„Celler Scene“

Wissen, was los ist ...

BUCHBESPRECHUNGEN
im Jahr 2010


 Rezensionen von Martin Banger 


„Bring mir den Kopf vom Nikolaus“
von Simon Borowiak

Der Ich-ErzĂ€hler dieser kleinen Geschichte freut sich auf den schönsten Tag des Jahres: den Weihnachtsabend. Doch von ungetrĂŒbter Freude ist hier leider nicht die Rede. Die besinnliche Stimmung wird immer wieder von ausgiebigen WeinkrĂ€mpfen unterbrochen – hat doch die wunderbare Bernadette erst kĂŒrzlich die Beziehung beendet und den ErzĂ€hler allein gelassen. Als es unerwartet an der TĂŒr klingelt, steht dort nicht die schmerzlich vermisste Geliebte, sondern – eine zierliche, braunhaarige Unbekannte mit einem verlegen dreinblickenden Rentier an der Seite. Die Weibsperson riecht ein wenig nach Alkohol und behauptet, eine Fee zu sein. Und bevor ĂŒberhaupt WĂŒnsche erfĂŒllt werden können, soll erst mal der Pizzaservice informiert werden, denn die Fee hat Hunger. Und Durst. Viel Durst ...

Simon Borowiak: Bring mir den Kopf vom Nikolaus.
Eichborn, 75 Seiten, 9,95 €.


„Caligula“
von Tom Nestor

Weltweit stĂŒrzen Dutzende Passagierflugzeuge zeitgleich ab. Ein Computer-Virus legt das Internet lahm. In Kolumbien wird ein Drogenbaron bestialisch ermordet. Als die CIA-Agentin Aurelia FernandĂ©z eine mögliche Verbindungen zwischen diesen FĂ€llen untersucht, stĂ¶ĂŸt sie auf ein geheimes Forschungsprojekt, das sich mit der Entwicklung kĂŒnstlicher Intelligenz befasst. Demselben Projekt ist auch der Hacker Lars Hendriksson auf der Spur. Schon bald ahnen beide, dass das Experiment außer Kontrolle geraten ist und mit den schrecklichen VorfĂ€llen in Verbindung steht. Jeder, der versucht, weitere Katastrophen zu verhindern, begibt sich in tödliche Gefahr. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Tom Nestor: Caligula.
Bastei-LĂŒbbe, 448 Seiten, 8,99 €.


„Das alte Kind“
von Zoë Beck

Carla Arnim, die vor kurzem Mutter geworden ist, muss sich wegen einer GĂŒrtelrose im Krankenhaus behandeln lassen. Da Ansteckungsgefahr besteht, kommt ihre sechs Monate alte Tochter Felicitas auf die SĂ€uglingsstation. Als die Behandlung nach wenigen Tagen abgeschlossen ist, und Felicitas zu Carla zurĂŒckgebracht wird, ist diese zutiefst irritiert. Carla erkennt ihr Kind nicht wieder und ist sich sicher, dass es vertauscht wurde. Da es auf der Station keine anderes Kind in dem Alter gibt, schenkt niemand Carla Glauben. Fiona Hayward erwacht stark blutend in ihrer Badewanne. Sie kann sich an nichts erinnern und ist ĂŒberzeugt, dass jemand sie umbringen wollte. Doch weder der Notarzt glaubt ihr noch das Personal im Krankenhaus. Man geht vielmehr von einem Selbstmordversuch aus. Zwei parallel erzĂ€hlte Geschichten, die sich zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten abspielen, beginnen, sich auf spannende Weise immer mehr miteinander zu verweben.

Zoë Beck: Das alte Kind.
LĂŒbbe, 300 Seiten, 6,49 €.


„Das Gesetz der Spinne“
von Theresa Schwegel

Detective Craig McHugh vom Chicago Police Departement ist als Undercover-Agent auf eine chinesische Drogen-Gang angesetzt worden. Als seine 17-jÀhrige Tochter anfÀngt, Ecstasy zu schlucken, gerÀt die ganze Familie unversehens in einen Strudel aus Angst und Gewalt. Denn der Stoff stammt von genau der Gang, die Craig gerade hochnehmen will. Und was noch explosiver ist: Seine Tarnung droht aufzufliegen 


Die packende Story einer Polizistenfamilie, die immer mehr unter Druck gerÀt.

Theresa Schwegel: Das Gesetz der Spinne.
Knaur, 465 Seiten, 8,95 €.


„Das MĂ€dchen mit den zwei Blutgruppen“
von Martina Frei

Unglaubliche Fallgeschichten aus der Medizin

Warum ein Gebiss monatelang im Hals stecken und Haare waschen zu einem Schlaganfall fĂŒhren kann: Eine ungewöhnliche Sammlung von ebenso wahren wie bizarren Fallgeschichten aus der Medizin. Wussten Sie, dass eine verrutschte Kunstlinse durch eine Fahrt mit der Achterbahn wieder in die richtige Position gebracht werden kann? Dass man auch mit einem 30 Zentimeter langen Messer im RĂŒcken meilenweit laufen kann? Dass man als Arzt wĂ€hrend einer Notoperation mit dem Kaugummi des Assistenten den Patienten vor einer tödlichen Hirnblutung retten kann? Die Ärztin und Wissenschaftsjournalistin Martina Frei erzĂ€hlt von seltenen, unglaublichen und skurrilen FĂ€llen von Verletzungen, Diagnosen, Todesarten und Heilungsmethoden, die Kollegen aus aller Welt erlebt haben und die garantiert in keinem medizinischen Lehrbuch stehen.

Martina Frei: Das MĂ€dchen mit den zwei Blutgruppen.
Eichborn, 224 Seiten, 16,95 €.


„Das MĂ€dchen seiner TrĂ€ume“
von Donna Leon

Gerade noch hing Brunetti Gedanken ĂŒber Gott und die Welt und die Beerdigung seiner Mutter nach, da reißt ihn der Tod einer ElfjĂ€hrigen aus allen Betrachtungen und unwichtigeren FĂ€llen. Und verfolgt ihn schon bald bis in die TrĂ€ume, denn das Schlimmste daran ist: Niemand meldet ein Kind als vermisst. Und auch der Goldschmuck, den das MĂ€dchen auf sich trĂ€gt, wird von niemandem reklamiert. Brunetti muss nicht nur in Erfahrung bringen, warum das Roma-MĂ€dchen zu Tode kam, sondern auch, wer sie ĂŒberhaupt ist. Und er muss begreifen, wie weit manche Leute zu gehen bereit sind, wenn ein Kind im Spiel ist. Brunetti‘s 17. Fall fĂŒhrt ihn von den Auffanglagern der Ärmsten bis ins Wohnzimmer von Wohlsituierten mit ihren guten Verbindungen zu Recht und Ordnung. Dem Commissario aber ist mehr denn je sein eigenes Gewissen Gesetz.

Donna Leon: Das MÀdchen seiner TrÀume.
Diogenes, 352 Seiten, 21,90 €.


„Der 26. Stock“
von Enrique Cortéz

Enrique CortĂ©s, Jahrgang 1980, studierte Jura und arbeitete als Radiosprecher, Kellner und Maurergehilfe. WĂ€hrend er an der Story fĂŒr dieses Buch schrieb, in dessen Zentrum ein Hochhausbrand steht, wurde er Zeuge, wie das Windsor-GebĂ€ude in Madrid im Jahr 2005 in Flammen aufging. Ebenfalls in Madrid spielt CortĂ©sÂŽ Thriller: In einer kalten Februar-Nacht brennt die Zentrale eines internationalen Großkonzerns. Nachdem der Wolkenkratzer evakuiert wurde, entdecken Schaulustige im 26. Stock menschliche Schatten, doch trotz intensiver Suche in den Tagen darauf, werden keine Leichen gefunden und auch niemand vermisst. Bereits Wochen vor der Brandkatastrophe kam es zu seltsamen Vorkommnissen in dem Hochhaus: mehrere Angestellte der Firma verschwanden spurlos ...

Enrique Cortéz: Der 26. Stock.
DTV, 608 Seiten, 14,90 €.


„Der Barbier von Bagdad“
von Paul Flieder

Leben, Sterben, Glauben im Irak

Informationen ĂŒber die Lage im Irak beruhen auf Berichten aus der GrĂŒnen Zone Bagdads, die aus Angst vor SelbstmordattentĂ€tern mit Mauern, MilitĂ€r und Polizei vom wirklichen Leben abgeschirmt ist. Paul Flieder ließ die GrĂŒne Zone links liegen und bereiste auf eigene Faust mit der Filmkamera den Irak. Sein neugieriger Blick gilt dem Alltagsleben der Menschen, deren stĂ€ndige Angst vor Terror und MilitĂ€rschikanen zu einer völligen Umstellung ihrer Lebensgewohnheiten gefĂŒhrt hat. Er berichtet ĂŒber ein Land, dessen Bevölkerung traumatisiert ist und ohne Hoffnung in die Zukunft blickt. Und dennoch den Glauben an Gott nicht verliert, den Alltag mit Mut und Humor meistert. Er verlĂ€sst sich nicht auf die offiziellen Statements von Politikern und Regierungsbeamten, sondern spricht mit Witwen und Waisen, EntfĂŒhrungs- und Bombenopfern, GeschĂ€fts- und Theaterleuten, Imamen und Polizisten, die er auf Reportagereisen – oder in einem Bagdader Friseurladen kennenlernt. Ohne Eskorte unterwegs in Mossul, Erbil, Kirkuk und Bagdad gerĂ€t er mitunter in missliche Situationen, aus denen ihn nur beherztes Handeln im richtigen Moment rettet. Seine Erlebnisse zeigen mit erschreckender Deutlichkeit, wie die Sicherheitslage im Irak im Moment des Abzugs der US-Truppen wirklich ist. Ein Bericht ĂŒber die menschliche Tragödie im Irak, voller Unmittelbarkeit.

Paul Flieder: Der Barbier von Bagdad.
Residenz-Verlag, 208 Seiten, 19,90 €.


„Der Champagner-Fonds“
von Paul Grote

Philipp Achenbach ist seit vielen Jahren Chef-Verkoster eines Kölner Weinimporteurs. Bisher mit seiner Stellung zufrieden, macht er sich zunehmend Sorgen ĂŒber die neuen PlĂ€ne seines Chefs. Der nĂ€mlich will hoch hinaus und plant, an der Börse Gewinne mit einem Champagner-Aktienfonds zu machen. Achenbach soll die Vorarbeiten dazu ĂŒbernehmen, doch schon die Idee gefĂ€llt ihm nicht, und schon bald beginnt er auch, den Finanziers aus London zu misstrauen. Als er in der Champagne Kontakte zu Winzern herstellt, kommt er einem groß angelegten Betrug auf die Schliche. Bei seinen weiteren Recherchen gerĂ€t er nicht nur zwischen alle Fronten, sondern auch in Gefahr. „Der Champagner-Fonds“ ist der fĂŒnfte Krimi von Paul Grote, der im Umfeld des Weinanbaus spielt. Neben der Spannung eines gutgeschriebenen Krimis erwartet den Leser viel Wissenswertes aus der Welt des Champagners.

Paul Grote: Der Champagner-Fonds.
DTV, 400 Seiten, 8,95 €.


„Der digitale Peters“
von Hans-Rudolf Behrendt, Thomas Burch und Martin Weinmann

Der 2002 verstorbene Historiker Arno Peters suchte und fand eine neue Art der Geschichtsschreibung: Analog zur Landkarte erfand er die Zeitkarte. Unter dem Namen „SynchronOptische Weltgeschichte“ erarbeitete er im Laufe mehrerer Jahrzehnte einen Atlas, der den Zusammenhang geschichtlicher AblĂ€ufe sichtbar macht. Parallel zueinander sind Ereignisse aus Wirtschaft, Geistesleben, Religion, aus Kriegen und Revolutionen dargestellt. Die Erschließung der gesamten Universalgeschichte gelang Peters mit Hilfe eines Teams von Spezialisten aus den verschiedensten Wissenschaftsgebieten. Unter dem Namen "Der Digitale Peters" erscheint nun eine DVD, die völlig neue Zugriffsmöglichkeiten auf Arno PetersÂŽ Werk bietet. Ereignisse und Persönlichkeiten lassen sich mit ihren Verbindungen aufrufen. Wie eng und auf welche Weise andere Daten damit zusammenhĂ€ngen wird auf einen Blick sichtbar. Auf den Zeitkarten lassen sich unterschiedliche Ereignistypen (Gesellschaftsordnung, Geistesleben, Wirtschaft und Technik) zusammenfassen, weltgeschichtliche Eignisse und die Lebenszeit von historischen Gestalten in ĂŒber 1.100 synchronoptischen Tafeln unter die Lupe nehmen. Mit der Recherchefunktion werden Stichworte und Namen gefunden, dazu gibt es Hinweise zu verwandten Daten und Themen. Eine weitere Funktion bietet die Möglichkeit, alle Daten zu einem Thema zeitlich synchron in ausfĂŒhrlichen Texten parallel zu betrachten und mit eigenen Kommentaren zu versehen.

Hans-Rudolf Behrendt, Thomas Burch, Martin Weinmann: Der digitale Peters
(DVD mit Begleitbuch; Systemvoraussetzungen: PC: XP, Vista, Win 7; Mac: Intel-Prozessor, ab OS 10.5; freie Festplatte: 7 GB).
Zweitausendeins, 89,90 €.


„Der Toten tiefes Schweigen“
von Susan Hill

In Lafferton, einer kleinen Stadt in England kommt es zu einer Reihe von Morden an jungen Frauen, die zunÀchst scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch Simon Serrailler, dem Chief Superintendent, fÀllt ein makabrer Zusammenhang auf: Alle Ermordeten hatten gerade mit Hochzeitsvorbereitungen zu tun. Ein Mord fand gleich nach den Flitterwochen statt, ein anderer auf einem Polterabend, ein weiterer an einer Brautjungfer. Weitere Gemeinsamkeiten scheint es zwischen den FÀllen nicht zu geben. Viele junge Paare in Lafferton sind beunruhigt, manche Hochzeit wird verschoben. Als der "Hochzeitsmörder" wieder zuschlÀgt, ist jedoch alles ganz anders - auch weil Detective Simon Serrailler eine Familientragödie zu verkraften hat, die ihn nicht mehr klar denken lÀsst ...

Susan Hill: Der Toten tiefes Schweigen.
Knaur, 448 Seiten, 16,95 €.


„Die Geschichte von König Lear“
von Gisbert Haefs

Gisbert Haefs, Autor historischer Romane und der Matzbach-Krimis hat die Geschichte von König Lear neu in Prosa ĂŒbertragen. König Lear will abdanken und das Reich unter seinen Töchtern aufteilen: Wer ihn am meisten liebt, soll am meisten bekommen. Die beiden Ă€lteren, Goneril und Regan, bekunden wortreich ihre Liebe, wĂ€hrend die jĂŒngste, Cordelia, schweigt, weil Sprache ihre GefĂŒhle nicht ausdrĂŒcken kann. Lear erkennt die wahre Liebe seiner jĂŒngsten Tochter nicht, Eitelkeit und Machtverliebtheit machen ihn blind, sodass er sein Reich den beiden Ă€lteren zuspricht, die JĂŒngste aber enterbt. Doch schon bald muss er erfahren, wie sehr er sich getĂ€uscht hat. Goneril und Regan, die ihrem Vater Schutz und Unterhalt versprochen haben, verstoßen ihn bald. Begleitet von einem Getreuen und einem Narren irrt Lear durchs wĂŒste Land und verfĂ€llt dem Wahnsinn.

Gisbert Haefs: Die Geschichte von König Lear.
Insel Verlag, 175 Seiten, 7,00 €.


„Die große Brocklaus“
von Oliver Kuhn, Axel Fröhlich und Alexandra Reinwarth

Das komplett erfundene Lexikon

„Die große Brocklaus“ versteht sich als unverzichtbarer ErgĂ€nzungsband zu allen bisher veröffentlichten Lexika jedweder Art. AufgefĂŒhrt sind sĂ€mtliche unbekannten WissenslĂŒcken aus allen Bereichen des menschlichen Lebens, aus Forschung und Technik, Geschichte, Kunst und Kultur. Alle Stichworte sind in Wissenschaft und Literatur bisher unerwĂ€hnt und daher schlicht ĂŒbersehen worden. Ob korrekte Definition des Ostpols, die genaue Ableitung der unschönen Zahl Pu oder EinfĂŒhrung in den theologischen Diskurs ĂŒber das hĂ€ufig immer noch fĂŒr verschollen gehaltene elfte Gebot – „Die große Brocklaus“ fĂŒhrt den uninformierten Suchenden sicher durch den Dschungel des Nichtwissens. Auch der wissenschaftlich nicht vorgebildete Leser findet eine FĂŒlle interessanten Nichtwissens aus Alltag, Gefahrenabwehr und Menschenkunde. Mit vielen S/W-Abbildungen und einigen Farbtafeln.

Oliver Kuhn, Axel Fröhlich, Alexandra Reinwarth: Die große Brocklaus.
Droemer, 424 Seiten, 20,00 €.


„Die Kunst, einen Drachen zu reiten“
von Bernhard Moestl

Im Zuge seiner ReisetĂ€tigkeit lernte Bernhard Moestl das Shaolin-Kloster kennen und verbrachte dort einige Monate, um das Leben der Mönche zu studieren. Diese Erfahrung prĂ€gte sein Leben und fĂŒhrte ihn zum Schreiben seines Bestsellers „Shaolin – du musst nicht kĂ€mpfen, um zu siegen“. In seinem neuen Buch zeigt er, wie zentral die Macht der Gedanken fĂŒr unser Dasein ist. Denn jeder Mensch lebt in der Wirklichkeit, die er sich durch sein Denken selbst erschaffen hat. Und nur durch die eigene Gedankenkraft kann diese RealitĂ€t auch wieder verĂ€ndert werden – im Positiven, wie im Negativen. Der unbezwingbare Drache aus dem alten China steht dabei als Sinnbild fĂŒr das Denken. Anhand von zwölf Strategien erfĂ€hrt der Leser, welche fremden EinflĂŒsse ihn lĂ€hmen oder beflĂŒgeln. Durch dieses Erkennen wird die Kraft freigesetzt, das eigene Leben selbst zu bestimmen.

Bernhard Moestl: Die Kunst, einen Drachen zu reiten.
Knaur, 224 Seiten, 16,95 €.


„Die Kunst der Mathematik“
von Mario Markus

Alle Erscheinungen unseres Universums lassen sich in mathematische Formeln fassen. Als Physiker fragte Mario Markus sich, wie sich die Schönheit mathematischer Formeln fĂŒr Laien sichtbar machen lĂ€sst. Kunstliebhaber könnten dann nicht nur ihren Ă€sthetischen, sondern zugleich auch ihren naturwissenschaftlichen Horizont erweitern, Fachleuten wĂŒrde ein neuer Zugang zur RĂ€tselwelt des Chaos eröffnet werden. Marcus entwickelte ein Programm, um die Grenzlinie zwischen Gleichgewicht und Chaos in biologischen Systemen auf beeindruckende Weise zu visualisieren. In seinem Buch zeigt er, wie sich Formeln und Gleichungen in wunderschöne Bilder umrechnen lassen. Die beiliegende Software ermöglicht es, selbst mit Zahlenwerten zu experimentieren und diese in Bilder zu verwandeln.

Mario Markus: Die Kunst der Mathematik.
Zweitausendeins, 220 Seiten, 24,90 €.


„Die leere Trommel“
von Leo N. Tolstoi

MĂ€rchen und Legenden aus dem alten Russland,
vorgestellt von Wladimir Kaminer

Leo Tolstoi (1828–1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa zog er sich auf sein Familiengut Jasnaja Poljana zurĂŒck und verfasste dort seine berĂŒhmten Romane und ErzĂ€hlungen. Tolstoi's erster deutscher Verlag nahm den hundertsten Todestag des Autors zum Anlass, ihn mit einer MĂ€rchen- und Legendensammlung zu ehren. Wladimir Kaminer – Kultautor und GrĂŒnder der Berliner „Russen-Disko“ – stellt die ebenso rĂŒhrenden wie abgrĂŒndigen ErzĂ€hlungen aus dem alten Russland vor. Die Figuren in Tolstoi's MĂ€rchen sind alles andere als Bilderbuchhelden, sie verzichten auf ein Königreich und suchen keine Prinzessin. Der Leser begegnet ihnen in schwierigen Alltagssituationen die nur mit Mut und Weisheit zu bewĂ€ltigen sind. Auch nach 100 Jahren haben Tolstoi's Botschaften nichts von ihrer AktualitĂ€t eingebĂŒĂŸt.

Leo N. Tolstoi: Die leere Trommel.
Diederichs, 336 Seiten, 19,99 €.


„Die Netzhaut“
von Torkil Damhaug

Der zwölfjĂ€hrige Jo ist mit seiner Mutter und seinem Stiefvater im Urlaub in Griechenland. Doch was sich nach Ferienidylle anhört, entwickelt sich fĂŒr Jo schnell zum Alptraum: Seine Mutter trinkt, fĂŒr den unsympathischen Stiefvater schĂ€mt er sich, zudem muss er durchgehend auf seine beiden kleineren Geschwister aufpassen. Als Jo sich auch noch unglĂŒcklich verliebt, kommt es zum Selbstmordversuch und zur Rettung in letzter Minute. Zwölf Jahre spĂ€ter verschwindet in Oslo die Psychotherapeutin Mailin Bjerke spurlos, und mit ihr eine streng vertrauliche Patientenakte aus Ihrer Praxis. Einige Tage spĂ€ter wird Mailin gefoltert und ermordet aufgefunden. Kommissar Viken und sein Team ĂŒbernehmen den Fall, gleichzeitig beginnt Mailins eigensinnige Schwester Liss, Nachforschungen anzustellen. Liss hatte sich hĂ€ufig mit Mailin beraten, da sie sich an nichts erinnern kann, was vor ihrem zwölften Lebensjahr geschah. Als Sie sich nach Oslo aufmacht, kommt auch noch einer ihrer Bekannten zu Tode. Je tiefer Liss in der Vergangenheit ihrer Schwester nachforscht, desto mehr erfĂ€hrt sich auch ĂŒber sich selbst. Und kommt dabei dem Mörder ihrer Schwester gefĂ€hrlich nahe ...

Torkil Damhaug: Die Netzhaut.
Droemer, 543 Seiten, 19,95 €.


„Dinge, die es nicht geben dĂŒrfte“
von Reinhard Habeck

Mysteriöse Funde aus aller Welt

Immer wieder tauchen GegenstĂ€nde aus vorgeschichtlicher Zeit auf, die nach dem bisherigen Stand der Forschung nicht existieren dĂŒrften. Anzeichen dafĂŒr, das Menschen schon zur Zeit der Dinosaurier leben, werden von der Wissenschaft nicht ernst genommen. Trotzdem lassen sich manche Funde kaum anders interpretieren. Kann es zur Zeit der Babylonier bereis Elektro-Batterien gegeben haben? So abwegig dies zunĂ€chst klingt – unmöglich ist es nicht. Ein TongefĂ€ĂŸ, einige Substanzen, die damals bereits bekannt waren und ein wenig Metall – und plötzlich ergeben rĂ€tselhafte Zeichnungen einen unerwarteten Sinn. Was aus dem Rahmen der Geschichtsschreibung fĂ€llt, verschwindet nicht selten in Archiven und Kellern von Museen und damit aus dem Blick von Forschung und Öffentlichkeit. Reinhard Habeck hat solche in verbannten MuseumsstĂŒcke aufgestöbert und deckt ihre wahre Herkunft auf. Habeck ist Mitinitiator der großen Wanderausstellung „Unsolved Mysteries“, die seit 2001 hunderte mysteriöse archĂ€ologische SammlerstĂŒcke aus aller Welt prĂ€sentiert.

Reinhard Habeck: Dinge, die es nicht geben dĂŒrfte.
Knaur, 238 Seiten, 8,95 €.


„Ehrenwort“
von Ingrid Noll

Ein halsbrecherischer Sturz bringt den fast 90-jĂ€hrigen Willy Knobel ins Krankenhaus. Die Prognosen stehen schlecht, die Ärzte rechnen mit einigen wenigen Wochen, die ihm noch zum Leben bleiben. Trotz der lauten Proteste seines Sohnes Harald setzt dessen Frau Petra es durch, dass der Alte bei ihnen zu Hause gepflegt wird. Lange wĂŒrde es ja ohnehin nicht mehr dauern. Dass es dem 20-jĂ€hrigen Enkel Max mit einer Vanille-Pudding-Kur gelingen wĂŒrde, den Großvater wieder auf Vordermann zu bringen, hĂ€tte niemand gedacht. Je besser sich der Umsorgte fĂŒhlt, desto mehr beginnt das Leben von Harald und Petra aus den Fugen zu geraten. WĂ€hrend sich die beiden den Kopf darĂŒber zerbrechen, wie sie den Störenfried ohne Aufsehen loswerden, bandelt Max mit der Pflegerin Jenny an. Doch die hat ein dunkles Geheimnis. Zwischen Maxiwindeln und Mordversuch erzĂ€hlt Ingrid Noll's bitterböse Kriminalkomödie von einer Familie, die das Thema Altern auf ganz eigene Weise anpackt.

Ingrid Noll: Ehrenwort.
Diogenes, 336 Seiten, 21,90 €.


„Ein König fĂŒr Deutschland“
von Andreas Eschbach

Vincent Wayne Merrit, ein US-Amerikaner deutscher Abstammung, wird im Herbst 2000 beauftragt, ein Programm zu schreiben, mit dem man ĂŒber Wahl-Computer abgegebene Stimmen fĂ€lschen könnte. Nur ein Prototyp, heißt es, zu Studienzwecken. Noch ahnt niemand, dass den USA die umstrittensten PrĂ€sidentschaftswahlen aller Zeiten bevorstehen. Kommt Vincents Programm zum Einsatz, um George W. Bush an die Macht zu bringen? Vincent weiß es nicht, aber die Hinweise mehren sich ... Acht Jahre spĂ€ter wird Vincent erpresst, noch einmal ein solches Programm zu schreiben. Um sich abzusichern, schickt er alles heikle Material nach Deutschland, zu seinem Vater Simon König. Bloß versteht der nichts von Computern und begreift deshalb erst, als er mit ein paar jungen Computerfreaks und Wahl-Computer-Gegnern zusammenkommt, was das alles bedeutet. Gemeinsam entwickeln sie den Plan, eine Partei zu grĂŒnden, damit die Wahlen zu gewinnen und auf diese Weise die GefĂ€hrlichkeit von Wahlmaschinen zu entlarven. Und was könnte absurder sein als eine Partei zur WiedereinfĂŒhrung der Monarchie? Es kommt, wie es kommen muss: Simon König gewinnt. Doch warum den Schwindel aufdecken? Warum nicht wirklich König von Deutschland werden?

Andreas Eschbach: Ein König fĂŒr Deutschland.
LĂŒbbe, 491 Seiten, 19,99 €.


„Eine kurze Geschichte der Spekulation“
von John Kenneth Galbraith

Der 2006 verstorbene US-amerikanische Ökonom John Kenneth Galbraith war Schriftsteller, Diplomat, PrĂ€sidentenberater und bekennender Linksliberaler. In seinen ökonomischen Arbeiten sprach er sich fĂŒr eine StĂ€rkung des Staates und fĂŒr eine Förderung der Nachfrage aus. In diesem kleinen amĂŒsanten Leitfaden zum Thema Spekulation zeigt er auf, wie es zu einem Börsencrash kommt und warum dieser unvermeidlich ist. „In Finanzdingen haben wir ein extrem kurzes GedĂ€chtnis“, meint Galbraith. Sobald der letzte Crash vergessen ist, beginne die nĂ€chste Spekulationswelle. Galbraith's Analyse zeigt, nach welchen psychologischen Regeln die FinanzmĂ€rkte funktionieren und warum sich zahllose Anleger stets aufs Neue von abenteuerlichen Gewinnversprechen blenden und hinters Licht fĂŒhren lassen. Wer Galbraith gelesen hat, den kann die aktuelle Finanzkrise nicht wirklich ĂŒberrascht haben.

John Kenneth Galbraith: Eine kurze Geschichte der Spekulation .
Eichborn, 128 Seiten 14,95 €.


„Frevelopfer“
von Arnaldur IndriĂ°ason

In „Frevelopfer“ macht Kommissar Erlendur, der in den bisherigen Indridason-Krimis die Ermittlungen leitete, Urlaub in den Ostfjorden, und seine Kollegin Elinborg springt fĂŒr ihn ein. Sie muss den Mord an einem jungen Mann aufklĂ€ren, der in einem der im angesagtesten Viertel von ReykjavĂ­k mit durchtrennter Kehle aufgefunden wird. Er trĂ€gt das T-Shirt einer Frau und in seiner Wohnung wird ein Narkotikum entdeckt – eine Vergewaltigungsdroge. Lange Zeit sieht es so aus, als ob jeder der Mörder sein könnte, doch nach und nach stellt sich heraus, dass Elinborg mit einem Mordfall konfrontiert ist, der mit Taten in Zusammenhang steht, die viele Jahre zurĂŒckliegen und nie gesĂŒhnt wurden.

Arnaldur IndriĂ°ason: Frevelopfer.
LĂŒbbe, 381 Seiten, 18,99 €.


„Gangsterwirtschaft“
von JĂŒrgen Roth

Wie die organisierte KriminalitÀt Deutschland aufkauft

Nach seinen Erfolgstiteln „Ermitteln verboten!“, „Der Deutschland-Clan“ und „Mafialand Deutschland“ widmet sich Journalist JĂŒrgen Roth diesmal den illegalen Finanzströmen und deren Einfluss auf Wirtschaft und Politik in Deutschland. Im Jahr 2009 wurden nach seriösen SchĂ€tzungen mehr als 40 Milliarden kriminell erwirtschaftete Euro in die deutsche Wirtschaft gepumpt – zum Teil in kriselnde Unternehmen gesteckt, zum Teil ĂŒber korrupte Banker und AnwĂ€lte in Aktien und Fonds investiert. Über die Jahre hat dieser Trend immer mehr zugenommen und einen tiefgreifenden Einfluss auf das wirtschaftspolitische Klima gewonnen. Selbst seriöse Unternehmen machen sich die Praktiken der Mafia zu eigen, um die Konkurrenz auszuschalten. Politik und Justiz schauen dabei nicht nur tatenlos zu, sondern schĂŒtzen und unterstĂŒtzen die kriminellen Strukturen auf vielfĂ€ltige Weise. Dabei gab es nie ein geheimes Komplott, das der KriminalitĂ€t TĂŒr und Tor geöffnet hatte – ganz im Gegenteil waren es viele kleine Schritte, die in den letzten Jahren dazu fĂŒhrten, dass die Organisierte KriminalitĂ€t in Europa und Deutschland Fuß fassen konnte. Solche kleinen Schritte werden hier von JĂŒrgen Roth an vielen brisanten Beispielen aufgezeigt.

JĂŒrgen Roth: Gangsterwirtschaft.
Eichborn, 302 Seiten, 19,95 €.


„Grimm's Wörter“
von GĂŒnter Grass

Die BrĂŒder Grimm erhielten 1838 den Auftrag, ein Wörterbuch der deutschen Sprache zu erstellen. In der Annahme, diese Arbeit in wenigen Jahren zu bewĂ€ltigen, machten sie sich an ihr Werk, zögerlich zunĂ€chst, dann voller Eifer, sammelten sie Wörter und trugen Zitate zusammen. Sie erforschten Herkommen und Verwendung, doch schon bald wurde ihnen klar, dass sie die Vollendung ihres Werkes nicht erleben werden. Am Ende ihres Lebens haben Jacob und Wilhelm Grimm nur wenige Buchstaben bewĂ€ltigt. Grass schreibt nicht nur ĂŒber das Leben der BrĂŒder Grimm und das Voranschreiten des Werkes, sondern schlĂ€gt immer wieder die BrĂŒcke zum politischen Klima der damaligen und der heutigen Zeiten. Er spĂŒrt dem Reichtum der deutschen Sprache nach und durchstreift die deutsche Geschichte seit den AnfĂ€ngen der Demokratie. Entstanden ist eine LiebeserklĂ€rung an die deutsche Sprache und – scheinbar wie nebenbei – ein Teil der Biographie des Autors.

GĂŒnter Grass: Grimm's Wörter.
Steidl, 360 Seiten, 29,80 €.


„Heimaturlaub“
von Joachim Geil

Im Sommer 1944 erhĂ€lt Panzer-Leutnant Dieter Thomas eine Woche Heimaturlaub. Von der Ostfront, an der der Krieg unerbittlich tobt, geht es in die beschauliche pfĂ€lzische Provinz. Der Gegensatz der SchauplĂ€tze könnte nicht krasser sein, und ebenso unĂŒberbrĂŒckbar sind Wunsch und Wirklichkeit des Leutnant Thomas. In der idyllischen Heimat, in der noch jedermann an den ‚Endsieg‘ glaubt, will Thomas seine Zeit genießen, mit Heidi im Schwimmbad flirten und die Kriegserlebnisse vergessen. Wo immer er auf seine Front-Erfahrungen angesprochen wird, gibt er ausweichende Antworten – schließlich ist er im Urlaub. Doch die Erinnerungen holen ihn ein, besonders die an einen grausamen Vorfall in Russland. Erinnerungen, die schließlich in Mordfantasien gegen Heidi ĂŒbergehen.

Joachim Geil: Heimaturlaub.
Steidl, 296 Seiten, 19,90 €.


„Höllenengel – Ein Island-Krimi“
von Thrainn Bertelsson

Kurz nachdem in Estland eine Amphetaminfabrik explodiert, werden in einem Sommerhaus in Island drei brutal zugerichtete Leichen gefunden. Der Tatort ist ĂŒbersĂ€t mit rĂ€tselhaften Zeichen. Kaum nimmt Kommissar VĂ­kingur die Ermittlungen auf, gibt es einen weiteren Toten: VĂ­kingurs verschwundenen Stiefsohn MagnĂșs. Seine Frau ThĂłrhildur erleidet einen Schock und stirbt wenige Tage spĂ€ter an einer Überdosis Tabletten. WĂ€hrend das Team von der Kripo ReykjavĂ­k ohne großen Erfolg im Drogenmilieu fahndet, erweist sich die Website „Wohlverdiente Strafe“ als eine vielversprechende Spur. Sie fĂŒhrt die Polizisten zu MagnĂșs' Freund Karl Viktor, der auf einem abgelegenen Bauernhof lebt ...

Thrainn Bertelsson: Höllenengel – Ein Island-Krimi.
DTV, 368 Seiten, 8,95 €.


„Letzte Nacht in Twisted River“
von John Irving

Der 1942 in New Hampshire geborene John Irving wusste als 19-JĂ€hriger genau, was er wollte: Ringen und Romane schreiben. Bis zum Durchbruch von „Garp“ trainierte er an amerikanischen UniversitĂ€ten Ringermannschaften und zukĂŒnftige Schriftsteller. Seine Romane zeichnen sich durch unwahrscheinliche, oft makabere Begebenheiten aus und gelten als Satiren auf die amerikanische Gesellschaft. Sein neuestes Werk handelt von einem Koch und seinem Sohn auf der Flucht vor einem Verfolger durch halb Amerika, ausgelöst durch eine tragische Verwechslung. In einem HolzfĂ€llercamp in den WĂ€ldern von New Hampshire verwechselt der zwölfjĂ€hrige Danny in der Dunkelheit die Geliebte des Dorfpolizisten mit einem BĂ€ren. Da diese Verwechslung tödliche Folgen hat, flieht der Junge mit seinem Vater Dominic, dem Koch des Camps. Zuerst reisen die beiden nach Boston, doch da sie verfolgt werden, geht es weiter nach Vermont und Iowa und schließlich nach Kanada. Der RĂ€cher, der ihrer Spur folgt, wird auch nach Jahrzehnten nicht vergessen. Immer wieder steht Dominic in einer neuen KĂŒche und muss aus fremden Zutaten ein neues Gericht zaubern – und nebenbei eine neue IdentitĂ€t fĂŒr sich und seinen Sohn.

John Irving: Letzte Nacht in Twisted River.
Diogenes, 730 Seiten, 26,90 €.


„Mental Healing“
von Clemens Kuby

Das Geheimnis der Selbstheilung

Clemens Kuby, MitgrĂŒnder der „GrĂŒnen“, Dokumentarfilmer und Bestseller-Autor, war nach einem Sturz aus dem Fenster querschnittsgelĂ€hmt. Obwohl Ärzte ihm einen unheilbaren Zustand attestierten, konnte Kuby vollstĂ€ndig genesen. Seit dieser Erfahrung widmet er sich dem PhĂ€nomen der Selbstheilung, besuchte Heiler aus allen Kulturen, verfasste mehrere BĂŒcher zum Thema und produzierte den Kinofilm „Unterwegs in die nĂ€chste Dimension“. In seinem neuen Buch hat er unter dem Begriff „Mental Healing“ die Ergebnisse seiner langjĂ€hrigen Erfahrungen mit Selbstheilungsprozessen zusammengetragen. Dabei geht es ihm nicht nur darum, Heilung als etwas AlltĂ€gliches zu vermitteln, sondern dem Leser auch Techniken vorzustellen, die es ermöglichen, die eigenen SelbstheilungskrĂ€fte zu aktivieren und zu nutzen. Kuby geht davon aus, dass der Mensch ein sich selbst heilendes Wesen ist, diese FĂ€higkeit aber teilweise verloren hat, weil wir verlernt haben, unsere intuitiven KrĂ€fte zu nutzen. So sind seine hier vorgestellten Techniken in erster Linie als Intuitionsschulung zu verstehen. Kuby's ErlĂ€uterungen und nicht zuletzt die dokumentierten Erfolgsgeschichten regen dazu an, das Thema Heilung aus einem völlig neuen Blickwinkel zu betrachten.

Clemens Kuby: Mental Healing.
Kösel, 384 Seiten, 19,99 €.


„Oktoberfest“
von Christoph Scholder

Weiß-blau erstreckt sich der Himmel ĂŒber MĂŒnchen, tausende Besucher strömen auf das grĂ¶ĂŸte Volksfest der Welt, ausgelassen tanzen die Leute in den riesigen Zelten. Exakt vier Minuten vor sechs ist es, als der Horror beginnt: ein Giftgasanschlag lĂ€sst den LĂ€rm in einem der Zelte innerhalb von Sekunden verstummen. Doch 2.000 Tote sind erst der Anfang. Ein Terrorkommando, hervorragend ausgerĂŒstet und offensichtlich mit militĂ€rischen Erfahrungen, hat alle Bierzelte mit Giftgasleitungen versehen. 70.000 Besucher sind als Geiseln genommen, die SicherheitskrĂ€fte mit der Situation vollkommen ĂŒberfordert. Trotz des Kompetenzgerangels zwischen einzelnen Institutionen und FĂŒhrungskrĂ€ften, wird ein Mann gefunden, dessen FĂ€higkeiten die Lage retten könnte. In atemberaubenden Tempo wird der Leser an die verschiedensten SchauplĂ€tzen von Moskau bis Mauritius gefĂŒhrt, um erst ganz am Schluss die wahren HintergrĂŒnde zur Geiselnahme zu erfahren.

Christoph Scholder: Oktoberfest.
Droemer, 603 Seiten, 19,95 €.


„Schwedische Hochzeitsnacht“
von Stig Dagerman

Dies ist der letzte Roman des schwedische Autors Stig Dagerman, der sich nach einer ungewöhnlichen Schaffensperiode von wenigen Jahren 1954 selbst das Leben nahm. FrĂŒh von den Eltern getrennt wuchs Dagerman in schwierigen VerhĂ€ltnissen auf. Seine Romane sind eine Abrechnung mit der dunklen Seite der schwedischen Gesellschaft, eine Thematik, die in „Schwedische Hochzeitsnacht“ zweifellos ihren Höhepunkt findet. Dagerman schildert die Hochzeit des Schlachtermeisters Westlund mit Hildur Palm. Doch statt lĂ€ndlicher Idylle beherrscht ein grausames Geflecht boshafter Charaktere das Bild – Menschen, die einander in Hass, Habsucht, Neid und sexueller Gier verbunden sind. Die Vorbereitungen zum Fest eskalieren in einer grotesk geschilderten Nacht voll Gewalt und Alkohol. Der Autor erzĂ€hlt von der Bosheit und Niedertracht einer Dorfgemeinschaft, die ihm selbst von Geburt an bekannt war.

Stig Dagerman: Schwedische Hochzeitsnacht.
Eichborn, 288 Seiten, 32,00 €.


„Septagon“
von Richard Montanari

Sie war nur eine Ausreißerin, doch nun ist sie ein Fall fĂŒr die Mordkommission: In einer heruntergekommenen Gegend Philadelphias wird die Leiche des MĂ€dchens entdeckt. Im Keller eines verwahrlosten Appartments, ohne WasseranschlĂŒsse – ertrunken.

Ein mysteriöser Hinweis fĂŒhrt Kevin Byrne und Jessica Balzano, Sonderermittler der Polizei von Philadelphia, zu einer exzentrischen Ă€lteren Dame, die sie in die Kunst des Tangrams, eines Legespiels aus geometrischen Formen, einfĂŒhrt. Kurz darauf nimmt sie sich das Leben und hinterlĂ€sst eine weitere geheimnisvolle Botschaft.

Als sich die rĂ€tselhaften Morde hĂ€ufen, fĂŒgt sich allmĂ€hlich ein grausiges Puzzle zusammen. Den Detectives wird klar, dass hier ein Serien-Killer am Werk ist, der die ganze Stadt als Spielbrett nutzt. Seine Spielzeuge sind Unschuldige, seine Gegner – und Spielfiguren – sind Byrne und Balzano. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...

Richard Montanari: Septagon.
LĂŒbbe, 461 Seiten, 19,95 €.


„SommerlĂŒgen“
von Bernhard Schlink

Bernhard Schlink, ursprĂŒnglich Jurist, ist als Autor inzwischen weltberĂŒhmt geworden. Seine bekanntesten Romane wurden verfilmt, „Der Vorleser“ in 45 Sprachen ĂŒbersetzt. „SommerlĂŒgen“ ist eine Sammlung sieben bewegender Geschichten, die alle um das gleiche Thema kreisen: wo leben wir wirklich das Leben, das wir nach außen darstellen, und wann beginnen wir, uns etwas vorzumachen? Eine Frau gesteht sich ein, dass sie ihre Kinder nicht mehr liebt, erkennt, dass nichts mehr einen Sinn macht, von dem, was ihr Leben bisher bestimmte. Sie macht sich auf die Suche, trifft ihre erste große Liebe wieder und will herausfinden, ob sie damals die falsche Entscheidung getroffen hat. Wir treffen auf einen Sohn, der mit seinem Vater eine Reise unternimmt, weil er herausfinden will, wer dieser wirklich ist. Ein Mann hört sich auf einem Flug die Lebensbeichte seines fremden Sitznachbarn an und kann zwischen LĂŒge und Wirklichkeit nicht unterscheiden. Ein anderer belĂŒgt seine Geliebte wieder und immer wieder und verliert sich selbst in seinen AusflĂŒchten. In allen diesen ErzĂ€hlungen werden LĂŒgen aufgedeckt und doch bleibt die Frage stehen: Ist das Leben ohne LebenslĂŒgen ĂŒberhaupt zu bewĂ€ltigen?

Bernhard Schlink: SommerlĂŒgen.
Diogenes, 288 Seiten, 19,90 €.


„Sturz der Titanen“
von Ken Follett

Erfolgsautor Ken Follett hat weltweit mehr als 100 Millionen BĂŒcher verkauft. Auf seinen neuen Roman mussten die Fans drei Jahre warten, und das aus gutem Grund. Follett's neues Werk ist der Auftakt zu einer dreibĂ€ndigen Jahrhundert-Saga, die von der Geschichte dreier Familien in drei LĂ€ndern handelt und sich ĂŒber drei Generationen erstreckt. Die Handlung beginnt im Vorfeld des Ersten Weltkrieges, als sich tiefgreifende UmwĂ€lzungen fĂŒr Europa ankĂŒndigen und soll im dritten Band mit dem Fall der Mauer enden. Dazwischen verweben sich die Schicksale der Mitglieder dreier Familien immer wieder aus Neue: die deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, auseinandergerissen unter den politischen Spannungen, eine Familie aus England mit Angehörigen sowohl in der Arbeiterschicht als auch im Adel und dazwischen die zwei BrĂŒder aus Russland, die sich in den Wirren der Revolution plötzlich auf verschiedenen Seiten gegenĂŒberstehen. Follett versteht es, die Dramatik der politischen Entwicklungen in Europa nachzuzeichnen und aus der Sicht von Einzelschicksalen wiederaufleben zu lassen.

Ken Follett: Sturz der Titanen.
LĂŒbbe, 1024 Seiten, 28,80 €.


„SĂŒĂŸe Fische aus Seen und FlĂŒssen –
Die besten Rezepte von Aal bis Zander“
von Toni Mörwald

Der österreichische Star-Koch Toni Mörwald ist Autor zahlreicher KochbĂŒcher und -sendungen und betreibt ein Restaurant- und Catering-Unternehmen, das aus mehr als einem Dutzend Restaurants besteht und Gourmets aus aller Welt anzieht. In diesem Band hat Mörwald seine besten Rezepte fĂŒr SĂŒĂŸwasserfische zusammengestellt. Lange Zeit von der KĂŒche vernachlĂ€ssigt, gibt es derzeit einen Trend zu regionalen Produkten und insbesondere zu heimischen SĂŒĂŸwasserfischen. Denn Fische aus Seen, Teichen, FlĂŒssen und BĂ€chen sind eine gesunde Delikatesse, cholesterinarm und mit einem hohen Anteil an Omega-3-FettsĂ€uren. Ob Krebs-Coctail mit Kaviar-Ei, Hechtnockerln mit Dillsauce oder Wildsaibling in der Salzkruste – alle hier vorgestellten Gerichte lassen sich problemlos am heimischen Herd umsetzen. In Wort und Bild zeigt Mörwald, wie Schuppen, Beizen und Filetieren funktionieren, erklĂ€rt Blaukochen, DĂŒnsten und Grillen und verrĂ€t das Geheimnis des perfekten Fischfonds. In Norddeutschland dĂŒrfte es schwierig werden, einige der verwendeten Fische zu einem halbwegs vernĂŒnftigen Preis zu erstehen. In den meisten FĂ€llen können diese allerdings leicht durch heimische Sorten ersetzt werden.

Toni Mörwald: SĂŒĂŸe Fische aus Seen und FlĂŒssen –
Die besten Rezepte von Aal bis Zander.
Residenz Verlag, 320 Seiten, 34,90 €.


„Todesbraut“
von Sandra LĂŒpkes

Die attraktive Shirin Talabani wird ermordet aufgefunden – entkleidet und mit unĂŒbersehbaren WĂŒrgemalen. Die nĂ€heren UmstĂ€nde lassen auf einen Ehrenmord schließen, als TĂ€ter wird Shirins Bruder Armanc verdĂ€chtigt. Da die junge Kurdin der Familie Schande bereitet hatte, versuchte er bereits einmal, sie umzubringen. Doch Wencke Tydmers, Profilerin beim „LKA“ in Hannover, hat von Anfang an Zweifel an dieser Version des Tathergangs. Ihr GefĂŒhl sagt ihr, dass es hier nicht um einen Ehrenmord geht, und sie stĂŒrzt sich gegen alle Dienstvorschriften in die Ermittlungen. Als sie merkt, dass sie beschattet wird, ist es bereits zu spĂ€t: ihr kleiner Sohn Emil wird entfĂŒhrt. Die Spuren fĂŒhren Wencke Tydmers nach Istanbul in eine andere Kultur mit tief verwurzelten Traditionen und fremd anmutenden BrĂ€uchen.

Sandra LĂŒpkes: Todesbraut.
DTV, 340 Seiten, 13,90 €.


„Verheimlicht – vertuscht – vergessen“
von Gerhard Wisnewski

Was 2009 nicht in der Zeitung stand

Auch in diesem Jahr veröffentlicht der bekannte Journalist Gerhard Wisnewski wieder seinen kritischen JahresrĂŒckblick. Auch 2009 gab es jede Menge ungeklĂ€rter Fragen, denen die Nachrichtenmedien auffallend bereitwillig aus dem Weg gegangen sind. Wie starb die iranische Studentin Neda? Was steckt hinter der „Schweinegrippe“? Was hat es mit dem Bilderberger-Konferenz auf sich? SouverĂ€n fĂŒhrt EnthĂŒllungsjournalist Wisnewski durch die Ungereimtheiten und offenen Fragen des Jahres 2009 und zeigt ZusammenhĂ€nge auf, die in den regulĂ€ren Nachrichten nicht zu finden sind. Dabei beruft er sich nicht auf Hörensagen oder Mutmaßungen, sondern auf gesicherte Quellen, handfeste eigene Recherche und akribische Detailarbeit.

Gerhard Wisnewski: Verheimlicht – vertuscht – vergessen.
Knaur, 303 Seiten, 6,95 €.


„Von Null auf Papa“
von Marc SchĂŒrmann

Plötzlich Papa

„Ich bin ein verantwortungsbewusster Mensch. Trotzdem dachte ich am 12. Februar 2006 gar nichts, und so machte ich mit einer Frau, die ich 38 Stunden zuvor zum ersten Mal gekĂŒsst hatte, ein Kind.“ Was nach Katastrophe klingt, erweist sich als Beginn einer glĂŒcklichen Beziehung. Beide wagen viel. Marc SchĂŒrmann schreibt ĂŒber diesen Wandel in seinem Leben, ĂŒber sein Singledasein und sein plötzliches Vaterwerden, ĂŒber Bedenken und glĂŒckhafte Erfahrungen. Mittlerweile ist ĂŒbrigens das zweite Kind da.en.

Marc SchĂŒrmann: Von Null auf Papa.
DTV, 155 Seiten, 8,95 €.


„Warum MĂ€nner immer Sex wollen
und Frauen von der Liebe trĂ€umen“
von Allan und Barbara Pease

Die Kommunikations-Trainer Allan und Barbara Pease hatten ihren Bestseller „Warum MĂ€nner nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ dem Thema zwischenmenschliche Beziehungen gewidmet. Ihr neues Buch behandelt die hĂ€ufig gegensĂ€tzlichen Erwartungen von MĂ€nnern und Frauen an Liebe und SexualitĂ€t. Nirgendwo ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern so groß wie beim Sex und in der Liebe, meinen die Autoren, und versuchen aufzuzeigen, wie man dennoch miteinander glĂŒcklich werden kann. Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse erklĂ€ren sie, woran genau man erkennt, dass man zueinander passt, warum Frauen oft lieber Schokolade mögen als Sex, warum Sex gut fĂŒr die Gesundheit ist und vieles andere mehr.

Allan und Barbara Pease: Warum MĂ€nner immer Sex wollen
und Frauen von der Liebe trÀumen.
Ullstein, 336 Seiten, 18,00 €.


„Was zu bezweifeln war“
von Hans-Dieter Radecke und Lorenz Teufel

Die LĂŒge von der objektiven Wissenschaft

Der Physiker Hans-Dieter Radecke und der Journalist Lorenz Teufel befassen sich mit der Geschichte, der Methodik und den IrrtĂŒmern der Wissenschaft und zeigen anhand vieler anschaulicher Beispiele, dass auch Wissenschaftler keine letztgĂŒltigen Wahrheiten und Beweise liefern können. Wo immer wir nach der Wahrheit suchen, basieren unsere Vorannahmen auf unbewiesenen Theorien. So kommt der Glaube, den die Wissenschaft aus der objektiven Welt vertreiben wollte, durch die HintertĂŒr immer ins Spiel. Wo liegen die Grenzen unserer Erkenntnis? Stehen wir im Zentrum der Zeit? Hat die Evolution ein Ziel und ist der Urknall nur eine unbeweisbare Hypothese? In einer Reise durch die Geschichte der menschlichen Erkenntnis finden die Autoren ĂŒberraschende Antworten. Am Ende erweist sich der wissenschaftliche Wahrheitsanspruch als ebenso unhaltbar wie die Vorstellung einer von uns unabhĂ€ngigen Welt.

Hans-Dieter Radecke / Lorenz Teufel: Was zu bezweifeln war.
Droemer, 384 Seiten, 19,90 €.


„Wer dem GlĂŒck hinterherrennt, lĂ€uft daran vorbei“
von Russ Harris

In weiten Kreisen der psychotherapeutischen Szene ist die Idee verbreitet, dass man sein Schicksal kraft positiver Gedanken selbst in der Hand hĂ€tte. Der Arzt, Coach und Psychotherapeut Dr. Russ Harris leitet weltweit Ausbildungen fĂŒr Psychologen und Therapeuten und vermittelt den gegenteiligen Ansatz. Da Techniken wie Positives Denken wenig bewirken und schnell dazu fĂŒhren, an den eigenen FĂ€higkeiten zu zweifeln, entwickelte Dr. Harris die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Die leicht erlernbaren Techniken dieser Therapieform ermöglichen dem Praktizierenden vor allem, eigene SchwĂ€chen und vermeintliche Fehler anzunehmen. Änderungen in der Lebenshaltung und -fĂŒhrung treten dann oft fast von selbst ein. Die hier beschriebenen Methoden wurden in verschiedenen wissenschaftlichen Studien untersucht und und deren Wirksamkeit bewiesen. Das Ergebnis: erst wenn Sorgen und Stress nicht mehr bekĂ€mpft werden mĂŒssen, können wir beginnen, ein tief erfĂŒlltes Leben zu fĂŒhren.

Russ Harris: Wer dem GlĂŒck hinterherrennt, lĂ€uft daran vorbei.
Kösel, 320 Seiten, 19,95 €.

GeÀndert:  09 / 2020