Start mit „Puppengrab“ (siehe unten!) nun der zweite Krimi von Kate Brady. Diesmal geht es um einen Mörder, der es offenbar auf blonde Frauen abgesehen hat. Er tötet seine Opfer auf grausige Weise und nimmt eine Haarsträhne als Trophäe mit. Die attraktive Polizistin Danielle Cole, die vorübergehend vom Dienst suspendiert war, wird auf den Fall angesetzt. Die erste Ermordete war eine ehemalige Prostituierte, die Danielle persönlich kannte. Zusammen mit ihrem Kollegen Tifton sucht Danielle zunächst nach Russell Sanders, der das letzte Handygespräch mit dem Opfer führte. Doch der wurde längst von seinem Sohn als vermisst gemeldet. Auf die Suche nach Russell macht sich auch Star-Fotograf Mitch Sheridan. Mitch und Danielle haben eine vor langer Zeit gescheiterte Beziehung hinter sich, und bei ihrem erneuten Zusammentreffen spielen ihre Gefühle füreinander immer noch eine Rolle. Danielle scheint sich unterdessen selbst in Gefahr begeben zu haben – der Mörder hat eine persönliche Nachrichte an sie hinterlassen ...

Kate Brady: Mädchen Nr. 6.
Knaur, 464 Seiten, 14,99 €.


„Mein wirst du bleiben“
von Petra Busch

Kommissar Moritz Ehrlinspiel ermittelt in einem seltsamen Fall. In einem Wohnhaus in Freiburg sind kurz nacheinander zwei Menschen ermordet worden. Obwohl es nicht allzu schwer sein sollte, Gemeinsamkeiten zwischen beiden Opfern zu finden, entpuppt sich die Angelegenheit für Ehrlinspiel als äußerst verwirrend. Je mehr Nachbarn und Bekannte der Getöteten der Kommissar befragt, desto mehr Menschen geraten in den Verdacht, in die Morde verwickelt zu sein. Und all diese Menschen haben vor allem ihre eigenen Probleme: die neugierige und kontaktfreudige Hausmeisterin, die junge Putzfrau, die ihr Studium selbst finanzieren muss, ein Ex-Trucker mit schweren Depressionen und eine Arzthelferin mit einer deutlichen Affinität zum Alkohol. Und dann ist da noch Miriam, die mit ihrer Mutter Thea ebenfalls in dem betreffenden Haus lebt. Nachdem Thea durch einen schweren Unfall das Gedächtnis verlor und nun auf Pflege angewiesen ist, hat sich für Miriam ein alter Wunsch erfüllt: ihre Mutter ganz für sich allein zu haben. Als Kommissar Ehrlinspiel erfährt, dass Miriam auch die beiden ermordeten Rentner teilweise mitverfolgt hat, überschlagen sich die Ereignisse ...

Petra Busch: Mein wirst du bleiben.
Knaur, 448 Seiten, 9,99 €.


„Neil Young – A Life in Pictures“

Neil Young, dessen Karriere 1966 mit der Buffalo Springfield Band begann, die mit Woodstock und Crosby, Stills, Nash & Young einen ersten großen Höhepunkt erlebte, dauert bis heute an. Young trat solo und in den verschiedensten Band-Formationen auf, seine wechselnden Musikstile inspirierten viele berühmte Musiker, er selbst gilt als einer der größten lebenden Rock-Musiker. Young engagiert sich auch politisch, teils durch seine Musik, teils praktisch, indem er behinderte Kinder, Umwelt- und Zukunfts-Technologien fördert. Dieser bisher umfangreichste Bildband über den Künstler vereint ca. 150 Aufnahmen aus allen Stationen seines musikalischen Wirkens, von den Anfängen um 1966 herum bis heute. Die Begleittexte verfasste der britische Musik-Journalist Colin Irwin, das Buch ist auf englisch erschienen. Vom Cover her ist es leider leicht zu verwechseln mit dem Young-Portrait „In eigenen Worten“ (für beide Titelbilder wurden Fotos aus dem gleichen Shooting verwendet). Fans werden „A Life in Pictures“ zweifellos als ideale Ergänzung zu letzterem Titel schätzen.

Neil Young – A Life in Pictures.
Edition Olms, 160 Seiten, 24,95 €.


„Nur ein Toter mehr“
von Ramiro Pinilla

Ramiro Pinilla gilt als einer der bedeutendsten baskischen Schriftsteller der Gegenwart. In diesem Roman, der im Spanien der Nachkriegszeit spielt, sind die Erinnerungen an den Franco-Faschismus noch frisch, und schon der Titel ist als Hinweis auf die vielen Gefallenen des Bürgerkrieges zu verstehen. In Getxo, einer kleinen Stadt im Baskenland lebt Sancho Bordaberri, ein junger Buchhändler, der selbst gern schreibt. Seine große Leidenschaft sind die berühmten Krimi-Autoren, denen er nacheifert – 16 Krimis hat er schon verfasst, doch leider wurde keiner von einem Verlag angenommen. Als Sancho kurz davor steht, seinen Traum aufzugeben – sein letztes Manuskript will er gerade ins Meer werfen –, erinnert er sich an einen Vorfall, der zehn Jahre zuvor für Spekulationen sorgte, doch in den Wirren des Bürgerkrieges unaufgeklärt blieb. Die beiden Altube-Brüder waren an einen Metallring gekettet der Flut überlassen worden. Der eine ertrank, der andere konnte im letzte Moment gerettet werden. Sancho ist sich sicher, dass er den idealen Stoff für einen Kriminalroman gefunden hat. Um der Angelegenheit auf die Spur zu kommen, schlüpft er in die Rolle des Privatdetektivs Samuel Esparta. Zusammen mit seiner gewitzten Angestellten Koldobike deckt er immer mehr Details des damaligen Verbrechens auf, bis er feststellen muss, an Ereignisse zu rühren, die den Alt-Faschisten gar nicht gefallen werden.

Ramiro Pinilla: Nur ein Toter mehr.
DTV, 288 Seiten, 14,90 €.


„Paganini's Fluch“
von Lars Kepler

Zwei ungewöhnliche Todesfälle beschäftigen die Stockholmer Polizei. Carl Palmcrona, der Generaldirektor der staatlichen Waffenkontrollbehörde, wird in seiner Wohnung im Nobelstadtteil Östermalm tot aufgefunden. Das Zimmer, in dem er an einem Strick hängt, ist unmöbliert und es gibt darin nichts, worauf er hätte steigen können, um Selbstmord zu begehen. Am selben Tag wird auf einer Jacht, die in den Stockholmer Schären treibt, eine tote Frau entdeckt. Ihre Lungen sind mit Meerwasser gefüllt, ihr Körper und ihre Kleider jedoch vollkommen trocken. Sie ist auf einem Boot ertrunken, das nie unterging. Kommissar Joona Linna vermutet schon bald, dass eine Verbindung zwischen den beiden Fällen bestehen könnte und er stellt weiterhin Nachforschungen an, obwohl die offiziellen Ermittlungen eingestellt werden sollen. In der Zusammenarbeit mit Saga Bauer vom Staatsschutz folgt Palmcrona einer Spur, die zu einem Mann führt, der die Violinen des weltberühmten Paganini sammelt – und zu einer Gefahr, von der er nie etwas geahnt hatte.

Hinter dem Pseudonym Lars Kepler steht das Autorenpaar Alexander und Alexandra Ahndoril, dem mit diesem Roman ein weiterer spannender Skandinavien-Thriller mit ernstem Hintergrund gelungen ist.

Lars Kepler: Paganini's Fluch.
Lübbe, 624 Seiten, 19,99 €.


„Puppengrab“
von Kate Brady

Der von Wahnvorstellungen geplagte Serienmörder Chevy Bankes genießt es, die Todesschreie seiner Opfer auf Tonband aufzunehmen und sich immer wieder anzuhören. Außerdem will er sich mit allen Mittel an der Witwe Elizabeth Denison rächen. Nach jedem Mord ruft er die junge Frau mit dem Telefon des jeweils Ermordeten an, um ihr kurz von seiner Tat zu berichten und heftigste Drohungen gegen sie auszusprechen. Doch Elizabeth Denison ist eine ungewöhnlich starke Frau, die alles daran setzt, sich und ihre Tochter Abby zu schützen. Unterstützung erhält sie zunächst von Neil Sheridan, einem ehemaligen FBI-Agenten, der seinen Job aufgrund eines verworrenen Mordfalls verlor. Sheridan fahndet zusammen mit einem Freund bei der Staatspolizei nach dem Serienmörder. Er fühlt sich zu Elizabeth hingezogen, ahnt aber schon bald, dass sie ihm nicht die ganze Wahrheit anvertraut hat. Und nach und nach tauchen Verbindungen zu dem Mordfall in seiner eigenen Vergangenheit auf.

Kate Brady: Puppengrab.
Knaur, 464 Seiten, 14,99 €.


„Reiches Erbe“
von Donna Leon

Nun hat Commissario Brunetti schon seinen 20. Fall zu lösen, und auch diesmal lernen wir Venedig wieder von einer neuen Seite kennen.

Eine alte Dame, Frau Altavilla, wird von ihrer Nachbarin tot in der Wohnung aufgefunden. Alles deutet auf ein Herzversagen, und so wird es auch auf dem Totenschein vermerkt. Doch Brunetti wird das Gefühl nicht los, dass dies nicht die ganze Antwort sein kann. Einige Gegenstände in der Wohnung der Verstorbenen wecken einen Verdacht in ihm, der sich schließlich als begründet herausstellt: Frau Altavilla ist ermordet worden. Und da sein Chef wieder einmal alles andere von ihm erwartet, kann der Commissario es natürlich nicht lassen, weiterzuvermitteln. Auch dieser Fall konfrontiert ihn wieder mit den Schwächen der Politik und der Menschen. Der Mord an der alten Dame scheint im Zusammenhang zu stehen mit dem immer härter werdenden Wettbewerb um die teuren Wohnungen im Innenstadtbezirk Venedigs. Doch auch mit anderen sozialpolitischen Themen wird Brunetti im Laufe seiner Nachforschungen konfrontiert. Wie gut, dass der nachdenkliche Commissario mit der Unterstützung Signorina Elettras rechnen kann, der Sekretärin seines Vorgesetzten, die ihn heimlich mit wichtigen Informationen versorgt.

Donna Leon: Reiches Erbe.
Diogenes, 316 Seiten, 22,90 €.


„Revenge – Eiskalte Täuschung“
von Douglas Preston und Lincoln Child

Der neue Thriller um Special Agent Aloysius Pendergast, der vor zwölf Jahren seine Frau Helen durch einen mysteriösen Mord verloren hat. Wurde Pendergast bisher bei der Aufklärung des Mordes mit allerlei Abenteuern und ungewöhnlichen Wendungen konfrontiert, erlebt er jetzt die wohl größte Überraschung überhaupt. Während einer Hirschjagd in Schottland versucht sein Schwager Judson Esterhazy, Pendergast zu töten. Schwerverletzt überlebt Pendergast, doch erschüttert ist er vor allem über Esterhazy's Behauptung, dass Helen noch leben soll. Wieder macht Pendergast sich auf die Suche nach den Hintergründen und Hintermännern des Falls, doch diesmal erscheint ihm alles noch verworrener als je zuvor. Kann es wirklich sein, dass seine Frau noch am Leben ist, und wenn ja, wer wurde dann an ihrer Stelle bestattet? Während er immer mehr Details aus Helen's Familiengeschichte aufdeckt, von denen er bisher nichts geahnt hatte, muss er feststellen, dass sein Schwager ihm immer noch nach dem Leben trachtet.

Douglas Preston / Lincoln Child: Revenge – Eiskalte Täuschung.
Droemer, 480 Seiten, 19,99 €.


„Schlafende Geister“
von Kevin Brooks

Auch wenn das Verbrechen schon 17 Jahre zurück liegt, leidet Privatdetektiv John Craine immer noch unter der grausamen Ermordung seiner Ehefrau. Ohne Whisky ist er kaum in der Lage nachts einzuschlafen. Craine nimmt eigentlich nur einfache Fälle an, Versicherungsbetrug und Ehebruch. Daher hat er zunächst auch kein großes Interesse daran, eine verschwundene Frau zu aufzuspüren. Die Mutter der jungen Anna überredet ihn dennoch dazu, da sie überzeugt ist, dass die Polizei sich nicht besonders darum bemüht, nach Anna zu suchen. Kaum beginnt Craine mit seinen Ermittlungen, bekommt er es mit Mick Bishop zu tun, einem korrupten Polizisten, den er noch von früher kennt. Craines Vater, der ebenfalls Polizist ist, hatte versucht, Bishop zu überführen, was ihm allerdings nie gelang. Jetzt scheint Bishop alles daran zu setzen, die Suche nach Anna zu behindern. Craine gerät immer tiefer in die Verstrickungen zwischen einzelnen Polizisten mit dem kriminellen Milieu, wird sogar zusammengeschlagen, doch dann passiert, was er immer vermeiden wollte – er wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Kevin Brooks: Schlafende Geister.
DTV, 400 Seiten, 9,95 €.


„Schnitt“
von Marc Raabe

Gabriel Naumann ist Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Der 40-Jährige lebt zurückgezogen und hat kaum soziale Kontakte. Ein Trauma aus seiner Kindheit belastet sein Leben, doch er kann sich nur noch an wenige Einzelheiten erinnern. Als Elfjähriger machte er eine schreckliche Entdeckung im Keller seines Elternhauses, seine Eltern wurden kurz darauf ermordet und er verbrachte lange Zeit in einer psychiatrischen Klinik. Dass er diese verlassen konnte, verdankt er Juri, dem Leiter der Sicherheitsfirma, der erst seine Vormundschaft übernahm und ihm später einen Job anbot. Eines Abends wird Naumann zu einem mysteriösen Einsatz gerufen: ein unbewohntes Haus ist aufgebrochen worden, ein schwarzes Kleid im Keller scheint Erinnerungen an seine Kindheit zu berühren. Während seines Einsatzes erhält er auf dem Handy einen Hilferuf seiner Freundin Liz, die gerade Opfer eines Überfalls wird. Naumann informiert die Polizei und eilt selbst an den Ort des Überfalls. Von Liz fehlt jede Spur, doch die Polizei hat die Leiche eines unbekannten Mannes aufgefunden. Naumann wird zum Verdächtigen in einem Mordfall, die ganze Situation ruft das Drama aus seiner Kindheit wach und nur seine Erinnerungen scheinen Liz retten zu können.

Marc Raabe: Schnitt.
Ullstein, 448 Seiten, 14,99 €.


„Schweinskopf al dente“
von Rita Falk

Nach „Dampfnudelblues“ und „Winterkartoffelknödel“ ist „Schweinskopf al dente“ der dritte Provinzkrimi um Franz Eberhofer aus Niederkaltenkirchen.

Dorfpolizist Eberhofer ist inzwischen zum Kommissar befördert worden. Stolz präsentiert er sich in seiner neuen Uniform und ist zunehmend genervt, dass die kaum jemand zu bemerken scheint. Viel Zeit bleibt dem Franz ohnehin nicht, seinen neuen Dienstgrad zu feiern, denn er wird zu Richter Moratschek gerufen, der sich seines Lebens nicht mehr sicher fühlt. Der Mörder und Psychopath Dr. Küster ist, statt seine Haftstrafe anzutreten, geflohen, und hat dem Richter zum Abschied einen blutigen Schweinskopf ins Bett gelegt. Küster hat Rache geschworen, und die betrifft nicht nur den Richter. Der Franz könnte sich jetzt ganz auf die Jagd nach dem Entflohenen konzentrieren, wären da nicht sein kiffender Vater, längst fällige Renovierungsarbeiten und seine fast taube Oma, die mit ihrem Rotweinkuchen das halbe Dorf vergiftet

Rita Falk: Schweinskopf al dente.
DTV, 240 Seiten, 14,90 €.


„Sein letzter Burgunder“
von Paul Grote

In seinem nun neunten Wein-Krimi führt uns Paul Grote nach Baden-Baden zur international bekannten Wein Challenge, auf der begehrte Medaillen und Auszeichnungen für die besten Weine vergeben werden. 150 Winzer und Weinkenner aus aller Welt treffen sich in dem berühmten Kurort, um dabei zu sein, wenn fast 4.000 Weine geprüft und prämiert werden. Dass sich unter denen, die mit der Vermarktung des Weines zu tun haben, nicht nur Gourmets und Schöngeister befinden, dürfte bekannt sein. Der Weinhandel ist ein hartes Geschäft, und so mancher Produzent oder Händler wird es gelegentlich mit den Grenzen des Legalen nicht so genau nehmen. Diesmal allerdings geht es nicht um Etikettenschwindel oder Panscherei, sondern um handfesten Mord. Der deutsche Weinjournalist Henry Meyenbeeker ist extra aus Spanien angereist, um Alan Amber, einen in der Szene umstrittenen Weinguru, zu interviewen. Doch bevor das Treffen zustande kommt, wird Amber ermordet in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Damit ist die Angelegenheit für Meyenbeeker allerdings noch lange nicht beendet. Der Veranstalter der Wine Challenge fürchtet um seinen guten Ruf und zwingt den Journalisten, den Fall aufzuklären, bevor dies der Polizei gelingt. Meyenbeeker bleibt nichts anderes übrig, als mit eigenen Recherchen zu beginnen, da man allerhand belastendes Material gegen ihn gesammelt hat. Seine Ermittlungen führen ihn in die dunklen Ecken einer glitzernden Welt.

Die Spannung des kriminologischen Teils des Romans wird sicherlich von dem ein oder anderen Grote-Krimi übertroffen, aber der Ausflug in die Welt des Weines ist wieder unterhaltsam und lehrreich zugleich. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor diesmal auf die Burgunder des Kaiserstuhls, deren Vielfalt selbst Kenner kaum überblicken. Aber auch die Weine Südspaniens, insbesondere der Rioja, werden literarisch verkostet.

Paul Grote: Sein letzter Burgunder.
DTV, 432 Seiten, 9,95 €.


„Soulfood“
von Sven Christ

Food and Music, fat and yummy

Sven Christ hat zwei Leidenschaften: Kochen und Musik. Mit sieben Jahren begann er, in der Küche zu experimentieren, als junger Mann lernte er, Platten aufzulegen. Heute ist er bekannt als DJ Katmandu und arbeitet gelegentlich in gehobenen Münchner Restaurants als Aushilfskoch. Seit 15 Jahren sammelt er außerdem die Rezepte und die Musik aus dem US-amerikanischen Süden. Auf seinen Reisen in die USA und die Karibik interviewte er die Mütter, Tanten und Großmütter seiner Freunde, um an Familienrezepte und geheime Zutaten zu kommen. Jamaikanische Familien, Soul Sänger und HipHop-Stars waren bei ihm zu Gast, und oft führte ein spezielles Essen zu einem weiteren Rezept.

Die Südstaaten-Küche ist überwiegend das, was man als Arme-Leute-Essen bezeichnet. Die Nachfahren der Sklaven hatten gelernt, mit dem, was zur Verfügung stand, ein gutes Sonntagsmahl zu bereiten. Entstanden sind vor allem deftige und würzige Gerichte, die zum Teil weltbekannt wurden. Zu einem kleinen Teil nur, denn welche Vielfalt die afroamerikanische Küche zu bieten hat, dokumentiert dieses kleine unbebilderte Kochbuch, dessen Rezepte in englisch und deutsch aufgeführt sind. Es dominieren Fleisch- Fisch- und natürlich Gumbo-Rezepte, und es gibt eine ganze Reihe interessanter Süßspeisen. Einige wenige der aufgeführten Speisen dienen dem deutschen Publikum allerdings mehr der Dokumentation als der Anregung zum nachkochen. Das geröstete Eichhörnchen (falls gerade keins zur Hand ist, geht auch Hase) und der Alligator-Eintopf (zur Not aus Kalbfleisch) werden hierzulande wohl nur wenige Fans finden. Die dazugehörige CD versammelt 18 zum Teil bekannte, zum Teil wenig bekannte Soul-Stücke, die auf das Essen anspielen – die ideale Begleitmusik für den Koch und das Essen mit den Gästen, um die Stimmung des amerikanischen Südens aufleben zu lassen.

Sven Christ: Soulfood.
Trikot, 155 Seiten mit CD, 21,99 €.


„Spur der toten Mädchen“
von Michael Conelly

Strafverteidiger Mickey Haller bekommt das ungewöhnliche Angebot, die Anklage in einem spektakulären Prozess zu vertreten. Ein 24 Jahre alter Fall muss vor Gericht neu verhandelt werden. Jason Jessup war für die Entführung und den Mord an einer Zwölfjährigen zu lebenslanger Haft verurteilt worden, doch inzwischen stellt eine DNA-Analyse seine Täterschaft in Frage. Haller hält Jason allerdings weiterhin für schuldig und muss jetzt neue Beweise liefern. Unterstützung erhält er von seinem Halbbruder, dem Polizei-Veteranen Harry Bosch. Einen Fall nach so langer Zeit neu aufzurollen, scheint zunächst wenig vielversprechend, eine wichtige Augenzeugin ist nicht auffindbar und die Presse steht auf Seiten des damals Verurteilten. Bei ihren Ermittlungen stoßen Haller und Bosch auf ein Dickicht von politischen Intrigen und dann meldet sich noch eine Profilerin, die sich sicher ist, dass Jessup weit mehr als nur einen Menschen auf dem Gewissen hat ...

Michael Conelly: Spur der toten Mädchen.
Knaus, 496 Seiten, 9,99 €.


„Sterbenswort“
von Siegfried Langer

Kathrin Voss, Ärztin und allein erziehende Mutter, verdächtigt ihre vierjährige Tochter Mia, Dinge in der Wohnung zu verstecken und umzustellen. Mal findet sie Gegenstände, wo sie nicht hingehören, mal läuft der Wasserhahn. Doch schon bald keimt in ihr der Verdacht, dass jemand fremdes in Ihrer Abwesenheit in Ihre Wohnung eindringt. Als ihre Tochter eines Tages aus dem Kindergarten einen Ring mit nach Hause bringt, gerät die junge Mutter in Panik. Der Mann, der ihr den Ring geschenkt hat, nannte sich Erik, was Kathrin an ein schreckliches Ereignis in Ihrer Vergangenheit erinnert. Es gab einen Erik in ihrem Leben, doch der ist vor fast zehn Jahren gestorben – auf einer WG-Party, auf der reichlich Alkohol und Drogen konsumiert wurden. Als Kathrin meint, den Verstorbenen kurz auf der Straße gesehen zu haben, nimmt sie Kontakt mit ihren ehemaligen WG-Mitbewohnern Amelie und Heinrich auf. Von Amelie erfährt sie Details des damaligen Vorfalls, von denen sie nichts geahnt hatte und die ihre Panik nur noch steigern.

Siegfried Langer: Sterbenswort.
List, 336 Seiten, 8,99 €.


„The Beatles – Inside Beatlemania“

Englische Originalausgabe

1962, als die Beatles vor genau 50 Jahren ihren damaligen Drummer Pete Best gegen Ringo Starr austauschten, nahm die Band ihre erste Single auf. Dies war der Startschuss für die erfolgreichste Rock-Band aller Zeiten, innerhalb weniger Monate wurden die Beatles weltbekannt. Der reich bebilderte Band „Inside Beatlemania“ dokumentiert die Geschichte der ‚Fab Four‘, zeigt die wichtigsten und viele weniger bekannte Stationen ihrer Karriere und beschreibt, welchen Einfluss die Beatles auf die Mode und die Jugend in den 60ern hatten. Natürlich wird auch ausführlich auf die Vorläuferbands eingegangen, als die jeweiligen Formationen sich noch The Quarrymen, später The Silver Beatles nannten. Den Schwerpunkt bilden die Jahre 1962 bis 1970, die in vier Perioden unterteilt ist. Die dreizehn Beatles-Alben werden genau unter die Lupe genommen, es gibt Kurzbiografien aller Bandmitglieder, auch der ehemaligen Beatles Pete Best und Stu Sutcliffe, und wichtiger Mitarbeiter und selbstverständlich fehlen auch nicht die diversen Gastspiele in Deutschland. Die beiliegende DVD bietet eine ganze Stunde Dokumentation der BBC, außerdem ein legendäres Interview mit dem Comedian Kenn Dodd, das vorführt, wie lustig und schlagfertig die Beatles agieren konnten, sowie eine Dokumentation über die 66er USA-Tournee.

The Beatles – Inside Beatlemania.
Englische Originalausgabe mit CD; Edition Olms, 192 Seiten, 19,95 €.


„Todesherz“
von Karen Rose

Gerichtsmedizinerin Lucy Trask ist aufgrund ihres Berufes einiges gewohnt, doch als sie beim morgendlichen Joggen auf eine Leiche stößt, ist selbst sie schockiert. Der schwer verstümmelte Tote kann zunächst nicht identifiziert werden; aufgrund seiner Kleidung hält Lucy ihn für einen befreundeten Nachbarn. Als sie feststellt, dass es sich doch nicht um ihren Nachbarn handelt, ist sie keinesfalls erleichtert, sondern nur noch mehr verwirrt: sie kennt den Ermordeten, dem die Finger, die Zunge und das Herz entfernt wurden. Die Verbindung zwischen ihr und diesem Mann liegt 21 Jahre zurück und könnte sie selbst als Tatverdächtige belasten. Doch spätestens als sie in ihrem Auto einen Karton mit dem Herzen des Ermordeten findet, lässt sich diese Möglichkeit ausschließen. Detective J. D. Fitzpatrick und seine Partnerin Stevie Manzetti, die in dem Fall ermitteln, gehen von einem Rachefeldzug gegen die junge Pathologin aus. Weitere Leichen tauchen und, die der Serienmörder mit Nummern versieht. Die Lösung scheint irgendwo in Lucys Vergangenheit zu liegen.

Karen Rose: Todesherz.
Knaur, 624 Seiten, 16,99 €.


„Unter aller Sau“
von Christian Limmer

Im kleinen bayerischen Örtchen Niedernussdorf gibt es zwar eine Dorfpolizei, doch die hat nicht viel zu tun. Die beiden Polizisten Erwin und Richie sind nicht die Allerhellsten, letzterer ist zudem noch ständig bekifft. Die ländliche Idylle ist dahin, als die beiden eine tote Frau im Wald entdecken. Um sich unnötigen Ärger zu ersparen, beschließt Richie, die Leiche in die Nachbargemeinde zu verfrachten, doch Erwin meldet die Tote pflichtbewusst seiner Dienststelle. Dienststellenleiterin Gisela Wegmeyer bleibt nichts anderes übrig, als die Mordkommission in Straubing zu informieren. Ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als Hauptkommissar Lederer eintrifft, um die Ermittlungen zu übernehmen. Der von sich und seinen Methoden überzeugte Lederer erkennt schnell, in welche Richtung es zu ermitteln gilt: Die Ermordete arbeitete im Rotlichtmilieu und im Nachbarort gibt es einen ‚Massagesalon‘. Doch bei den Dorfbewohnern stößt er zunächst auf eisiges Schweigen. Die nämlich hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie die Dinge zu regeln seien und bildet eine Bürgerwehr. In Niedernussdorf bricht das Chaos aus ...

Christian Limmer: Unter aller Sau.
Droemer, 320 Seiten, 14,99 €.


„Vegetarisch all'Italiana“
von Katia Veronio und Carmelo Callea

Englische Originalausgabe

Der gebürtige Sizilianer Carmelo Callea arbeitete in seiner Heimat schon früh in Restaurants. Seit 1989 lebt und arbeitet er als Koch in Hamburg. Seine Lebensgefährtin Katia Veronio kam 1993 aus Apulien nach Hamburg. Gemeinsam gründeten sie 2009 das „La Monella“, das erste vegetarische italienische Restaurant der Stadt. Dank der Vielzahl der in Italien angebauten Gemüse und Kräuter haben vegetarische Gerichte in der italienischen Küche einen festen Platz. Wie abwechslungsreich und fantasievoll die vegetarische italienische Küche sein kann, zeigen die hier versammelten über 70 Rezepte, die alle leicht nachzukochen sind. Wer bei einem italienischen Kochbuch befürchtet, mit neuesten Kreationen von Pizza- und Pasta-Rezepten behelligt zu werden, wird angenehm überrascht sein: hier steht das Gemüse im Mittelpunkt. Auch wenn man viele Rezepte von ihrer Grundidee her kennt, werden hier fast ausschließlich interessante Varianten vorgestellt. Und auch eigene Kreationen des Restaurants machen Appetit aufs Ausprobieren: Das Türmchen aus Kartoffelomelett, Spinat, Ziegenkäse in Pfifferling-Tomatensauce zum Beispiel, oder als Nachtisch die kalt servierte Aubergine mit geschmolzener Schokolade und Pinienkernen.

Katia Veronio / Carmelo Callea: Vegetarisch all'Italiana.
AT-Verlag, 160 Seiten, 24,90 €.


„Zahltag – Ein Fall für Kostas Charitos“
von Petros Markaris

Griechenland in Zeiten der Krise: ein Land am Rande des Zusammenbruchs, die Sparmaßnahmen treffen vor allem die Armen und den Mittelstand, die Krankenkassen sind pleite, fast täglich bringen sich Menschen aus Verzweiflung um. In dieser Situation muss Kommissar Charitos im Fall eines Mannes ermitteln, der sich selbst als nationaler Steuereintreiber bezeichnet. Der Unbekannte fordert reiche säumige Steuerzahler auf, Ihre Schulden gegenüber dem Staat zu begleichen und droht mit Mord, sollte man seinen Forderungen nicht nachkommen. Zwei wohlhabende Athener, die die Ankündigungen nicht ernst genommen hatten, mussten ihre Haltung bereits mit dem Leben bezahlen. Wie einst Sokrates wurden sie mit Schierling vergiftet, Ihre Leichen wurden an antiken Stätten abgelegt. Das drastische Vorgehen zeigt schnell die erwünschte Wirkung: der dritte aufgeforderte Steuerhinterzieher, ein Baulöwe, zahlt seine Beträge umgehend an das Finanzamt, und plötzlich folgen immer mehr Reiche seinem Beispiel. Kommissar Charitos muss bei seinen Ermittlungen besonderes Fingerspitzengefühl beweisen, da höchste Kreise aus der Politik an dem Fall interessiert sind. Zudem treffen die Auswirkungen der Krise auch seine eigene Familie. Aufgrund ihrer finanziell unsicheren Situation beschließt Tochter Katerina, ein Job-Angebot der „UNO“ anzunehmen und nach Afrika auszuwandern. Die Schilderung der dramatischen Lage in Griechenland und eine spannende Krimi-Handlung – beides ist Petros Markaris gelungen.

Petros Markaris: Zahltag – Ein Fall für Kostas Charitos.
Diogenes, 418 Seiten, 22,90 €.


 Rezensionen von Frank R. Bulla 


„Er ist wieder da“
von Timur Vermes

Wenn man die Print-Ausgabe kennt, wird man vom Hörbuch geradezu hingerissen sein: Schauspieler Christoph Maria Herbst („Stromberg“), begnadeter Komödiant, hat hier eine weitere Paraderolle gefunden und begeistert als genialer und sehr vielseitiger Sprecher ungemein! Man erkennt Hitler wieder, kennt man sein Verhalten, seine Art zu reden doch aus zahlreichen Filmdokumenten, wie er mit prägnantem und zuweilen cholerischem Ausdruck die Dinge beim Namen nennt. Durch den Autoren bekommt der Protagonist des Romans zuweilen sogar fast etwas Sympathisches, Menschliches – eine Sichtweise, derer man sonst ausdrücklich abhold ist.

Autor Vermes nutzt die Person des Führers, der nach über 60 Jahren quasi wieder auferstanden ist, gleichsam als Vehikel, um damit durch die heutige Zeit zu steuern und das Erlebte neu zu bewerten. An manchen Stellen fragt man sich gar, ob es dem Autoren tatsächlich um den Führer ging oder doch mehr um eine Abrechnung mit den Merkwürdigkeiten der heutigen Zeit, sodass der Protagonist lediglich geeignetes Mittel zum Zweck war. Jedenfalls müssen in Vermes' Kritik diverse Volksvertreter ebenso herhalten wie die Wirtschaft, die Technik oder die Medien – eigentlich alles, was unser Leben heutzutage ausmacht und bestimmt: vom Handy bis zum Internet, von der Erziehung und der Sozialisation bis hin zum Arbeitsmarkt.

Vieles, weil für den Führer völlig neuartig, wird betrachtet wie mit den Augen eines Kindes und erinnert dadurch ein wenig an die unbedarfte und unbefangene, aber dennoch sehr kritische Sichtweise, wie sie in dem bereits vor Jahrzehnten erschienenen Buch „Der Papalagi“ an den Tag gelegt worden ist: dem fiktiven Reisebericht eines Südseehäuptlings, der erstmals die Gelegenheit hatte, die Wunder der zivilisierten Welt kennenzulernen. Der Reiz der Art und Weise, wie Vermes seinen Titelhelden die Dinge wahrnehmen lässt, besticht auch durch eine gewisse Unvorhersehbarkeit, weil manchen Dingen dann doch nicht der mehr kindliche Stempel aufgedrückt wird, sondern der nationalsozialistische oder diktatorische.

Zwar gibt es ein paar Szenen, bei denen man schlucken muss, aber insgesamt zeigt sich „Er ist wieder da“ als sehr amüsantes, humorvolles und kurzweiliges Machwerk. Mit Abstand eines der besten Hörbücher der vergangenen Jahre!

Wer sich bislang lediglich die Hörbuch-Fassung zu Gemüte geführt hat, wird erst recht gespannt sein auf die Wirkung, die das gedruckte Werk hinterlassen wird, hat man dabei doch ständig Christoph Maria Herbst's erstklassige, unnachhahmliche Rezitation im Ohr.

Timur Vermes: Er ist wieder da.
Eichborn Verlag. 400 Seiten, 19,33 €.
Hörbuch: Musicload, MP3-Format, 13,99 €.

Siehe auch Hörprobe zum Buch!

Geändert:  07 / 2020