„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2011



(Abb. N. N.)


 Rezensionen von Martin Banger 


„AbgrĂŒnde“
von Arnaldur IndriĂ°ason

Islands Wirtschaft boomt im Jahr 2005 in nie zuvor gekanntem Ausmaß. Ehrgeizige junge Unternehmer, die in ganz Island fĂŒr ihren Erfolg bewundert werden, machen durch clevere FinanzgeschĂ€fte weltweit von sich reden. In dieser Zeit des scheinbar unbegrenzten Wachstums stĂŒrzt ein Banker von einer Steilklippe in den Tod. Ein Jahr spĂ€ter wird Kommissar Sigur'ur Óli von einem Freund um Hilfe gebeten. Es geht zunĂ€chst um eine Erpressung, doch als der Kommissar die Erpresserin zur Rede stellen will, findet er diese brutal zusammengeschlagen vor. Kurze Zeit spĂ€ter stirbt die junge Frau und Sigur'ur Óli verwickelt sich immer tiefer in einen Fall, mit dem er offiziell gar nicht betraut wurde, und der mit dem Tod des verunglĂŒckten Bankers in Zusammengang zu stehen scheint. Schon bald gerĂ€t er in die Kreise, in denen das ganz große Geld gemacht wird.

Arnaldur IndriĂ°ason: AbgrĂŒnde.
LĂŒbbe, 432 Seiten, 19,99 €.


„Adrenalin“
von Greg Iles

Penn Cage ist BĂŒrgermeister in Natchez, Mississippi. Um seiner Stadt zu Geld zu verhelfen, hat er sich darum bemĂŒht, die Genehmigung fĂŒr GlĂŒcksspiele zu erhalten. Jetzt fahren prĂ€chtige Dampfschiffe auf dem Fluss, die alle zu Kasinos umgebaut wurden. Doch ein Schiff unterscheidet sich von den anderen: die „Magnolia Queen“ – auf ihr werden nur die finanzstĂ€rksten Spieler empfangen. Ein Freund von Penn Cage hat Beweise, dass an Bord massive Verbrechen verĂŒbt werden. Als er kurz darauf brutal ermordet wird, verbeißt Cage sich in den Fall. Schon bald steht fest: Die GĂ€ste der „Magnolia Queen“ kommen nicht nur wegen des GlĂŒcksspiels. Als Cage allmĂ€hlich begreift, dass seine schöne Stadt so manche dunkle Seite hat, ist er auch schon in die Machenschaften von skrupellosen Gangstern verwickelt.

Greg Iles: Adrenalin.
LĂŒbbe, 653 Seiten, 9,99 €.


„Allmen und der rosa Diamant“
von Martin Suter

Allmen und Carlos stehen wieder einmal kurz vor der Pleite, da kommt – Rettung in letzter Minute – der ersehnte Auftrag ins Haus, und damit der erste wirklich große Fall fĂŒr „Allmen International Inquiries“. Doch allzu schnell stellt sich heraus, dass dieser Auftrag vielleicht etwas zu groß fĂŒr die beiden frisch gebackenen Detektive ist. Ein sehr wertvoller rosa Diamant ist seinem Besitzer abhanden gekommen, und der in der Schweiz lebende Russe Sokolow wird verdĂ€chtigt, ihn entwendet zu haben. Was zunĂ€chst recht ĂŒbersichtliche erscheint, entpuppt sich als verworrener Fall mit internationalen Verwicklungen. Als Allmen Sokolow findet, ist dieser schon nicht mehr am Leben. Almen und Carlos folgen der Spur des Diamanten ĂŒber London und ZĂŒrich ins deutsche Ostseebad Heiligendamm und von dort zurĂŒck zum GĂ€rtnerhaus der Villa Schwarzacker. Und langsam wird den beiden klar, dass es gar nicht um einen Diamanten geht ...

Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant.
Diogenes, 208 Seiten, 18,90 €.


„Ahnenland
oder Die Suche nach der Seele meiner Familie“
von Boris KĂĄlnoky

Als Boris KĂĄlnoky's Großvater HugĂł aus dem kleinen Dorf in Transsilvanien in die weite Welt hinaus wollte, kam er nicht weit: Auf halbem Weg verliebte er sich und fĂŒhrte seine Herzensdame kurzerhand ins Schloss zu Köröspatak zurĂŒck. Über 700 Jahre lebte das Adelsgeschlecht der KĂĄlnokys dort am Fuße der Karpaten – einem heiß umkĂ€mpften Landstrich in der Mitte Europas, der bis heute von einem Völkergemisch aus Ungarn, Deutschen und RumĂ€nen bewohnt ist. Ebenso bewegt wie die Geschichte ihres Landes ist auch die Familiengeschichte der KĂĄlnokys: Königsrichter und Rebellen, Hasardeure und Husaren, „k. u. k.“-Minister und Literaten sind aus ihr hervorgegangen. 1938 wurde die Familie dann von den RumĂ€nen des Landes verwiesen – und spĂ€ter enteignet. Boris KĂĄlnoky kannte das Land seiner Vorfahren lange Zeit nur aus ErzĂ€hlungen. Als er erstmals zum einstigen Schloss seines Großvaters reiste, war er nicht darauf gefasst, mitten im Nirgendwo plötzlich die Seele seiner Familie zu finden – und dem Zauber der Heimat zu erliegen ...

Boris KĂĄlnoky: Ahnenland
oder Die Suche nach der Seele meiner Familie.
Droemer, 496 Seiten, 22,99 €.


„Allmen und die Libellen“
von Martin Suter

Mit „Allmen und die Libellen“ startet Martin Suter eine neue Krimiserie. Zentrale Figur ist Allmen, ein eleganter Gentleman, Lebemann, Kunstsammler und charmanter Hochstapler, der im Laufe der Jahre das Millionenerbe seines Vaters durchgebracht hat. Lebte Allmen frĂŒher in einer vornehmen Villa, muss er inzwischen in einem GewĂ€chshaus im Park ĂŒbernachten. Bei seinen Abenteuern begleitet ihn Carlos, ein ehemaliger Schuhputzer aus Guatemala, jetzt ‚MĂ€dchen fĂŒr alles‘ bei Allmen. So schlecht Allmen mit Geld umgehen kann, so erfahren ist er im Umgang mit Schulden und GlĂ€ubigern. Insbesondere die diskrete GeschĂ€ftsbeziehung zu einem AntiquitĂ€tenhĂ€ndler hilft ihm immer wieder aus der Klemme. Anfangs war Allmen bei ihm guter Kunde, mittlerweile ist er guter Lieferant, erst mit StĂŒcken aus der eigenen Sammlung, dann mit Objekten, ĂŒber deren Herkunft ein Gentleman besser schweigt. FĂŒnf zauberhafte Jugendstil-Schalen, jede verziert mit einer großen Libelle, bringen ihn und Carlos auf eine GeschĂ€ftsidee: eine Firma fĂŒr die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Doch noch befinden sich diese Schalen gar nicht in ihrem Besitz ...

Martin Suter: Allmen und die Libellen.
Diogenes, 208 Seiten, 18,90 €.


„Ausgelöscht“
von Cody McFadyen

Smoky Barrett und die anderen HochzeitsgĂ€ste blicken gespannt auf das Brautpaar vor dem Altar. Kaum hat dieses sich das Ja-Wort gegeben, kommt ein schwarzer Mustang angerast und hĂ€lt mit quietschenden Bremsen direkt vor der Kirche. Als sich die TĂŒr des Wagens öffnet, wird eine Frau auf die Straße gestoßen. Die Frau ist stark unterernĂ€hrt, ihr kahl geschorener Kopf von blutigen Schnitten gezeichnet. Doch das Erschreckendste an ihr: Sie kann nicht sprechen. Sie taumelt auf den Altar zu, fĂ€llt auf die Knie und stĂ¶ĂŸt einen lautlosen Schrei aus. Es stellt sich heraus, dass es sich bei ihr um eine Polizistin handelt, die vor sieben Jahren spurlos verschwunden war. Da jemand gezielt einige Nervenbahnen ihres Gehirns durchtrennt hat, wird sie nie wieder sprechen können. Bei ihren Ermittlungen stoßen Smoky und ihr Team auf immer mehr FĂ€lle von verschwundenen Frauen, die nach langer Zeit wieder auftauchen und Opfer einer schrecklichen Gehirn-OP wurden. Eine einzige gemeinsame Verbindung scheint es zu geben: die bei allen gescheiterte Ehe. Als Smoky nach einem TĂ€ter fahndet, der seine Opfer im Internet findet, entschließt sie, ihm eine Falle zu stellen. Doch damit rechnet der Gesuchte.

Cody McFadyen: Ausgelöscht.
LĂŒbbe, 464 Seiten, 19,99 €.


„Böse Dinge geschehen“
von Harry Dolan

Kaum ist David Loogan nach Ann Arbor gezogen, lernt er den Verleger Tom Kristoll kennen, der ihn als Redakteur bei seinem Krimi-Magazin einstellt. Die MĂ€nner freunden sich schnell miteinander an, so sehr, dass Loogan sich bereit erklĂ€rt, seinen Chef bei einem ungewöhnlichen Vorhaben zu unterstĂŒtzen. Eine Leiche muss beseitigt werden, und Loogan stellt nicht allzu viele Fragen. Doch kaum ist das heikle Projekt abgeschlossen, wird wird der Verleger selbst tot aufgefunden. Kommissarin Elizabeth Waishkey ĂŒbernimmt die Ermittlungen und hat schon bald David als TĂ€ter im Visier. Der sieht keine andere Möglichkeit, als selbst Nachforschen anzustellen. WĂ€hrend er und die Kommissarin sich stĂ€ndig in die Quere kommen, scheint nach und nach der gesamte Autorenstamm von Loogans Magazin das Zeitliche zu segnen. Loogan ist sich sicher, eine heiße Spur zu verfolgen – dumm nur, dass er Angst im Dunkeln hat ...

Harry Dolan: Böse Dinge geschehen.
DTV, 416 Seiten, 14,90 €.


„Choral des Todes“
von Jean-Christophe Grangé

In der kleinen armenischen Kirche Saint-Jean-Baptiste in Paris wird der Mann an der Orgel brutal ermordet aufgefunden. Lionel Kasdan, ehemaliger Polizist mit armenischen Wurzeln, ist zufĂ€llig als Erster am Tatort, nur kurz nachdem das Verbrechen verĂŒbt wurde. Die Chorjungen, die sich in unmittelbarer NĂ€he des Geschehens befinden, hĂ€tten den Mörder eigentlich sehen mĂŒssen, doch von denen will keiner etwas mitbekommen haben. Der Fall lĂ€sst Kasdan nicht mehr los, und als er auf eigene Faust zu recherchieren beginnt, findet er heraus, dass der Tote, der den Knabenchor leitete, seinerzeit vor dem Pinochet-Regime von Chile nach Frankreich floh. WĂ€hrend seiner Ermittlungen lernt Kasdan den jungen Polizisten CĂ©dric Volokine kennen, der ebenfalls in dem Fall ermittelt und ebenfalls nicht offiziell damit beauftragt wurde. Volokine arbeitet im Jugendschutzdezernat und durchlĂ€uft gerade eine Entzugstherapie wegen seiner Heroinsucht. Die beiden freunden sich mehr oder weniger miteinander an und ĂŒberprĂŒfen schließlich die Möglichkeit eines Mordes mit politischem Hintergrund. Als weitere Morde geschehen, geraten die beiden Ermittler immer tiefer in den Sog der unbearbeiteten Vergangenheit der französischen MilitĂ€r- und Kolonialgeschichte, deren Verbrechen noch heute schwerwiegende Folgen haben.

Jean-Christophe Grangé: Choral des Todes.
LĂŒbbe, 576 Seiten, 9,99 €.


„Dark Silence“
von Lisa Jackson

Marla Cahill ĂŒberlebt einen brutalen Mordanschlag auf einem Highway in San Francisco, doch sie kann sich an nichts mehr erinnern. Weder an ihr Baby, das nach dem Autounfall spurlos verschwunden ist, noch an ihre Beifahrerin, die den Unfall nicht ĂŒberlebt hat. Auch ihre Familie kommt ihr vollkommen fremd vor, besonders ihr Ehemann, der sie im Krankenhaus vehement von der Außenwelt abschottet. Zu ihrem Besten, wie er sagt. Doch ist Marla wirklich Marla? Und wem kann die Frau ohne GedĂ€chtnis noch vertrauen, wenn ein wahnsinniger Serien-Killer ihr nach dem Leben trachtet? Als Marla's Erinnerungen langsam und in BruchstĂŒcken zurĂŒckkehren, ist es beinahe schon zu spĂ€t ...

Lisa Jackson zĂ€hlt zu den amerikanischen Top-Autorinnen, deren Romane regelmĂ€ĂŸig die Bestsellerlisten der „New York Times“, der „USA Today“ und der „Publishers Weekly“ erobern. Ihre Hochspannungs-Thriller wurden in 15 LĂ€nder verkauft.

Lisa Jackson: Dark Silence.
Knaur, 560 Seiten, 8,95 €.


„Das Netz der großen Fische“
von Andrea Camilleri

Die junge Amalia Sacerdote, Tochter eines einflussreichen Politikers, wird ermordet aufgefunden. In Tatverdacht gerĂ€t sofort ihr Verlobter, Manlio Caputo, der der Sohn eines Abgeordneten der sizilianischen Linkspartei ist. Beim Sender des italienischen Staatsfernsehen „RAI“ hĂ€lt man diese Meldung zunĂ€chst noch zurĂŒck, um weitere Informationen abzuwarten. Programmdirektor Michele Caruso weiß, dass es hinter den politischen Kulissen kaum ohne Intrigen abgeht und dass verschiedene KrĂ€fte versuchen werden, den Mord fĂŒr sich zu nutzen. Geschickt nutzt er die eigenen Möglichkeiten und Verbindungen, um das Aufdecken des Falls voranzutreiben. Auch ohne seinen Commissario Montalbano ist Camilleri wieder ein spannender und vor allem gesellschaftskritischer Krimi gelungen.

Andrea Camilleri: Das Netz der großen Fische.
LĂŒbbe, 224 Seiten, 19,99 €.


„Das Paradies des August Engelhardt“
von Marc Buhl

Eine wahre Geschichte, die sich in der Zeit des des wilhelminischen Kaiserreichs ereignete, diente als Vorlage zu diesem Roman. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangt der 27-jĂ€hrige August Engelhardt auf die Insel Kabakon nördlich von Australien. Der Aussteiger aus Deutschland hofft, in der SĂŒdsee Freiheit und ErfĂŒllung zu finden. Die junge Kolonie Deutsch-Neuguinea, die bislang nur von wenigen EuropĂ€ern besucht wurde, scheint ihm diese Möglichkeit zu bieten. Die EuropĂ€er auf der Insel, der Gouverneur der Kolonialhauptstadt Herbertshöhe, der Missionar und die wenigen Beamten, sind sich sicher, dass der sonderbare Gast nicht lange unter den Eingeborenen ĂŒberleben kann. Diese aber akzeptieren seine Anwesenheit schneller als erwartet. Engelhardt will seine Vorstellung eines ursprĂŒnglichen Lebens verwirklichen, indem er auf Kleidung verzichtet und sich schwört, kein Lebewesen zu töten. Mit der Zeit gewinnt er die Anerkennung der Eingeborenen und die der deutschen Bewohner der Nachbarinseln. FĂŒr eine Weile scheint Engelhardt sein Paradies gefunden zu haben. Als man in Deutschland von ihm hört, machen sich immer mehr Aussteiger auf die Reise nach Kabakon. In Engelhardt sehen die Neuankömmlinge einen Vorreiter und geistigen FĂŒhrer. Aus dem Wunsch nach Abkehr von der Zivilisation entsteht schließlich eine Religion – der Kokovorismus, der die reine KokosnussdiĂ€t lehrt. Doch kaum jemand ist in der Lage, die asketischen Ideale zu verwirklichen, die Engelhardt seiner kleinen Gemeinde vorlebt. Alleingelassen versinkt der Held der Geschichte in Erinnerungen und Phantasien.

Marc Buhl: Das Paradies des August Engelhardt.
Eichborn, 236 Seiten, 18,95 €.


„Das weiße MĂ€dchen“
von Andreas Laudan

In der kargen Moor- und Waldlandschaft des niedersĂ€chsischen Wendlands berichten Autofahrer immer wieder von einer unheimlichen Erscheinung am Straßenrand. „Das weiße MĂ€dchen“ soll der Geist der vor langer Zeit aus Verchow verschwundenen Christine Herforth sein, die angeblich ermordet wurde. Die Journalistin Lea Petersen, die fĂŒr eine niedersĂ€chsische Tageszeitung arbeitet, erhĂ€lt ĂŒber 20 Jahre nach dem Verschwinden des damals 16-jĂ€hrigen MĂ€dchens eine anonyme Mail, die sich auf den nie aufgeklĂ€rten Vermisstenfall bezieht. Lea Petersens Interesse ist sofort geweckt, sie fĂ€hrt nach Verchow und beginnt, die Bewohner zu befragen. Doch bei den Dorfbewohnern stĂ¶ĂŸt sie auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung. Die einzige Ausnahme ist der attraktive Kai, der Neffe ihres Vermieters im Ort. Als Lea schon nicht mehr glaubt, etwas ĂŒber den Fall herauszubekommen, hat sie eines Abends selbst eine Begegnung mit dem weißen MĂ€dchen. Oder hat sie sich die nur eingebildet? Vielleicht war es ein Lichtreflex, in dem sie meinte, ein Gesicht zu erkennen. Ohne es zunĂ€chst zu bemerken, gerĂ€t Lea Petersen im idyllischen Wendland mehr und mehr selbst in Gefahr.

Andreas Laudan: Das weiße MĂ€dchen.
DTV, 336 Seiten, 8,95 €.


„Den ersten Stein“
von Elliott Hall

In den USA kommt es in kĂŒrzester Zeit zu dramatischen Entwicklungen. Christliche Fundamentalisten haben die Macht ĂŒbernommen und die BĂŒrgerrechte weitgehend eingeschrĂ€nkt. Als der Prediger Isaiah, dessen Radiosendung fast bundesweit bekannt ist, in New York ermordet wird, beauftragt man Privatermittler Felix Strange mit dem Fall – eine unĂŒbliche Vorgehensweise, die Strange zunĂ€chst an den Absichten seiner Auftraggeber zweifeln lĂ€sst. Obwohl Strange kein Freund der Evangelikalen ist, bleibt ihm keine Wahl. Im Iran-Krieg hat er sich eine Krankheit zugezogen, die sein Leben stark verkĂŒrzen wird. Die Medikamente gegen sein Leiden kann er sich nur auf dem Schwarzmarkt beschaffen. Ihm ist klar, dass seine Auftraggeber ihre eigenen Ziele verfolgen: Sie mĂŒssen einen Grund dafĂŒr haben, ausgerechnet ihn mit dem Fall zu beauftragen. Ihm bleibt nur wenig Zeit, um das RĂ€tsel zu lösen. Schon bald entdeckt er, dass Isaiah hochrangige Politiker und Prominente erpresst hat, doch ihm bleiben nur sieben Tage, den TĂ€ter zu finden.

Elliott Hall: Den ersten Stein.
DTV, 350 Seiten, 14,90 €.


„Der blutige weiße Baron“
von James Palmer

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist reich an furchtbaren Despoten, doch mancher von ihnen ist heute in Vergessenheit geraten. Das gilt zumindest fĂŒr Nicolai Robert Max Baron von Ungern-Sternberg, der 1885 in Graz in einer deutsch-estnischen Familie geboren wurde und im damaligen Reval aufwuchs. Der Aristokrat, der Anti-Semitismus, fromm-fanatischen Buddhismus und hasserfĂŒllten Anti-Kommunismus in sich vereinte, sah sich selbst als Nachfahre Dschingis Khan. Mit seiner Truppe aus Weißrussen, Sibiriern, Japanern und Mongolen eroberte er 1920 die Mongolei. WĂ€hrend einer 130-tĂ€gigen Herrschaft ließ er Kommissare, Kommunisten und Juden zusammen mit ihren Familien vernichten. Sein grausamer Kreuzzug gegen den Bolschewismus im russischen BĂŒrgerkrieg sollte den Traum eines frĂŒhen Fundamentalisten verwirklichen: ein Großreich, das sich von China bis zum Ural erstreckt. Die meisten russischen Befehlshaber, ob sie zur bolschewistischen Roten Armee gehörten oder zu deren Gegnern, hatten kein Problem damit, Tausende von BĂŒrgern niederzumetzeln, mal im Namen des Volkes, mal in dem des Zaren, aber keinem wĂ€re es je eingefallen, dies, wie von Ungern-Sternberg, im Namen Buddhas zu tun. James Palmer, Historiker und Journalist, unternahm Reisen durch die Mongolei, Russland und China und wertete Berichte von Zeitgenossen aus, um dem unheimlichen Leben dieser zu Lebzeiten legendĂ€ren Gestalt in einer erhellenden und spannenden Biographie auf die Spur zu kommen.

James Palmer: Der blutige weiße Baron.
Eichborn, 380 Seiten, 32,00 €.


„Der Hypnotiseur“
von Lars Kepler

An einem Sportplatz in der NĂ€he Stockholms wird die Leiche eines brutal ermordeten Mannes entdeckt. Kurz darauf werden auch die Frau und die Tochter ebenso bestialisch getötet aufgefunden. Offenbar wollte der TĂ€ter die ganze Familie auslöschen, doch der Sohn ĂŒberlebt schwer verletzt. Als Kriminalkommissar Joona Linna erfĂ€hrt, dass es ein weiteres Familienmitglied gibt, eine Schwester, wird ihm klar, dass er sie vor dem Mörder finden muss. Da der traumatisierte Junge kaum ansprechbar ist, wendet sich Joona Linna an den Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark. Der zögert zunĂ€chst, sich mit der Sache zu beschĂ€ftigen, da er sich nach einem frĂŒheren Fall geschworen hatte, niemals mehr zu hypnotisieren. Da es um ein Menschenleben geht, willigt er schließlich ein, den Jungen in Trance zu versetzen. Was er dabei erfĂ€hrt, lĂ€sst ihm das Herz gefrieren ...

Hinter dem Pseudonym Lars Kepler stehen die schwedischen Autoren Alexandra und Alexander Ahndoril. Mit ihrem KrimidebĂŒt waren sie in ihrer Heimat so erfolgreich, dass „Der Hypnotiseur“ nun in ĂŒber 30 LĂ€ndern veröffentlicht wird.

Lars Kepler: Der Hypnotiseur.
Bastei-LĂŒbbe, 638 Seiten, 19,99 €.


„Der Monstrumologe“
von Rick Yancey

Die Geschichte spielt im Jahre 1888 in New Jerusalem: Der Junge Will Henry ist ein Waisenkind und wurde nach dem Tod seiner Eltern von dem seltsamen Doktor Warthrop aufgenommen. Dort arbeitet er inzwischen als dessen Assistent. Doch anstatt den Haushalt eines Philosophen zu fĂŒhren, den Doktor Warthrop nach außen hin darstellt, warten ganz andere Aufgaben auf Will Henry. Der Doktor ist Monstrumologe, er studiert Monster und macht Jagd auf sie. Innerhalb seines ohnehin schon ungewöhnlichen Fachs hat sich Warthrop einem Spezialgebiet verschrieben, den Anthropophagen – kopflosen Monstern, die sich ausschließlich von Menschenfleisch ernĂ€hren. Als eines Abends ein GrabrĂ€uber seinen schrecklichen Fund im Labor abliefert, beginnt eine neues Kapitel in der Arbeit des Doktors. Ein kopfloses Etwas hat sich in die Leiche einer jungen Frau verbissen, und Doktor Warthrop weiß sofort, dass er und Will die einzigen sind, die die Menschen vor einer neuen Anthropophagenplage retten können. Gruselige Unterhaltung mit zum Teil sehr drastischen bildhaften Beschreibungen, die sicher nichts fĂŒr schwache Nerven sind.

Rick Yancey: Der Monstrumologe.
LĂŒbbe, 416 Seiten, 14,99 €.


„Der Spieler“
von David Baldacci

Nach „Die WĂ€chter“ und „Die Sammler“ ist dies der dritte von fĂŒnf BĂ€nden um den „Camel Club“, der jetzt als Taschenbuch vorliegt (Band fĂŒnf ist in Deutschland noch nicht erschienen). Der „Camel Club“ ist eine kleine eingeschworene Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die geheimen Machenschaften der amerikanischen Regierung aufzudecken. Die TrickbetrĂŒgerin Annabelle Conroy hat den Kasinobesitzer Jerry Bagger um 40 Millionen Dollar betrogen, um sich am Mord an ihrer Mutter zu rĂ€chen. Nun ist sie auf der Flucht, denn Bagger setzt alles daran, sie ausfindig zu machen und ebenfalls umzubringen. Oliver Stone und die anderen Mitglieder aus dem „Camel Club“ bieten ihr RĂŒckendeckung und unterstĂŒtzen sie darin, Bagger endgĂŒltig zur Strecke zu bringen. Als mehrere ehemalige Geheimdienst-Agenten, mit denen Stone frĂŒher zu tun hatte, ermordet werden, ist plötzlich sein eigenes Leben in Gefahr. Stone, der seine Vergangenheit streng geheim hĂ€lt, muss untertauchen. Doch auch auf seinen sein persönlichen Feind, Carter Gray, wird ein Anschlag verĂŒbt, was die Situation nur noch verworrener macht. Gray dagegen sieht seine Chance gekommen, sich an den Killern und Stone gleichermaßen zu rĂ€chen.

David Baldacci: Der Spieler.
LĂŒbbe, 480 Seiten, 9,99 €.


„Die Botschaft der Nahrung“
von Fritz-Albert Popp

Unsere Lebensmittel in neuer Sicht

Um 1923 entdeckte Alexander Gurwitsch ultraschwache Lichtstrahlung in lebenden Zellen. Gurwitsch nahm an, dass Zellen durch Photonen kommunizieren und so zum Beispiel das Zellwachstum regeln. Doch was Gurwitsch „mitogenetische Strahlung“ nannte, geriet bald in Vergessenheit, um erst sehr viel spĂ€ter von der Forschung wieder aufgegriffen zu werden. Die Bedeutung dieser ultraschwachen Strahlung ist umstritten, meist geht man davon aus, dass diese auf Stoffwechselstörungen beruht. Die deutsche Arbeitsgruppe um den Physiker Fritz-Albert Popp entwickelte jedoch einen eigenen Forschungs- und ErklĂ€rungsansatz, der davon ausgeht, dass diese Strahlung, Ă€hnlich wie Gurwitsch es vermutete, biochemische Prozesse koordiniert. Sollte dies stimmen, und die Arbeiten Popps legen dies nahe, ohne je widerlegt worden zu sein, hĂ€tte dies weitreichende Konsequenzen fĂŒr unser Bild der Biologie und unsere Vorstellungen von gesunder ErnĂ€hrung. Nach Popp nehmen wir mit der Nahrung gespeichertes Licht auf, das unsere Zellen brauchen, um sich mit Lichtquanten (Photonen) Signale zufunken zu können. Nicht einzelne NĂ€hrstoffe entscheiden dann allein ĂŒber den Wert eines Nahrungsmittels, sondern auch dessen LichtspeicherfĂ€higkeit. Ein ausfĂŒhrliches GesprĂ€ch des Wissenschaftsjournalisten Mathias Bröckers mit Fritz-Albert Popp fĂŒhrt in die Thematik ein. Popp gibt hier Aufschluss ĂŒber die Geschichte der Biophotonik, ihren Stellenwert in der Krebsdiagnostik, seine Auffassungen zur Wirksamkeit von Homöopathie, ĂŒber Mobbing im Wissenschaftsbetrieb und die Forschungsperspektiven der Biophotonik.

Fritz-Albert Popp: Die Botschaft der Nahrung.
Verlag Zweitausendeins, 182 Seiten, 9,99 €.


„Die spinnen, die Finnen –
Mein Leben im hohen Norden“
von Dieter Hermann Schmitz

Ausgerechnet die rheinische Frohnatur Hermann Schmitz hat es nach Finnland gezogen. Doch auch wenn er schon seit Jahren dort lebt, ist er noch immer nicht richtig in Finnland angekommen. Obwohl er inzwischen eine finnische Frau und zwei Kinder hat, bleiben ihm viele Eigenarten und Vorlieben der Finnen rĂ€tselhaft. Um sich endlich richtig zu integrieren, stellt er einen Sieben-Punkte-Plan auf, um zum echten Finnen zu werden. WĂ€hrend Schmitz sich auf die Suche nach dem Finnen in sich selbst macht, werden auch wir Leser ein wenig vertrauter mit dieser merkwĂŒrdigen Kultur, die so viel KĂ€lte und Dunkelheit ertrĂ€gt. Niemand kann so gut schweigen wie die Finnen. Niemand kann mehr trinken. Niemand hat schrĂ€gere Metal-Bands. Wir begegnen Elchen und BĂ€ren, aber auch der Leidenschaft der Finnen fĂŒr den Tango. Und dann gibt es da noch Finnlands spezielles VerhĂ€ltnis zur Erbsensuppe, das sich nicht zuletzt darin zeigt, dass es dort DuftbĂ€umchen in dieser Geruchsvariante gibt.

Dieter Hermann Schmitz: Die spinnen, die Finnen –
Mein Leben im hohen Norden.
Ullstein, 368 Seiten, 8,95 €.


„Dschibuti“
von Elmore Leonard

Dara Barr, Mitte 30, ist erfolgreiche Dokumentarfilmerin, die schon die höchsten Preise abgerĂ€umt hat, den „Oscar“, die „Goldene Palme“ in Cannes – was es eben so gibt. An ihrer Seite befindet sich Xavier LeBo, engster Vertrauter, Kameramann und allgemein ein cooler Typ. Die beiden sind nach Dschibuti gekommen, um Bekanntschaft mit den Piraten des Roten Meeres zu machen. Dabei begegnen ihnen ein ÖlmilliardĂ€r, ein Fashion-Model mit HeiratsplĂ€nen, ein „Al Qaida“-Terrorist, der unbedingt etwas Großes in die Luft jagen will und ein entfĂŒhrter Tanker, der randvoll mit FlĂŒssiggas gefĂŒllt ist. Vor allem mĂŒssen Dara und Xavier noch einige grundlegende Frage klĂ€ren, zum Beispiel, ob sie den Film wirklich als Doku drehen wollen oder doch lieber als Hollywood-Thriller. Und wie sie bis dahin am Leben bleiben können.

Elmore Leonard ist Autor von 44 Romanen, von denen viele – wie „Get Shorty“, „Out of Sight“ oder „Jackie Brown“ – mit großem Erfolg verfilmt wurden. Seine Storys zeichnen sich durch verschlungene Handlungen aus, die mit immer neuen Überraschungen aufwarten.

Elmore Leonard: Dschibuti.
Eichborn, 319 Seiten, 19,95 €.


„Ein Herzschlag bis zum Tod“
von Sara J. Henry

Die junge Journalistin Troy fĂŒhrt ein nicht sehr geregeltes Leben. Sie hĂ€lt sich mehr mit dem Verkauf von Sportartikeln ĂŒber Wasser als mit dem Schreiben fĂŒr die Zeitung. Eines Tages beobachtet sie, wie ein Kind von einer FĂ€hre aus ĂŒber Bord geworfen wird. Mit einem Sprung ins eiskalte Wasser riskiert sie ihr eigenes Leben und rettet einen Jungen. Als sie anschließend versucht, Angehörige des kleinen Paul zu finden, wird dieser offenbar von niemandem vermisst. Da die Ärmel seines T-Shirts verknotet waren, geht Troy von einem Mordversuch aus. Nach und nach gewinnt sie Pauls Vertrauen, doch da der Junge nur gebrochenes Englisch spricht, braucht sie eine Weile, um seine furchtbare Geschichte zusammenzusetzen. Paul wurde gemeinsam mit seiner Mutter entfĂŒhrt und monatelang in einem kahlen Zimmer gefangen gehalten. Da der Vater mit der Sache zu tun haben könnte, beschließt Troy, den Kleinen solange nicht den Behörden oder dem Vater zu ĂŒbergeben, bis sie sich sicher ist, dass dieser nicht in das Verbrechen verwickelt ist. Ein Entschluss, der dramatische und hochgefĂ€hrliche Folgen haben wird ...

Sara J. Henry: Ein Herzschlag bis zum Tod.
DTV, 336 Seiten, 14,90 €.


„Ein Riesling zum Abschied“
von Paul Grote

An der Hochschule des deutschen Weinbaus in Geisenheim hat sich ein Mord ereignet. Die Studentin Alexandra wurde erschlagen aufgefunden, und alle Indizien weisen auf Manuel Stern, den Geliebten der Toten, als Mörder hin. Thomas Achenbach, ebenfalls Student an der Hochschule und Freund des VerdĂ€chtigen, glaubt als einziger an dessen Unschuld. Er hielt Alexandra von Anfang an fĂŒr verschlagen und berechnend und glaubt, dass sie nur hinter Manuels Geld her war. Kommissar Sechser jedoch ist von Manuel's Schuld ĂŒberzeugt und spart sich jede weitere Ermittlungsarbeit. Thomas bleibt nichts ĂŒbrig, als selbst nachzuforschen, wenn er Manuel helfen will. Zum GlĂŒck steht Johanna Breitenbach, Dozentin an der Hochschule, auf seiner Seite. Ausgerechnet ein Riesling bringt Johanna auf die richtige Spur ...

Paul Grote ist nicht nur ein spannender und unterhaltsamer Krimi gelungen, wie in seinen anderen Wein-Krimis fĂŒhrt den Leser wieder ein in die Welt des Weinanbaus und des Weinhandels. Diesmal stehen der ökologische Weinbau und die Interessen der chemischen Industrie im Mittelpunkt der Handlung.

Paul Grote: Ein Riesling zum Abschied.
DTV, 384 Seiten, 8,95 €.


„Elf Leben“
von Mark Watson

Xavier Ireland, Mitte 30, lebt im London und ist tagsĂŒber ein begeisterter Turnier-Scrabble-Spieler. Nachts ist er Radiomoderator, der die Anrufe von verzweifelten Menschen entgegen nimmt und ihnen zuhört. Die Schlaflosen rufen ihn an, um mit ihm zu reden, ihm ihre Geschichten zu erzĂ€hlen aus der anonymen Millionenstadt London. So sehr Xavier sich den Anliegen seiner Anrufer widmet, so sehr verwundert es, dass er den Problemen der Menschen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft aus dem Wege geht. Und was ist mit Xaviers eigener Geschichte? In seinem Leben scheint es ein Geheimnis zu geben, von dem er niemandem je etwas erzĂ€hlt. Er ist in Australien aufgewachsen, hatte dort Freunde, seine große Liebe – doch dann ging er fort, Ă€nderte seinen Namen, fing noch mal ganz von vorn an. Erst als er sich in die lebenslustige Pippa verliebt, beginnt er, sich jemandem anzuvertrauen und in seinem eigenen Leben aufzurĂ€umen. Parallel werden die Schicksale von elf Menschen erzĂ€hlt, in dessen Zentrum die Geschichte Xaviers steht. Elf Menschen, die sich niemals begegnen werden, deren Lebenswege unmittelbar miteinander verknĂŒpft sind. Erst gegen Ende des Romans offenbart sich, wie die zunĂ€chst unzusammenhĂ€ngenden Handlungen in einem grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang stehen.

Mark Watson: Elf Leben.
Eichborn, 272 Seiten, 19,90 €.


„Fast genial“
von Benedict Wells

Francis Dean, der bald 18 wird, lebt zusammen mit seiner psychisch kranken Mutter Katherine in einem Trailerpark an der OstkĂŒste der USA. Bisher hatte Francis seinen Stiefvater, von dem Katherine schon lange geschieden ist, fĂŒr seine aussichtslose Lage verantwortlich gemacht. Seinem leiblichen Vater ist Francis nie begegnet. Nach dem wenigen, was seine Mutter ĂŒber ihn erzĂ€hlt hat, musste Francis annehmen, dass sein Vater weit entfernt lebt und nur eine kurze AffĂ€re mit seiner Mutter hatte. Bisher glaubte er, das Kind eines Versagers zu sein, doch jetzt muss erfahren, dass er ein Retortenkind ist und sein Vater ein ĂŒberdurchschnittlich intelligenter Wissenschaftler. Francis Mutter hatte Anfang der 80er Jahre an einem Experiment teilgenommen, das sich um die Frage drehte, ob Intelligenz vererbbar sei. Obwohl seine Mutter nicht bereit ist, ihm den Namen seines Vaters zu nennen, beschließt Francis, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Begleitet von seiner Freundin Anne-May und seinem besten Freund Grover begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise an die WestkĂŒste, wo sein Vater leben soll, und besucht zunĂ€chst die Klinik, an der das Experiment damals stattgefunden hatte. Dort muss er erfahren, dass inzwischen alle Unterlagen vernichtet wurden. Dennoch stĂ¶ĂŸt Francis auf eine Spur, die ihn zu seinem Vater fĂŒhren könnte.

Benedict Wells: Fast genial.
Diogenes, 336 Seiten, 19,90 €.


„Faule Kredite – Ein Fall fĂŒr Kostas Charitos“
von Petros Markaris

Und wieder ein spannender Krimi aus der Feder des beliebtesten Athener Autors mit aktuellem Bezug: Die Finanzkrise legt Griechenland lahm. Niemand hĂ€lt mehr die Arbeitszeiten ein, ĂŒberall wird diskutiert und protestiert. Arbeitnehmer, Rentner und Studenten gehen auf die Straße, und ihre DemonstrationszĂŒge verstopfen das Zentrum Athens mehr, als es der Verkehr je tat. Auch Familie Charitos muss den GĂŒrtel enger schnallen. Gerade haben Kostas und Adriani noch die Hochzeit ihrer einzigen Tochter Katerina ausgerichtet und sich zum ersten Mal seit 30 Jahren ein neues Auto geleistet – und nun wissen sie nicht mehr, wie sie die Raten abzahlen sollen. Als dann innerhalb weniger Tage zwei Banker auf grausame Weise umgebracht werden, herrscht in der Finanzwelt höchste Alarmstufe. Auch weil Presse und Polizei die Hypothese eines Terroranschlags nicht ausschließen. Der Hass auf die Banken scheint in der Tat immer grĂ¶ĂŸer zu werden: Die Stadt wird ĂŒber Nacht mit Plakaten tapeziert, auf welchen die BĂŒrger zur Verweigerung der RĂŒckzahlung von Krediten aufgefordert werden. Die Krise mit ihren AuswĂŒchsen beschert Kostas Charitos und der Athener Polizei mehr Arbeit und Hektik denn je zuvor. Geduld und Sorgfalt wĂ€ren angesagt, doch dafĂŒr hat niemand Zeit. Denn Zeit ist Geld, und Geld gibt's keines.

Petros Markaris: Faule Kredite – Ein Fall fĂŒr Kostas Charitos.
Diogenes, 396 Seiten, 22,90 €.


„Food Crash“
von Felix zu Löwenstein

Wir werden uns ökologisch ernÀhren oder gar nicht mehr

Auch wenn Bio-Lebensmittel inzwischen ihren festen Platz in unseren Supermarktregalen erobert haben, nehmen sie insgesamt nur einen geringen Anteil an allen produzierten Nahrungsmitteln ein. Um sieben Milliarden Menschen zu ernĂ€hren, mĂŒssen wir auf Gentechnik, KunstdĂŒnger und Pestizide setzen, behauptet die Nahrungsmittel-Industrie, die biologische Lebensmittel als Luxus fĂŒr die Reichen ansieht. Doch stimmt diese These wirklich oder handelt es sich um eine Marketingstrategie derjenigen, die von chemischen Zusatzstoffen, Biotech und patentiertem Saatgut leben? Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Agrarwissenschaftler und Biolandwirt, studierte an der agrarwissenschaftlichen FakultĂ€t der TU MĂŒnchen in Weihenstephan, ĂŒbernahm den elterlichen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb und stellte das Gut in SĂŒdhessen, das seit 500 Jahren im Besitz der Familie ist, auf Bio um. Als Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft ist er politischer Vertreter der deutschen Bio-Branche. In seinem Buch zeigt er auf, weshalb die industrielle Landwirtschaft kein Weg zur Lösung, sondern eine Sackgasse ist. Nur die biologische Landwirtschaft, so der Autor, kann die Zerstörung von fruchtbarem Ackerland aufhalten. Er beschreibt, welche Schritte Politik und Privathaushalte gehen mĂŒssen, um den Ablöseprozess von der chemisch-industriellen Landwirtschaft voranzubringen.

Felix zu Löwenstein: Food Crash.
Pattloch, 320 Seiten, 19,99 €.


„Grabeshauch“
von Charlaine Harris

Harper Connelly, eine junge Frau aus den SĂŒdstaaten der USA besitzt eine ungewöhnliche Begabung. Seitdem sie als Teenager von einem Blitz getroffen wurde, hat sie die FĂ€higkeit, Tote intuitiv aufzufinden und Informationen ĂŒber die TodesumstĂ€nde zu erspĂŒren. Mit dieser Gabe versucht sie, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und reist mit ihrem Stiefbruder Tolliver Lang durch Amerika. Bei ihrem inzwischen vierten Auftrag wird sie diesmal nicht nur mit einem geheimnisvollen Todesfall konfrontiert, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit. ZunĂ€chst scheint der Auftrag nicht allzu spektakulĂ€r – eine reiche GeschĂ€ftsfrau will aus Neugier herauszufinden, woran ihr Großvater gestorben ist. Doch Harper bringt Informationen ans Licht, die im Umfeld des Verstorbenen fĂŒr Unruhe sorgen. Als Harper und Tolliver begreifen, dass der Fall komplizierter ist als zunĂ€chst angenommen, befinden sie sich lĂ€ngst in Gefahr. Und dann wird noch Tollivers Vater wird aus dem GefĂ€ngnis entlassen, ein Mann, vor dem Harper sich schon immer gefĂŒrchtet hat ...

Charlaine Harris: Grabeshauch.
DTV, 320 Seiten, 8,95 €.


„Herr aller Dinge“
von Andreas Eschbach

Als Kinder begegnen sich Hiroshi und Charlotte zum ersten Mal. Er ist der Sohn der japanischen Hausangestellten, sie die Tochter des französischen Botschafters. Trotz des Standesunterschiedes entwickelt sich zwischen ihnen schon bald eine dauerhafte Freundschaft. Doch Hiroshi ist sich des sozialen Unterschiedes schmerzhaft bewusst. Der ZehnjĂ€hrige trĂ€umt von einer Möglichkeit, die Welt grundlegend zu verĂ€ndern, indem die Kluft zwischen Arm und Reich aufgehoben wird. Was mit einer Sandkastenfreundschaft beginnt, wird fĂŒr Hiroshi die Liebe seines Lebens. Je weniger die wohlhabende und gebildete Charlotte seine Zuneigung erwidert, desto mehr fĂŒhlt Hiroshi sich angespornt, sie mit einer wirklich großen Idee zu beeindrucken. Selbst als Student am „Massachusetts Institute of Technology“ lĂ€sst ihn die Vision einer Welt, in der alle Menschen glĂŒcklich sind, nicht los. Seine Sehnsucht lĂ€sst ihn schließlich eine Maschine erdenken, die in der Lage ist, zu produzieren, was die Menschen sich wĂŒnschen. Hiroshi und Charlotte haben sich inzwischen aus den Augen verloren, doch ihre Wege sollen sich wieder kreuzen. Als die beiden sich wieder begegnen, ist Charlotte Wissenschaftlerin und auf der Suche nach den Spuren einer untergegangenen Kultur. Als sich herausstellt, dass sich die Forschungsgebiete der beiden ĂŒberschneiden, erkennt Charlotte, dass es Hiroshi ernst ist mit der Liebe zu ihr.

Andreas Eschbach: Herr aller Dinge.
LĂŒbbe, 688 Seiten, 22,00 €.


„Hunkeler und die Augen des Ödipus“
von Hansjörg Schneider

In seinem neuesten Fall ist Kommissar Hunkeler auf der Suche nach einem Theaterdirektor. Bernhard Vetter ist spurlos verschwunden, sein Hausboot wurde herrenlos beim Stauwehr von MĂ€rkt aufgefunden. Und das wenige Tage, nachdem eine Inszenierung von "König Ödipus" fĂŒr einen regelrechten Skandal in der Baseler Theaterszene gesorgt hat. Die Aufregung war so groß, dass eine Dame aus der feinen Gesellschaft dem Regisseur des StĂŒcks mit ihrem Granatring spontan zwei ZĂ€hne ausschlug. In der Presse wird bereits darĂŒber spekuliert, ob der Intendant auf dem Grund des Rheins liegen könnte, möglicherweise rĂ€chte sich das verletzte BĂŒrgertum an dem kompromisslosen Theatermann. Peter Hunkeler steht sechs Wochen vor der Pensionierung, als er mit dem Fall beauftragt wird. Was ihm die Dinge anfangs scheinbar erleichtert, ist die Tatsache, dass er selbst als junger Mann als Regie-Assistent am Theater in Basel gearbeitet hat. Doch alle alten Bekannten, denen er begegnet, scheinen mit dem Theaterdirektor noch eine Rechnung offen haben. Und dann gerĂ€t Hunkeler bei seinen Recherchen in die schillernde Halbwelt des Basler Rheinhafens, in das Niemandsland zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich, wo ganz andere MĂ€chte Regie fĂŒhren.

Hansjörg Schneider: Hunkeler und die Augen des Ödipus.
Diogenes, 240 Seiten, 19,90 €.


„Idioten made in Germany“
von Klaus Norbert

Klaus Norbert, Journalist, Berater fĂŒr Großunternehmen im In- und Ausland und Coach fĂŒr namhafte FĂŒhrungspersönlichkeiten, geht mit der Bildungsreform ins Gericht. Obwohl die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz von Jahr zu Jahr sinken, werden die Anforderungen an SchĂŒler und Studierende permanent angehoben. Der Autor legt dar, dass die Politik mit ihrer Fixierung auf Bildungsnormen und Turboleistungen eine winzige Elite heranzĂŒchtet und den Rest jeder Generation zu Versagern stempelt – zu „Idioten made in Germany“. Dies beginnt seiner Meinung nach bereits bei dem veralteten System der Notengebung, das Ungleichheit fördert, statt diese zu beseitigen. Wieso sollten Noten in der Schule so wichtig sein, wenn sie spĂ€ter im Berufsleben keine Rolle mehr spielen? Klaus Norbert stellt den Wert von „Pisa“-Ergebnissen in Frage und plĂ€diert fĂŒr dafĂŒr, sich Disziplinierung nicht als Bildung verkaufen zu lassen. Ein eigenes Kapitel widmet er dem „Spiegel“, dessen Redaktion sich den Interessen der Wirtschaft und der Regierung verschrieben hat und sich fĂŒr ein immer rigideres Bildungssystem stark macht.

Klaus Norbert: Idioten made in Germany.
Knaur, 384 Seiten, 8,99 €.


„Inzidenz – Lou Beck's zweiter Fall“
von Nicole Bachmann

Lou Beck's einzelgĂ€ngerischer Freund Gian Cavegn begeht Selbstmord an seinem Arbeitsplatz, dem Bundesamt fĂŒr Statistik in Neuenburg. Doch Lou glaubt nicht an Suizid, sie beginnt zu ermitteln. Dabei stĂ¶ĂŸt sie auf rĂ€tselhafte VorgĂ€nge bei Cavegn's Arbeitgeber und auf ein lange gehĂŒtetes Geheimnis. Die Liebe zu Philippe Laval und die Freundschaft zu Helga stehen dabei auf dem Spiel. Denn nach und nach enthĂŒllt sie einen Skandal, der ihre Vorstellungskraft ĂŒbersteigt und dem sie machtlos gegenĂŒbersteht.

Die Schweizer Autorin Nicole Bachmann kommt ursprĂŒnglich aus der Gesundheitsforschung. Sie verfasste gesundheitswissenschaftliche Werke und schreibt Reden fĂŒr Politiker zu gesundheitspolitischen und wissenschaftlichen Themen. Mit ihrem ersten Roman „Doppelblind“ wurde sie bereits einem breiten Publikum bekannt.

Nicole Bachmann: Inzidenz – Lou Beck's zweiter Fall.
Salis, 393 Seiten, 18,90 €.


„Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu“
von Michael Stanley

Das Jackalberry-Camp im Chobe Nationalpark in Botswana ist der ideale Ort, um exotische Tiere zu beobachten. Und als AushĂ€ngeschild fĂŒr den Tourismus ist es ein Devisenbringer fĂŒr das afrikanische Land. Als zwei GĂ€ste des Camps brutal ermordet aufgefunden werden, ist es aus mit der Tropenidylle. Einem der Ermordeten, Goodluck Tinubu, wurden die Kehle durchschnitten und die Ohren in den Mund gestopft. Botswanas Polizeibehörde reagiert ungewöhnlich schnell, gilt es doch, den guten Ruf des Landes nicht zu gefĂ€hrden. Detective Kubu und sein Kollegen Tatwa werden auf den Fall angesetzt und sofort in das Camp geschickt. Der Verdacht fĂ€llt zunĂ€chst auf einen Touristen, der Hals ĂŒber Kopf abgereist ist. Doch obwohl dieser als Dissident in Simbabwe gesucht wird, bleibt Detective Kubu skeptisch. Er vermutet, dass der Fall komplizierter sein könnte als er zunĂ€chst erscheint. Die im Camp verbliebenen GĂ€ste sind alle auf die ein oder andere Art verdĂ€chtig, mit den Behörden Simbabwes ist eine Zusammenarbeit undenkbar und schon bald stellt sich heraus, dass Tinubu ist schon einmal gestorben – vor 30 Jahren im rhodesischen BĂŒrgerkrieg.

Michael Stanley: Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu.
Eichborn, 496 Seiten, 21,95 €.


„Roma“
von Josef Koudelka

Bereits 1968 hatte Josef Koudelka geplant, ein Buch mit seinen Fotografien von Roma herauszugeben – es sollte in der Tschechoslowakei veröffentlicht werden. Doch wegen der sowjetischen Invasion musste der Fotograf das Land verlassen. In Paris entstand eine verĂ€nderte und weniger umfangreiche Ausgabe mit 60 Fotografien, die Roma aus dem Osten der Slowakei zeigten. Sie erschien 1975 in Frankreich unter dem Titel Gitans, la fin du voyage und in den USA und wurde eines der wichtigsten FotobĂŒcher des 20. Jahrhunderts. Zum Schutz des Autors erschien das Werk, ohne diesen zu nennen. FĂŒr die jetzige Ausgabe von Roma hat Josef Koudelka seinen ursprĂŒnglichen Entwurf ĂŒberarbeitet und erweitert. Das Buch enthĂ€lt nun alle von 1962 bis 1971 entstandenen Fotografien aus Böhmen, MĂ€hren und der Slowakei, RumĂ€nien, Ungarn, Frankreich und Spanien.

Josef Koudelka: Roma.
Steidl, 192 Seiten, 48,00 €.


„Schutzengel mit ohne FlĂŒgel“
von Arto Paasilinna

Sulo Auvinen war zu Lebzeiten Religionslehrer und ein Tollpatsch vor dem Herrn. Nachdem er an einer LungenentzĂŒndung stirbt, gelangt er in den Himmel. Zwar hat er jetzt riesige FlĂŒgel, aber seine Neigung zu Missgeschicken hat ihn nicht verlassen. Selbst der Grundkurs in „Himmlisches BeschĂŒtzen“ kann da nichts Ă€ndern. Also wird ihm in seiner neuen Funktion als Schutzengel zunĂ€chst eine möglichst einfache Aufgabe anvertraut: Sulo soll soll Aaro Korhonen beschĂŒtzen, einen Mann in den Vierzigern, dem das GlĂŒck bisher stets hold war. Aaro ist wohlhabend und mit sich im Reinen. Bis Schutzengel Sulo seine Arbeit aufnimmt. Suho entschließt sich, den zufriedenen Aaro noch glĂŒcklicher zu machen – doch dessen Leben wird stattdessen ĂŒberhĂ€uft von UnglĂŒck und UnfĂ€llen. Der Versuch, ihm die passende Frau an die Seite zu stellen – nach Sulo's Meinung ein unverzichtbarer Faktor fĂŒr ein glĂŒckliches Leben – endet in einer Katatrophe. Aaro wird von zwei Frauen regelrecht verfolgt. Es erleidet GehirnerschĂŒtterungen, UnfĂ€lle, die Polizei ist ihm auf den Fersen und der Dachboden seines Hauses brennt aus. Und als er meint, es kann nicht schlimmer kommen, taucht auch noch der Teufel auf und treibt sein Unwesen.

Arto Paasilinna: Schutzengel mit ohne FlĂŒgel.
LĂŒbbe, 208 Seiten, 18,99 €.


„Schwarze Diamanten“
von Martin Walker

Der dritte Fall fĂŒr Bruno, Chef de Police

Das PĂ©rigord ist die Heimat der schwarzen TrĂŒffeln – sie sind, bei einem Preis von 5.000 Euro pro Kilo, der wichtigste Bodenschatz der Region. Als das GerĂŒcht umgeht, dass die schwarzen Diamanten auf dem TrĂŒffelmarkt des Nachbarorts mit billigen Importen aus Asien verschnitten werden, muss Bruno als Chef de Police aktiv werden. Da Bruno gern kocht und gelegentlich sogar selbst TrĂŒffeln sammelt, interessiert ihn die Sache allerdings auch ganz persönlich. Was zunĂ€chst nach einer Routineermittlung aussieht, entpuppt sich schnell als komplizierter Fall mit ungeahnten Verwicklungen und dramatischen Wendungen. Kaum hat Bruno mit seinen Nachforschungen begonnen, wird sein Freund Hercule, der bekannteste TrĂŒffelexperte der Region, brutal ermordet. Als der Polizeichef dessen Verbindungen in seine Untersuchungen mit einbezieht, sieht er sich mit lange zurĂŒckliegenden Verbrechen konfrontiert, die stattfanden, als Frankreich Kolonialmacht in Indochina war. Die Geschichte, die als beschauliche ErzĂ€hlung beginnt, nimmt den Leser mit auf eine rasante Reise ĂŒber mehrere Kontinente und durch ein halbes Jahrhundert.

Martin Walker ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im PĂ©rigord, studierte Geschichte in Oxford sowie internationale Beziehungen und Wirtschaft in Harvard. Er verfasste SachbĂŒcher ĂŒber den Kalten Krieg, ĂŒber Gorbatschow und die Perestroika, ĂŒber PrĂ€sident Bill Clinton und ĂŒber das neue Amerika. Seine „Bruno“-Romane erscheinen in zehn Sprachen.

Martin Walker: Schwarze Diamanten.
Diogenes, 351 Seiten, 22,90 €.


„SeelenfĂ€nger“
von Rory Clements

Historischer Roman

1587 wird eine Kusine von Elizabeth I. in London brutal ermordet aufgefunden. Kurz darauf erhĂ€lt die Königin ĂŒble anonyme Drohungen, wĂ€hrend es zu einem Komplott gegen Sir Francis Drake, den Befehlshaber der englischen Flotte kommt. John Shakespeare, der Ermittler der Krone, soll am besten alle FĂ€lle gleichzeitig lösen. Seine Nachforschungen fĂŒhren ihn in die Unterwelt, mitten unter Spione, Huren und Theaterleute, darunter sein berĂŒhmter Bruder Will. Die Ermittlungen verlaufen viel versprechend, dennoch muss John bald feststellen, dass seine Arbeit behindert wird. Obwohl sein Rivale, der oberste Folterknecht der Queen, vor keinem Mittel zurĂŒckschreckt, entdeckt John eine Verschwörung, die bis in die höchsten Kreise reicht. Dass er selbst und seine große Liebe das Opfer einer bösen Intrige werden sollen, ahnt er aber erst, als es beinahe zu spĂ€t ist ...

Rory Clements: SeelenfÀnger.
LĂŒbbe, 479 Seiten, 8,99 €.


„Shaolin – Du musst nicht kĂ€mpfen, um zu siegen!“
von Bernhard Moestl

Das chinesische Shaolin-Kloster gilt als GeburtsstĂ€tte einer ganzen Reihe von Kampftechniken und des Chan-Buddhismus, dem Ursprung des Zen. Die dort praktizierten KampfkĂŒnste, von denen besonders das Shaolin-Kung-Fu weltbekannt wurde, werden nicht als Technik, sondern als Teil einer ganzheitlichen LebensfĂŒhrung angesehen und gelehrt. Die Shaolin-Mönche verstehen es, mit Hilfe bestimmter Prinzipien, die Kraft ihrer Gedanken so zu bĂŒndeln, dass sie jedes Ziel – ob mental oder körperlich – erreichen. Der ehemalige Shaolin-SchĂŒler Bernhard Moestl stellt in seinem Buch zwölf dieser Shaolin-Prinzipien vor, die wir im Alltag nutzen können, um praktische Ziele zu verwirklichen. Ob es darum geht, eine Gehaltsforderung selbstbewusst vorzutragen, in einem Streit gelassen zu bleiben oder den eigenen Standpunkt zu vertreten – die Kraft dafĂŒr ist unpersönlich und jedem Menschen grundsĂ€tzlich zugĂ€nglich. Die betreffenden zwölf Prinzipien werden zunĂ€chst philosophisch betrachtet, dann anhand eines Frage-Katalogs auf die persönliche Lebenssituation ĂŒbertragen, um dort angewandt werden zu können.

Bernhard Moestl: Shaolin – Du musst nicht kĂ€mpfen, um zu siegen!
Knaur, 272 Seiten, 9,99 €.


„Sture Hunde“
von Jens Wonneberger

Martin Rohrbach kehrt nach Jahren zurĂŒck an der Ort seiner Kindheit, ins WindmĂŒhlenhaus in der ostdeutschen Provinz. Dort, in der NĂ€he des kleinen Dorfes Ahornstein hat sein Vater allein auf einem HĂŒgel gewohnt bis zu seinem Tod. Rohrbach will nur kurz die Beerdigung hinter sich bringen und so schnell wie möglich wieder abreisen, doch die Vergangenheit zieht ihn in ihren Bann. Plötzlich fragt er sich, was es mit der Freundschaft seines Vaters zum alten Lindner auf sich hatte. Warum haben die beiden so lang um diesen unscheinbaren Streifen Land gerungen, der das WindmĂŒhlenhaus umgibt? Rohrbach erinnert sich an vergangene Freundschaften, an eine alte Liebe und an ein Geheimnis, das immer noch nicht gelöst ist. Sein alter Freund Wassili arbeitet auf der MĂŒlldeponie und spricht davon, dass er vor zwanzig Jahre in den Westen hĂ€tte gehen sollen. Rohrbach dagegen, der einzige, der den Ort verlassen hat, ĂŒberlegt, wie es wĂ€re, zurĂŒckzukehren.

Wonneberger's Roman lebt von keiner dramatischen Handlung, sondern von einem ErzÀhlstil, dem es gelingt, die Schönheit der Sprache auszuschöpfen.

Jens Wonneberger: Sture Hunde.
Steidl, 233 Seiten, 19,90 €.


„Tod und Nachtigallen“
von Eugene McCabe

Billy Winters, protestantischer Grundbesitzer in der nordirischen Grafschaft Fermanagh, war reichlich betrunken und sehr zornig, als er seiner Frau eröffnete, dass er ihrer Tochter Beth auf keinen Fall etwas vererben wird. Steinbruch, Pachten, Farmland und ein erheblicher Goldschatz sollten dem katholischen Kuckuckskind nicht in die HĂ€nde fallen. Hat er nicht genug fĂŒr das MĂ€dchen getan? Ihr ein Dach ĂŒber dem Kopf und zu essen gegeben? Jahre spĂ€ter beschließt Beth, den Hof zu verlassen. Sie hat genug davon, Billy's Dienstmagd zu sein, hat genug von den WutanfĂ€llen und der mehr als vĂ€terlichen Zuneigung. An ihrem Geburtstag will sie mit seinem Gold und ihrem Geliebten durchbrennen. Doch der Mann, dem sie ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes anvertraut, ist ein skrupelloser Verbrecher. Eugene McCabes spannender und bewegender Roman spielt an einem einzigen Tag des Jahres 1883. Mit beeindruckender sprachlicher IntensitĂ€t beschwört er den Zauber und Schrecken einer Landschaft voll Moor und MĂ€desĂŒĂŸ fĂŒr den einen das Paradies, fĂŒr den anderen die Hölle. Alter Hass, alte und neue Verbrechen haben sich tief in die Seelen der Menschen eingeschrieben und Liebe ohne Verrat scheint unmöglich.

Eugene McCabe: Tod und Nachtigallen.
Steidl, 296 Seiten, 19,90 €.


„Todesstoß“
von Karen Rose

Nach einer Reihe von Operationen beginnt sie, Psychologie zu studieren. FĂŒr ihren Abschluss hat sie ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das sich mit virtuellen Versuchsobjekten im Netz befasst. Als sechs ihrer Test-Personen auf grausame Weise ums Leben kommen, hat Eve eine schockierende Erkenntnis: Wieder könnte sie auf der Liste eines psychopathischen Killers stehen. Der Serienmörder, um den es hier geht, ist bisher niemandem aufgefallen. Obwohl er seinem tödlichen ‚Hobby‘ seit Jahren nachgeht, hat er immer Wert darauf gelegt, seine Morde nicht als Morde erscheinen zu lassen. Doch jetzt hat er sich ein neues Ziel gesetzt: der Elitegruppe der Polizei von Minneapolis zu beweisen, dass er ihr ĂŒberlegen ist. Eve befĂŒrchtet, dass der Killer von ihrem Versuchsaufbau weiß. Detective Noah Webster, der die Elitegruppe leitet, akzeptiert Eve fĂŒr die Zeit der Ermittlungen als Beraterin der Polizei. Dass schon bald zwischen ihm und Eve auch persönlich die Funken ĂŒberspringen, macht die Zusammenarbeit allerdings nicht leichter.

Karen Rose: Todesstoß.
Knaur, 656 Seiten, 14,99 €.


„Underground-Killer“
von John Macken

In einer Londoner Bar ereignet sich ein Mord, der fĂŒr einige Verwirrung sorgt, denn der TĂ€ter behauptet, sich nicht an die Tat erinnern zu können und und flieht. Eine Weile spĂ€ter kommt es zu einer ganzen Reihe ungewöhnlicher Morde: in der U-Bahn treibt ein Killer sein Unwesen, der seine Opfer lautlos und unerkannt tötet, vorzugsweise in der rush-hour. Die Ermittler finden trotz intensiver Arbeit keinen Hinweis auf ein Motiv oder ein Muster. Angst macht sich breit – immer mehr Menschen vermeiden es, die U-Bahn zu nutzen. Reuben Maitland, ehemals Chef der Forensik bei der Londoner Polizei, könnte den TĂ€ter möglicherweise identifizieren, doch Maitland ist vor kurzem gefeuert worden. Als die Polizei weiter im Dunkeln tappt, wird er schließlich doch noch mit eigenen Ermittlungen beauftragt. Nicht jeder in der Polizeihierarchie ist von dieser Entscheidung ĂŒberzeugt, denn Maitland befasst sich mit einem ebenso ungewöhnlichen wie umstrittenen Forschungsgebiet: er arbeitet an einem Programm zur genetischen Erkennung von Serien-Killern. WĂ€hrend der Underground-Killer weiter zuschlĂ€gt, versucht Maitland, ihm mit modernster Biotechnik auf die Spur zu kommen.

John Macken: Underground-Killer.
Knaur, 416 Seiten, 9,99 €.


„Unter deutschen Betten –
Eine polnische Putzfrau packt aus“
von Justyna Polanska

Was Justyna als Putzfrau in Deutschland erleben wĂŒrde, hĂ€tte sie sich nicht trĂ€umen lassen, haben doch die Deutschen den Ruf, einer ordnungs- und sauberkeitsliebenden Nation anzugehören. Neben den kleinen hygienischen Überraschungen in KĂŒche, Schlafzimmer und Bad macht Justyna außerdem fast tĂ€glich Bekanntschaft mit den ‚schmutzigen Geheimnissen‘ ihrer Kunden. Sie weiß genau, wer ein teures Auto vor der TĂŒr hat, aber nicht genug im KĂŒhlschrank, um satt zu werden. Wer auf coolen Macho macht, daheim aber in BĂ€rchenwĂ€sche schlĂ€ft. Oder wer der eigenen Frau den liebevollen Ehemann vorspielt, vor der Putzfrau aber schon mal die Hosen runterlĂ€sst. Die Autorin beschreibt humorvoll, wie sie trotz ihrer gesellschaftlichen Stellung als putzende AuslĂ€nderin am Ende immer die Oberhand behĂ€lt.

Justyna Polanska: Unter deutschen Betten –
Eine polnische Putzfrau packt aus.
Knaur, 224 Seiten, 8,99 €.


„Verbrannte BlĂŒten“
von Ngugi Wa Thiong'o

In dem abgelegenen Dorf Ilmorog in Kenia sind drei Menschen ums Leben gekommen. Die Leichen der drei Industriellen wurden im Haus der Prostituierten Wanja gefunden. Die drei HauptverdĂ€chtigen, Wanja, der HĂ€ndler Abdulla und der arbeitslose Karega werden verhaftet. Der ermittelnde Kommissar stellt außerdem den Lehrer Munira unter Arrest, damit dieser einen Bericht ĂŒber seine Beziehungen zu den VerdĂ€chtigen, und damit ĂŒber die möglichen HintergrĂŒnde der Ereignisse, verfasst. Der Bericht beginnt weit in der Vergangenheit, in der Zeit, als der Lehrer in das Dorf kam. Munira beschreibt das Schicksal der drei Inhaftierten wĂ€hrend der wechselvollen Entwicklungen in Kenia. Er erzĂ€hlt von der Zeit der Kolonisation, von den FreiheitskĂ€mpfen und von der EnttĂ€uschung der Dorfbewohner als nach der UnabhĂ€ngigkeit des Landes allmĂ€hlich wieder die GeschĂ€ftemacher die Kontrolle ĂŒber das Dorf erlangten und sich die Hoffnungen auf ein selbstbestimmtes Leben nicht erfĂŒllten. Abdulla, Karega und Wanja wollten sich diesen ZustĂ€nden nicht unwidersprochen beugen ...

Ngugi Wa Thiong'o: Verbrannte BlĂŒten.
Peter Hammer Verlag, 588 Seiten, 26,00 €.


„VerfĂŒhrung mit Worten –
33 Quickies fĂŒr erfolgreiche Texte“
von Karen Christine Angermayer

Karen Christine Angermayer schreibt fĂŒr TV-Sender, Verlage, Werbeagenturen, Versicherungen und Ministerien. Sie schrieb DrehbĂŒcher, KinderbĂŒcher, Texte fĂŒr alle Arten von Auftraggebern. Und sie schreibt ĂŒber das Schreiben selbst. In Ihrem neuesten Buch stellt sie Schreiben als ein Spiel der VerfĂŒhrung vor, als einen Tanz der Worte. Sie zeigt, was darĂŒber entscheidet, ob ein Text im Papierkorb landet oder zum Lesen und Weiterlesen verfĂŒhrt. In 33 kurzen aber zielgerichteten Anleitungen vermittelt sie dem Leser, wie die Lust am Schreiben zu erfolgreichen Texten fĂŒhrt, wie man als Schreibender den Leser im Auge behĂ€lt und warum Humor eine wichtige Rolle bei der Arbeit spielt. Die Übungen sind kurzweilig und inspirierend. Sie vermitteln kein festes Konzept ĂŒber das richtige Vorgehen beim Schreiben, sondern bringen den Übenden in Kontakt mit der eigenen Intuition.

Karen Christine Angermayer: VerfĂŒhrung mit Worten –
33 Quickies fĂŒr erfolgreiche Texte.
Kösel, 176 Seiten, 15,99 €.


„Verheimlicht – vertuscht – vergessen“
von Gerhard Wisnewski

Was 2010 nicht in der Zeitung stand

Gerhard Wisnewski, Politikwissenschaftler, Schriftsteller und Dokumentarfilmer, befasst sich seit langem mit Themen, die es nicht oder nur verzerrt in die Medien schaffen. In seinen JahresrĂŒckblick „Verheimlicht – vertuscht – vergessen“ fĂŒhrt er auch diesmal wieder eine FĂŒlle von Ereignissen auf, ĂŒber die anderswo nur oberflĂ€chlich und unkritisch berichtet wurde. Dabei gilt sein Augenmerk besonders solchen Nachrichten, die von Interessensgruppen, Regierungen oder Geheimdiensten in die Welt gesetzt werden, um deren Zielen zu dienen. Ob groteske Ungereimtheiten im Falle des so genannten Unterhosenbombers, ob deutsche Beteiligung an den Vorbereitungen zu einem Krieg gegen den Iran oder der angebliche Selbstmord der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig – Wisnewski deckt auf, worĂŒber andere nur allzu bereitwillig hinwegsehen. Dabei vermeidet er es, fertige Antworten zu liefern, sondern zeigt ZusammenhĂ€nge auf, die sich unter der OberflĂ€che dessen verbergen, was uns die Medien als ‚objektive‘ Berichterstattung prĂ€sentieren.

Gerhard Wisnewski: Verheimlicht – vertuscht – vergessen.
Knaur, 368 Seiten, 7,99 €.


„Winterkartoffelknödel“
von Rita Falk

In Niederkaltenbach, einem kleinen Dorf in Bayern wird der Dorfgendarm Franz Eberhofer mit seinem ersten Fall konfrontiert. Eberhofer war von MĂŒnchen in die Provinz strafversetzt worden und hatte nie damit gerechnet, dass es hier hoch her gehen könnte. Eine ganze Weile lang ist ja auch nichts passiert, und Eberhofer hatte Zeit, die verschiedensten Dorfcharaktere kennen zu lernen. Doch dann passiert die bizarre Geschichte mit den Neuhofers, die an den komischsten Dingen sterben. Mutter Neuhofer wird erhĂ€ngt im Wald gefunden. Vater Neuhofer stirbt kurz darauf an einem Stromschlag – als Elektromeister wohlgemerkt. Und dann ist da ja noch der Hans, und wer weiß, was dem noch passiert. Aus ist es mit der bayrischen Beschaulichkeit: Konnte Eberhofer bisher eine ruhige Kugel schieben, hat er jetzt einen Vierfachmord an den Hacken. Zum GlĂŒck kocht die Oma gern und hervorragend, zum Beispiel den besten Schweinebraten, den Eberhofer kennt. Und das beste Bier gibt es eh beim Wolfi.

Rita Falk: Winterkartoffelknödel.
DTV, 240 Seiten, 12,90 €.


„Wo lassen Sie denken?“
von Reinhard Kreissl

Warum der Glaube an die Wissenschaft uns dumm macht

Reinhard Kreissl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wiener Institut fĂŒr Rechts- und Kriminalsoziologie. In „Wo lassen Sie denken?“ wirft er einen kritischen Blick auf die WissenschaftsglĂ€ubigkeit und macht auf bedenkliche Aspekte des Etiketts ‚wissenschaftlich‘ aufmerksam. In der Werbung, im Umweltschutz und bei politischen Diskussionen wird mit der Floskel „wissenschaftlich“ argumentiert, als ob das letzte Wort damit gesprochen wĂ€re. In den Wissenschaften selbst sind statistischen Mogeleien, GefĂ€lligkeitsgutachten und die harte Konkurrenz um Geldquellen gang und gĂ€be. Vieles, was These ist, wird schnell zur unumstĂ¶ĂŸlichen Wahrheit. Manches, was die wissenschaftlichen Forschung entdeckt, wird vermarktet, obwohl der Nutzen fraglich ist. Eine amĂŒsante und interessante LektĂŒre, die so manchen Denkanstoß liefert.

Reinhard Kreissl: Wo lassen Sie denken?
Diederichs, 176 Seiten, 16,99 €.



 Rezensionen von Frank R. Bulla 


„Artgerechte Haltung eines MĂ€nnchens“
von Emma P.

Erwerb, Erziehung, Entsorgung

ResĂŒmmierend war zu Emma P.'s Machwerk kĂŒrzlich mal irgendwo zu lesen: „Lesen Sie das Buch, es ist eine Frechheit!“ Das trifft den Kern, und man könnte es fast dabei bewenden lassen – fast!

Betrachten wir zunÀchst mal den Klappentext:

„Emma P. setzt sich auf ihre ganz spezielle Weise mit den Problemen zwischen Mann und Frau auseinander: Weder die SchwĂ€chen der Frauen noch die der MĂ€nner werden verschont. Nach Emma P. passen Mann und Frau hervorragend zusammen, allerdings nur, wenn die Frau die FĂ€den zieht. Auch unglĂŒckliche Partnerschaften gĂ€be es nicht, wenn die von ihr auf einzigartige Weise beschriebene Rollenverteilung strikt eingehalten wĂŒrde. Der Mann wird zum MĂ€nnchen, wie ein Haustier – und die Frau zum Frauchen, wie die Halterin. ‚Artgerechte Haltung eines MĂ€nnchens‘ ist ein Ratgeber, der mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, aber gerade deshalb viele Wahrheiten enthĂ€lt: eine bissige Satire rund um das Thema Mann und Frau.“

OK, das mit dem Augenzwinkern stimmt schon. Manchmal muss man gar beide Augen zudrĂŒcken. Zuweilen reißt man auch unglĂ€ubig beide Augen auf, weil man nicht glaubt, was man da zu lesen bekommt. Und wenn im Klappentext die Rede ist vom Haustier, dem MĂ€nnchen, und der Halterin, dem Frauchen, ist das noch sehr gelinde ausgedrĂŒckt! Das VerhĂ€ltnis der im Buch dargestellten beiden Geschlechter erinnert streckenweise gar an den Primatenbereich eines Zoos – wobei sich zwangslĂ€ufig die Frage stellt: Wer beobachtet hier eigentlich wen beim Blick durch Panzerglas oder GitterstĂ€be und macht sich darĂŒber lustig?

Auf den ersten Blick (und das deckt sich wohl mit der Intention der Verfasserin) ist Emma P.'s Buch ein Leitfaden fĂŒr Frauen, die vor allem an das beste Teil des Mannes gelangen wollen: an sein Bankkonto. Bei nĂ€herer Betrachtung entpuppt es sich jedoch als genialer Ratgeber fĂŒr emanzipierte MĂ€nner (zumal wenn sie betucht sind), denen völlig unabsichtlich gezeigt wird, wie man dem Damoklesschwert und der BĂŒchse der Pandora gleichermaßen entgeht: dem UnglĂŒck, vom Prototypen einer solchen Frau nachhaltig heimgesucht zu werden. Und sei es nur fĂŒr die Dauer von zwei Jahren – der von Emma P. empfohlenen Dauer einer Ehe. Zwei Jahre schwerer Kerker verspricht allein Emma P.'s Lieblings-Tipp an ihre Geschlechtsgenossinnen: „Sie sollten fĂŒr Ihr EhemĂ€nnchen immer so kostspielig sein, dass es sich eine Geliebte gar nicht leisten kann!“

Was den Terminus „artgerechte Haltung“ angeht, ist der Autorin insofern Recht zu geben, als die Spezies Mann grundsĂ€tzlich haltbar ist – im Gegensatz zu dem von Emma P. beschriebenen Weibchen, das man eigentlich gar nicht halten kann, denn man brĂ€uchte dafĂŒr kein gemĂŒtliches Heim, sondern eine Lagerhalle. Ein KĂ€fig normaler GrĂ¶ĂŸe zur Unterbringung von allem, was die Schönheit der Frau so fordert, wĂŒrde viel zu schnell an seine Grenzen stoßen:

Die riesigen Schuh- und Klamottenberge: High-Heels, Push-up-BHs, Miederhöschen, Strapse, Nylon- und SeidenstrĂŒmpfe, sexy Söckchen, kurze und enge Röckchen, dekolletierte Kleider und Blusen, knallenge Jeans. Dazu Schmuck, Sonnenbrillen, Handtaschen und tausend andere Accessoires. Ferner: Augenbrauen-Pinzette, Wimpernzange, Wimperntusche, Mascara, Scheren, Nagelfeilen, Hornhautraspel, Nagellack, Nagellackentferner, Haarspray, Puder und Cremes, um auch die kleinsten FĂ€ltchen, Pickelchen und Haut-Irritationen verschwinden zu lassen, Mittelchen und GerĂ€tschaften zur Haarentfernung, Zahnseide, literweise „Chanel No. 5“, Lockenwickler, Fön, Ondulierstab, Schmuckschatullen, Pillendöschen und und und ... Dann noch ein prall gefĂŒllter Terminkalender fĂŒr die Botox-Auffrischungs-Dates, die Silikonkissen-Checks, die Massagen, die Wellness-Wochenenden, die Catwalk-Trainings-Einheiten, die Fitness-Stunden mit dem Personal Trainer, die Solarienbesuche. Und last not least: alles, was der DiĂ€t und der körperlichen Fitness zutrĂ€glich ist.

Wie auch immer – unterm Strich ergibt das ein Weibchen, das ĂŒber 40 ist, aussieht wie 30 und das jedem Teenie-Weibchen vor Neid die Kinnlade runterklappen lĂ€sst ... Ein Weibchen, das gut zum ReprĂ€sentieren, aber fĂŒr nichts sonst mehr zu gebrauchen ist, weil es viel zu sehr mit sich selbst, mit der eigenen PrĂ€sentation beschĂ€ftigt ist sowie jedweden Methoden, dem MĂ€nnchen das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Der auf dem Vormarsch befindliche emanzipierte Mann jedenfalls findet letztlich doch mehr Freude und Gefallen an Frauen mit Ecken und Kanten, an Frauen, die mit kleinen körperlichen Makeln behaftet sind und manche Kleinigkeit zu wĂŒnschen ĂŒbriglassen. Ein Mann braucht schließlich einen Traum – denn eine Traumfrau, wie Emma P. sie zu zeichnen versucht, gibt es eh nicht (genauso wenig wie einen Traummann).

Am Ende kĂ€me es das MĂ€nnchen auch erheblich billiger, wenn es sich aus der Spielwaren-Abteilung eine Barbie-Puppe zulegen wĂŒrde – mit dem kompletten Zubehör-Programm. Aber so emanzipiert ist das mĂ€nnliche Geschlecht nun doch noch nicht – und spielt wohl lieber mit Autos als mit Puppen. Netter Versuch, Emma P.! ;o)

Emma P.: Artgerechte Haltung eines MĂ€nnchens.
Marlon, 124 Seiten, 9,95 €.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten fĂŒr das Buch:



(Foto / Grafik: © Frank R. Bulla)


„Bookanizer – Jedes Date ein Bestseller!“
von Susanne Bohne

Aufgrund einer unfreiwilligen Namensgleichheit mit einer Romanfigur wurde die ehemalige Germanistik- und Anglistik-Studentin Susanne Bohne geradezu zur Zielscheibe von Romanlesern, die sie mit E-Mails zutexteten. Aus dieser kuriosen Begegebenheit heraus schuf die Autorin, die bislang lediglich durch BeitrĂ€ge in Anthologien auffĂ€llig geworden ist, ihren ersten Roman: „Bookanizer – Jedes Date ein Bestseller!“. So wurde aus RealitĂ€t Fiktion.

Der Klappentext fasst die Story folgendermaßen zusammen: „Da sind sie: Sofia LinsgrĂŒn's fĂŒnf Minuten Ruhm! Eben noch gelangweilte Visitenkartengestalterin, im nĂ€chsten Moment göttliche Diva und feuchter Traum aller HalbwĂŒchsigen. Auf dem Papier und völlig unverhofft. Schuld daran ist der bekannte Autor Gregor Steckel, der zufĂ€lligerweise der freizĂŒgigen Protagonistin seines neuesten Bestsellers Sofia's kompletten Namen gegeben hat. Sehr zum Leidwesen der echten Sofia, denn Fiktion und Zufall hin oder her, sie muss nicht lange auf anzĂŒgliche Fan-Post warten.“

Den Leser erwartet hier nicht wirklich eine Lovestory, auch ist es kein Frauenroman im herkömmlichen Sinne – vielmehr wird hier das Bild einer Frau gezeichnet, die auf dem Wege der Selbstfindung ist. Susanne Bohne's Zeichenstil ist lebhaft, prĂ€zise, von Metaphern ebenso geprĂ€gt wie von Humor. WĂ€hrend man das Buch locker im StĂŒck herunterlesen kann, erfĂ€hrt der Leser nicht nur eine Menge ĂŒber die Psyche der Protagonistin Sofia LinsgrĂŒn, sondern vermutlich auch eine Menge darĂŒber, wie eine Frau tickt: eine Frau, die nicht nur auf der Suche nach sich selbst ist, sondern auch auf der Suche nach dem Mann an ihrer Seite. Insofern ist das Buch nicht nur fĂŒr Frauen geeignet, sondern auch fĂŒr MĂ€nner, die wirklich daran interessiert sind, die Denke des weiblichen Geschlechts besser nachvollziehen zu können und besser zu begreifen.

ErgĂ€nzend kann sich der Leser noch auf weiteres Material freuen: Zwischen den einzelnen Kapiteln des Romans werden jene ‚Fan‘-E-Mails angefĂŒhrt, die Susanne Bohne seinerzeit als vermeintliche personifizierte Romanheldin bekam. Hier kommt das ganze Spektrum dessen zum Tragen, was in den Köpfen der Menschen so vor sich geht – von einfĂŒhlsam bis absolut widerlich. Und es macht nur zu deutlich, wie sehr man als Leser zuweilen in der AtmosphĂ€re eines Buches aufgeht. So wird aus Fiktion schnell RealitĂ€t.

Susanne Bohne: Bookanizer – Jedes Date ein Bestseller!
Michason & May, 221 Seiten, 17,90 €.

GeÀndert:  08 / 2020